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Mainz

Flasche leer? Klingt ziemlich gut!

Alltagsgegenstände werden zu hippen Alleskönner-Instrumenten: Unter dem Motto „Keine Macht den Dosen“ macht das „GlasBlasSing Quintett“ im Unterhaus Musik auf leeren Flaschen. Vor Jahren waren sie in Fußgängerzonen unterwegs, heute füllen sie Hallen und heimsen Preise ein.

Alltagsgegenstände werden zu Alleskönner-Instrumenten: Unter dem Motto "Keine Macht den Dosen" macht das "GlasBlasSing Quintett" im Unterhaus Musik auf leeren Flaschen.
Alltagsgegenstände werden zu Alleskönner-Instrumenten: Unter dem Motto "Keine Macht den Dosen" macht das "GlasBlasSing Quintett" im Unterhaus Musik auf leeren Flaschen.
Foto: Harry Braun

Mainz – Leere Bierkästen hängen im Regal, Flaschen über Flaschen stehen daneben, PET und Glas friedlich vereint. Das ist der Traum eines jeden Leergutsammlers – und es ist das Handwerkszeug des "GlasBlasSing Quintetts".

"Buntglas, Weißglas, / ganz egal, wir haben Spaß", singen die fünf a cappella im Unterhaus. Dann kommen die Instrumente hinzu. Zuerst sind es geblasene Flaschen, das ist nichts Neues. "Wie klingt Leergut? Sehr gut." Doch dann wird ein Plastikwasserspender zur großen Bass Drum. "PET klingt fett, / ansonsten ist für uns Einweg kein Weg." Kronkorken klingen nach Kastagnetten, eine Reihe Flachmänner mutiert zum Xylofon. "Unser Himmel hängt voll Flaschen, / ob im Kasten oder lose, / was gar nicht geht, ist die Dose."

"Liedgut auf Leergut" versprechen die Berliner vom "GlasBlas-Sing Quintett" in ihrem zweiten abendfüllenden Programm unter dem Titel "Keine Macht den Dosen". Seit 2002 gibt es die Gruppe. Zuerst waren die Flaschenmusiker eher in den Fußgängerzonen unterwegs, mittlerweile aber füllen sie Hallen und kassieren Preise für ihre Kunst.

Musikalisch ist bei ihnen so ziemlich alles drin. Sie beginnen mit Beethovens Schicksalssinfonie und arbeiten sich über den Pop-Hit "Jungle Drum" oder einen Elvis-Evergreen bis zum selbst komponierten Stück mit witzigem Text. Dabei beweisen die Fünf ganz nebenbei, dass sie nicht nur Leergut zweckentfremden, sondern auch noch singen und blödeln können. Nachdem Frontmann Jan Peter Tangermann mit passabler Pop-Star-Stimme überzeugt hat, beharken sich der lange Andreas Lubbert und der entschieden kürzere Jan Lubbert. "Wir sind Kleinkünstler", erklärt Andreas. "Versteh' ich nicht", stellt Jan sich dumm. "Der eine ist mehr Künstler, der andere mehr klein." – "Versteh' ich nicht." – "Ist dir wohl zu hoch?", mischt Tangermann sich ein. Gut, die fünf gehören jetzt nicht gerade zur Creme der Komiker, aber im Mittelpunkt steht schließlich ihre Musik. Und wenn David Möhring ein Drum-Solo auf PET gibt, dann ist wieder alles gut. Seine Kollegen greifen zu Bierkästen mit ausfahrbaren Plastikgriffen und entlocken selbst diesem Utensil Klänge, die sonst vom teuren Schlagzeug kommen.

Nur auf Gläsern blasen und dazu singen, das könnte langweilig werden. Doch das "GlasBlasSing Quartett" hat entschieden mehr zu bieten. Immer wieder kommt ein neues Instrument hinzu, immer wieder überraschen die Berliner mit neuen originellen Arrangements. Und als sich eine Spinne vom Unterhaus-Gewölbe abseilt, witzeln die fünf sogar spontan. "Ich glaub', ich spinne", wundert sich Tangermann. "Ist das der Hausgeist?" – "Vielleicht kommen noch Schlangen vorbei", meint Frank Wegner.

Doch das war es schon an Störungen, mal abgesehen von dem lautstark begeisterten Publikum. Solch eine Störung allerdings lassen sich Künstler gemeinhin gern gefallen. Gerd Blase

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