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Mainz

Die Opernbühne wird zum Klassenzimmer

Ein besonderes Gemeinschaftsprojekt nimmt im Staatstheater langsam Gestalt an: Die Kinderoper "Das Geheimnis um das blaue Tor" wird von Schülerinnen der Maria-Ward-Schule auf die Beine gestellt: Sie spielen, singen und fertigen Kostüme und Kulissen. Wir haben eine Probe besucht.

Foto: Harry Braun

Mainz. Sonja Thomaszik hat an diesem Nachmittag garantiert den schönsten Platz: Im Foyer des Kleinen Hauses sitzt sie am Fuße des Zauberkleides. Meterlanger Stoff fällt auf den Boden, konzentriert hält die 13-Jährige den Pinsel in der Hand und malt große Wellen in einem satten Blau aus.

Später wird der Zauberer in diesem Kleid über der Bühne schweben, mehrere Tänzerinnen werden ihm den Rock in die Höhe halten. Denn das Kleid ist von außen schlicht Silber, auf der Innenseite sollen blaue Wellen und rote lodernde Flammen zu sehen sein – und die sind gerade in Arbeit.

Sonja Thomaszik ist an diesem Tag nur eine von vielen Schülerinnen der Maria-Ward-Schule, die durch das Mainzer Staatstheater wuseln. Die Mädchen proben für die Kinderoper "Das Geheimnis um das blaue Tor" von Michael Jakumeits. Die zeitgenössische Oper in zwei Akten wurde 2008 in Berlin uraufgeführt. Am 24. März hat sie in Mainz Premiere. Zum ersten Mal bringt das Staatstheater in Kooperation mit der Maria-Ward-Schule eine Kinderoper für und mit Kindern auf die Bühne des Großen Hauses – ein Projekt, das bundesweit Seltenheitswert hat, denn die Kinder werden nicht nur selbst spielen und singen, sondern sind auch an allen anderen Bereichen einer Opernproduktion beteiligt.

Auf der Probebühne im Keller des Kleinen Hauses ist Regisseurin Anja Kühnhold im Einsatz: "O.k., stopp!", ruft sie den Mädchen zu. "Der Anfang ist schon ganz gut, aber dann dürft ihr nicht so lange Pausen lassen." Kühnhold stellt sich an die Stelle der Schülerin Marlena Große und geht mit langsamen Schritten nach vorne, macht vor, wie sie sich die Szene vorstellt. "Denk dran, dass du immer in der Diagonalen stehst, damit dich das Publikum sieht", erklärt sie der 14-Jährigen. Marlena spielt und singt eine Hauptrolle in der Oper. Sie mimt eine Hartz-IV-Empfängerin, die kein Geld hat ins Theater zu gehen und am Eingang von einem Kontrolleur barsch abgewiesen wird. Die 14-Jährige hat schon oft in der Schule Theater gespielt, doch gesungen hat sie noch nicht vor Publikum. Dafür macht sie es bereits ziemlich gut. Ihre klare helle Stimme übertönt leicht die Begleitung am Klavier. Das gelingt nicht allen Schülerinnen so gut. Später müssen die Mädchen gegen ein ganzes Orchester ansingen – zum Glück haben sie dann Mikros. Während auf der Probebühne an Szenen und Einsätzen gefeilt wird, hat Sonja Thomaszik die Wellen und Flammen des Zauberkleides fast geschafft. Anprobiert wird aber erst in ein paar Wochen. Andrea Wagenknecht

Hinweis: Premiere ist am 24. März, 17 Uhr, im Großen Haus. Kartentelefon 06131/285 12 22

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