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Mainz

Erster Schritt zum Weltkulturerbe

Rheinland-Pfalz wird die drei Schum-Städte, Speyer, Worms und Mainz, mit ihrer jüdischen Vergangenheit als Unesco-Weltkulturerbe vorschlagen. Um für dieses Vorhaben zu werben, haben Ministerpräsident Kurt Beck, Kulturministerin Doris Ahnen (beide SPD), die Oberbürgermeister von Worms, Speyer und Mainz sowie Vertreter der jüdischen Gemeinden im Land gemeinsam eine Kooperation unterschrieben.

Die von Manuel Herz entworfene und 2010 eingeweihte Synagoge in Mainz. Mit dem Neubau erhielt die Gemeinde in Mainz ein neues Zentrum, das zugleich auf die lange jüdische Tradition im gesamten Land verweisen soll.
Die von Manuel Herz entworfene und 2010 eingeweihte Synagoge in Mainz. Mit dem Neubau erhielt die Gemeinde in Mainz ein neues Zentrum, das zugleich auf die lange jüdische Tradition im gesamten Land verweisen soll.
Foto: DPA

Für die mögliche Aufnahme in die Liste wird der Vorschlag zum 1. August zunächst der Kultusministerkonferenz vorgestellt. Eine Expertenkommission wird alle deutschen Anträge bewerten und daraus eine einheitliche Vorschlagsliste zusammenstellen. Im Herbst soll der Antrag bei der Unesco eingereicht werden. Mit einer Entscheidung ist voraussichtlich 2019 zu rechnen.

Die drei Städte und die Gemeinden wollen in einem Verein künftig alle Aufgaben, die mit dem Welterbe-Antrag verbunden sind, bündeln. Derzeit arbeiten etwa Experten aller drei Städte und Gemeinden an den Bewerbungsunterlagen für die Unesco. Ebenso soll die Öffentlichkeitsarbeit und die touristische Erschließung der Schum-Städte besser koordiniert werden.

Mainz, Speyer und Worms sind Juden in aller Welt bekannt. Im Mittelalter bildeten sie den Bund der Schum-Städte. Das Wort "Schum" ist aus den Anfangsbuchstaben ihrer hebräischen Namen zusammengesetzt: Schpira (Speyer), Wormaisa (Worms) und Magenza (Mainz). Die drei Städte beherbergten einst bedeutende jüdische Gemeinden, die hohes Ansehen in ganz Europa genossen und zu Zentren der Gelehrsamkeit aufstiegen. Das Städte-Trio wird deshalb auch als das "Jerusalem des Westens" bezeichnet.

Mainz ist älteste Schum-Gemeinde

Beck erklärt bei der Unterzeichnung der Kooperation, dass es allen Bürgern ein Anliegen sein müsse, dem jüdischen Leben in der Gesellschaft den Platz zu geben, der ihm zustehe. Ministerin Ahnen fügt hinzu: "Wir zeigen, dass wir uns stark machen für die Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung jüdischen Lebens."

Schum bedeute auch, dass Tradition und Innovation sich nicht ausschließen, meint der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden, Dr. Peter Waldmann, und fordert: "Wir müssen die Tradition lebendig halten."

Zu den bedeutenden Zeugnissen der jüdischen Kultur im Land zählt etwa der jüdische Friedhof in Worms – er ist der älteste erhaltene jüdische Friedhof Europas. Mainz gilt als älteste der drei Schum-Gemeinden, in der seit dem 10. Jahrhundert große jüdische Gelehrte wirkten. Das Landesmuseum verfügt etwa über mehr als 1000 Jahre alte Grabsteine. Mit dem Neubau der Mainzer Synagoge vor zwei Jahren erhielt die Gemeinde in Mainz ein neues Zentrum.

Speyer ist mit dem ab 1104 entstandenen jüdischen Viertel die jüngste der drei Gemeinden. Mit dem Judenhof hat sich ein kultisches Zentrum erhalten, das sich heute mit der Ruine der Synagoge und dem Museum Schpira präsentiert. Andrea Wagenknecht

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