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    Der Boom hält an: Brauchen wir noch mehr Konsum-Tempel?

    Römerpassage, Am Brand - und nun soll in Mainz an der Ludwigsstraße ein drittes großes Einkaufszentrum entstehen. Über dessen Sinn und Größe wird in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt allerdings heftig gestritten.

    Größer, neuer, schöner - die Einkaufszentren im Rhein-Main-Gebiet (im Foto: MyZeil) wachsen und vermehren sich getreu der Devise "Handel ist Wandel". Dabei sehen Fachleute die Innenstädte im Kommen und betonen die Bedeutung der Nahversorgung einer alternden Gesellschaft.
    Größer, neuer, schöner - die Einkaufszentren im Rhein-Main-Gebiet (im
    Foto: MyZeil) wachsen und vermehren sich getreu der Devise "Handel ist Wandel". Dabei sehen Fachleute die Innenstädte im Kommen und betonen die Bedeutung der Nahversorgung einer alternden Gesellschaft. - dpa

    Mainz/Frankfurt - Römerpassage, Am Brand - und nun soll in Mainz an der Ludwigsstraße ein drittes großes Einkaufszentrum entstehen. Über dessen Sinn und Größe wird in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt allerdings heftig gestritten.

    Dabei geht es in erster Linie um die Größe des Konsum-Tempels: Investor ECE will alleine 30.000 Quadratmeter für Einzelhandelsläden, dazu sollen weitere Flächen für Gastronomie und Dienstleister kommen. Aber auch die räumliche Ausdehnung des Gebäudes in Richtung Altstadt ist Gegenstand der Auseinandersetzungen zwischen Befürwortern und Gegnern.

    Einkaufszentren erleben Boom

    Der Blick über die Landesgrenze nach Frankfurt zeigt, dass dort auf der Zeil, an der Messe und wohl auch irgendwann nahe der neuen Europäischen Zentralbank (EZB) riesige Einkaufszentren erblühen. Zugleich wachsen Shopping-Center an der Peripherie und in den Nachbargemeinden wie Neu-Isenburg und Hanau. Zwar liegt die Region damit im Trend, denn in den nächsten fünf Jahren sollen mehr als 100 Einkaufszentren in Deutschland entstehen. Aber wer soll dort überall einkaufen?

    Der Vorsitzende des hessischen Einzelhandelsverbands, Frank Albrecht, sagt: "In Deutschland gibt es - im Vergleich zu anderen Ländern - zu viel Einzelhandelsfläche." Die Folge: Ein heftiger Wettbewerb um Standorte. Regionalplaner Prof. Julian Wékel von der Technischen Universität Darmstadt hält die Kaufkraft im Rhein-Main-Gebiet für weitgehend abgeschöpft. "Der bessere Standort schlägt aber immer den schlechteren." Dabei hat der Architekt eine Renaissance der Innenstädte ausgemacht und hält Zentren wie das "Loop5" an der Autobahn bei Weiterstadt für eine Fehlentwicklung.

    Main-Taunus-Zentrum expandiert

    Deutschlands ältestes Einkaufszentrum, das Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach, setzt dagegen auf Expansion. 1964 wurde es auf der grünen Wiese errichtet - vom 17. November an präsentiert es sich erneuert und um 70 Geschäfte erweitert. Größer werden soll auch das 40 Jahre alte Hessen-Center im Osten Frankfurts, das nach Albrechts Einschätzung auch mit der wachsenden Konkurrenz in der Hanauer Innenstadt zurechtkommen muss. Das Isenburg-Center ist vor wenigen Wochen wiedereröffnet worden - natürlich größer. "Mit den Erweiterungen alteingesessener Center reagieren wir auf den wachsenden Wettbewerb", sagt Andreas Kube vom Hamburger ECE, dem Management dieser drei Einkaufswelten. "Waren früher Zentren mit 80 bis 90 Geschäften für den Verbraucher interessant, so sind es heute 140."

    Neu investiert der Marktführer in Frankfurt an der Messe - nicht auf der grünen Wiese also, aber auch nicht direkt in der City, wo mit "MyZeil" bereits ein Einkaufszentrum lockt. Vom "Skyline Plaza", das in zwei Jahren etwa 180 Geschäfte im neuen Europaviertel an der Frankfurter Messe bieten soll, verspricht sich ECE laut Kube "zusätzliches Potenzial". Damit meint er die Messegäste, die erwarteten rund 30.000 Beschäftigten und die voraussichtlich 5000 Bewohner des Viertels.

    Albrecht glaubt dagegen: "Es wird schwer, dort vernünftige Renditen zu erzielen."

    Bedeutung der Nahversorgung

    Kritisch sieht er auch die geplante rund 30.000 Quadratmeter große Verkaufsfläche in der Nähe des EZB-Neubaus. Die Bauvoranfrage ist genehmigt, der Antrag eingereicht, heißt es im Planungsdezernat. Die Stadt fühle sich dem Konzept verpflichtet, würde es heute aber vermutlich nicht mehr genehmigen. "Wir wollen nicht, dass die bestehenden Stadtteilzentren kaputt gehen", sagt Sprecher Mark Gellert.

    Albrecht und die Industrie- und Handelskammer (IHK) betonen die Bedeutung der Nahversorgung - gerade auch in einer alternden Gesellschaft. IHK-Geschäftsführer Andreas Freundt hebt jedoch die Kaufkraft der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main hervor: "Sie hat nach München/Starnberg die stärkste in Deutschland." Für die Attraktivität der Region spreche auch der boomende Hotelmarkt und der Bevölkerungszuzug in Hessens größter Stadt.

    "Shopping ist ein Reisemotiv", ergänzt der Geschäftsführer der Tourismus und Congress GmbH, Thomas Feda. Frankfurt werbe für sich weltweit nicht nur als Kultur- und Kunst-, sondern auch als Shoppingstadt. Touristen etwa aus China kauften in Deutschland Originale, und mancher Russe komme als Tagestourist über den Flughafen in die City.

    Einzelhandelsverband und IHK stellen daher auch die Chancen der Frankfurter City heraus, unter anderem an der Ost-Zeil. Dass die Stadtväter den geplanten Umbau des Sorgenkinds Hauptwache aus finanziellen Gründen erst einmal auf Eis gelegt haben, hält Albrecht für "einen Skandal ersten Ranges".

    Der Einzelhandel habe in den jüngsten Jahren mehr als eine Milliarde Euro in die City investiert, unter anderem für die neue Zeil. Dies stehe in keinem Verhältnis zu den Ausgaben der Stadt. "Das ist, als ob Sie Ihr Wohnzimmer neu gestaltet haben, und der Eingang ein Pappdeckel ist", schimpft Albrecht. Ira Schaible

    Mainzer Rhein-Zeitung
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