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Mainz

Einen Tag schneidern für Bildung in Afrika

Unter dem Motto "Dein Tag für Afrika" fand gestern der zehnte Aktionstag im Rahmen der karitativen Kampagne zum runden Geburtstag der "Aktion Tagwerk" unter der Beteiligung von etwa 200 000 Schülern im gesamten Bundesgebiet statt. Die Schülerinnen und Schüler suchen sich für einen Tag einen Job, der komplette Lohn fließt der "Aktion Tagwerk" zu, die damit Bildungsprojekte in Afrika unterstützt.

Erstmalig hat auch das Staatstheater Mainz Jobs für die "Aktion Tagwerk" zur Verfügung gestellt. Schülerin Anna Gärtner (Mitte) hat sich für die Damenschneiderei entschieden. Gewandmeister Thomas Kremer und Schneiderin Christine Baumann sind von ihrem Engagement begeistert.
Erstmalig hat auch das Staatstheater Mainz Jobs für die "Aktion Tagwerk" zur Verfügung gestellt. Schülerin Anna Gärtner (Mitte) hat sich für die Damenschneiderei entschieden. Gewandmeister Thomas Kremer und Schneiderin Christine Baumann sind von ihrem Engagement begeistert.
Foto: Harry Braun

Mainz – Anna Gärtner nimmt genau Maß. Dann schneidet sie behutsam mit der großen Schneiderschere verschieden breite Streifen aus einem großen Stück Chiffon. Zwölf lange Stoffbahnen sind es am Ende, nach sieben Stunden, die dann zu einem Tutu für das Ballett "Schwanensee" zusammen genäht werden. Theater-Schneiderin Christine Baumann, Annas Kollegin für einen Tag, lobt sie: "Anna macht das richtig gut." Anna strahlt.

Einleuchten für die Abendvorstellung von "Il primo omicidio" im Kleinen Haus. Sarah Bartosch ist beim Beleuchtungs-Team unter gekommen.
Einleuchten für die Abendvorstellung von "Il primo omicidio" im Kleinen Haus. Sarah Bartosch ist beim Beleuchtungs-Team unter gekommen.
Foto: Harry Braun

Anna Gärtner ist eine von fünf Schülerinnen, die einen ganzen Tag lang im Mainzer Staatstheater Dienst tun: Dienst für die "Aktion Tagwerk" und für Bildungsprojekte in Afrika. Unter dem Motto "Dein Tag für Afrika" fand gestern der zehnte Aktionstag im Rahmen der karitativen Kampagne zum runden Geburtstag der "Aktion Tagwerk" unter der Beteiligung von etwa 200 000 Schülern im gesamten Bundesgebiet statt.

Die Schülerinnen und Schüler suchen sich für einen Tag einen Job – natürlich gegen Bezahlung. Der komplette Lohn fließt der "Aktion Tagwerk" zu, die damit Bildungsprojekte in Afrika unterstützt. Dabei muss der Job nicht zwangsläufig in einem Betrieb sein: "Ich mache schon zum vierten Mal mit. Einmal habe ich einen Tag lang bei meiner Oma Fenster geputzt und Gardinen aufgehängt", erzählt Anna, die normalerweise die 10 F der IGS in Bretzenheim besucht. Die Oma hat der "Aktion Tagwerk" dann Annas Lohn überwiesen. Dieses Jahr darf Anna in der Damenschneiderei des Staatstheaters neue Eindrücke gewinnen.

Die Neuntklässlerin Sarah Bartosch sitzt in einer Werkstatt hinter der Bühne des Kleinen Hauses und beklebt Kabel mit Nummern. Über die Internet-Jobbörse der "Aktion Tagwerk" hat sie den Theaterjob ergattert. Auch wenn sie noch lieber in die Arbeit der Maskenbildner reingeschnuppert hätte, ist sie engagiert zu Gange. "Mit Technik kenne ich mich eigentlich gar nicht aus", erklärt sie. Es war aber die letzte freie Stelle am Theater, da hat sie einfach zugegriffen.

Sarahs ganze Klasse, 30 Schüler, haben sich für den Aktionstag Jobs gesucht, die Teilnahme ist freiwillig. Das Bewusstsein für die Not der Gleichaltrigen in Afrika ist durch den Politikunterricht und Nachrichten vorhanden. Wie auch Damenschneiderin Anna findet Sarah, dass der "Tag für Afrika" eine tolle Aktion ist. Letztlich würden ja viele profitieren: Die Schüler, die in einen Beruf reinschnuppern dürften, der Betrieb, der Unterstützung bekäme, und natürlich die Kinder in Afrika, denen mit den erarbeiteten Geldern der Schulbesuch oder eine Ausbildung ermöglicht würde.

Vor dem Staatstheater hat unterdessen ein gelber Eiswagen gehalten. "Eis-Tony" steht drauf, doch beim Kugel-Kauf kommt die Überraschung. Kultusministerin Doris Ahnen höchstpersönlich reicht die Waffel nach draußen: "Ich bin schon seit zehn Jahren, also von Anfang an, Unterstützerin dieser tollen Aktion", unterstreicht Ahnen ihr Engagement. Rikscha ist sie gefahren, hat Gemüse auf dem Markt verkauft oder beim Bäcker ausgeholfen. In einer halben Stunde verkauft Doris Ahnen 150 Bällchen Eis. Eine gute Quote, gerade für eine "Branchenfremde".

Ihrem Beispiel sind in diesem Jahr erstmals auch weitere Politiker gefolgt. So waren die Fraktionschefs des Landtags Rheinland-Pfalz, Hendrik Hering (SPD), Julia Klöckner (CDU) und Daniel Köbler (Grüne) und viele Abgeordnete für die "Aktion Tagwerk" im Einsatz, wenn auch nur stundenweise. Doch ein Signal haben sie damit allemal gesetzt. Ein Signal für positive Bildungsentwicklung in Afrika.

Dominic Schreiner

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