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Mainz

Das römisches Erbe von Mainz zerbröselt

Der Drususstein auf der Zitadelle und die Römersteine in Bretzenheim sind in einem schlechten Zustand. Der Landsarchäologe Gerd Rupprecht schlägt Alarm.

Landesarchäologe Gerd Rupprecht zeigt, wie leicht sich Brocken von den Römersteinen lösen.
Landesarchäologe Gerd Rupprecht zeigt, wie leicht sich Brocken von den Römersteinen lösen.
Foto: Armin Thomas

Mainz – Der Drususstein auf der Zitadelle verliert pro Jahr einen Kubikmeter Steinmasse, von den Römersteinen in Zahlbach bröckelt so viel ab, dass man pro Woche eine Schubkarre mit Relikten aus römischer Zeit abtransportieren könnte. Und am Römischen Theater besteht ohnehin Handlungsbedarf, weil eine Mauer an den Bahngleisen die Sicht der Fahrgäste auf diese Mainzer Attraktion verstellt.

Das sind drei Baustellen aus römischer Zeit, um die sich der Landesarchäologe Gerd Rupprecht auch in seiner Freizeit kümmert. Aber der 67-Jährige geht nächstes Jahr in Ruhestand. Er könnte sich zwar ein ehrenamtliches Engagement vorstellen, aber eine dauerhafte Bewahrung der römischen Schätze sei damit nicht zu erreichen. "Die Stadt könnte sich mit einem ehrenamtlichen Archäologen aus ihrer Verantwortung lavieren und bräuchte keine Person zu installieren, die der Landesarchäologie nachgeordnet ist.

"Vorsicht Steinschlag!"

Aber genau dies hält Rupprecht für nötig. In der Denkmalpflege wird dies so gehandhabt. Neben der Landesdenkmalpflege gibt es die städtische Denkmalpflege. Sie kooperieren.

Als Rupprecht vor Jahren die Stadt auf die Situation am Drususstein hinwies, ließ diese dort ein Schild aufstellen: "Vorsicht Steinschlag!" Das könnte sie an den Römersteinen inzwischen auch tun. "Da purzeln ständig Steine auf den Weg oder auf die Schafsweide." Um Spaziergänger zu schützen, sollte man am Fußweg zum Universitätsstadion ein Geländer anbringen, schlägt Rupprecht vor.

Eine idyllische Gegend ist dies in unmittelbarer Nähe zur City. Viele Menschen kommen in ihrer Freizeit hierher, um sich etwas zu erholen. Und da bilden die 62 Römersteine, die in unterschiedlichen Größen erhalten sind, ein prächtige Kulisse. Doch ihr Zustand ist mehr als bedenklich. Einige sind stark bewachsen, andere so brüchig, dass man einzelne Steine ohne Mühe herausnehmen kann aus einigen Pfeilern. "Das Grünamt macht nichts, weil es sagt: Dies ist Sache der Denkmalpflege. Und das ist ja auch richtig", schildert Rupprecht das Dilemma. Er hat mal zwei Helfer für monatlich 400 Euro auf Honorarbasis engagiert für die Pflege, aber eine dauerhafte Lösung sei dies nicht.

Das römische Erbe wird weniger

Rupprecht betont noch einmal: "Ich will der Stadt nur helfen und Hinweise geben. Der Landesarchäologe Rupprecht wird in Ruhestand gehen. Und sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin werden Grabungen vornehmen. Reparaturen gehören nicht zu seinen oder ihren Aufgaben."

Und Rupprecht selbst wird künftig auch nicht mehr reparieren. "Das war für mich Freude und Pflicht zugleich. Es war mein persönlicher Einsatz. Dafür wird es keinen Ersatz geben." Darum appelliert er eindringlich an die Stadt: "Der Status Quo ist keiner – das römische Erbe in Mainz wird kleiner. Die Sorge und Pflege der Denkmäler ist die Aufgabe der Stadt und nicht Aufgabe der Landesdenkmalpflege."

Armin Thomas

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