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Mainz

Catherine Rückwardt: Das alles musste sein

Die wichtigste Frage zum Ende ihrer Tätigkeit als Generalmusikdirektorin kann Catherine Rückwardt mit einem Lächeln beantworten: "Für mich geht es weiter mit ganz vielen Gastauftritten."

Abschied nach 10 Jahren: Catherine Rückwardt, Generalmusikdirektorin und Orchesterintendantin.
Foto: Bettina Müller
Abschied nach 10 Jahren: Catherine Rückwardt, Generalmusikdirektorin und Orchesterintendantin.
Foto: Bettina Müller

Mainz – Die wichtigste Frage zum Ende ihrer Tätigkeit als Generalmusikdirektorin (GMD) in Mainz kann Catherine Rückwardt mit einem Lächeln beantworten: "Für mich geht es weiter mit ganz vielen Gastauftritten in der kommenden Spielzeit."

Gerade kommt sie von einem Gastspiel des Balletts der Deutschen Oper am Rhein beim Bodensee – und auch in der kommenden Saison wird sie ihre Arbeit mit Ex-ballettmainz-Chef Martin Schläpfer in Duisburg fortsetzen und dort sein Programm b.07 dirigieren. Und sie bleibt der verkehrstechnisch günstigen Region – immerhin studieren beide Kinder an der Mainzer Uni – zumindest in Teilzeit erhalten.

Neben diesen Ballett- und zahlreichen Konzertverpflichtungen steht allerdings noch keine Oper auf Rückwardts Programm: "Das wird mal eine ganz neue Erfahrung nach 27 Jahren sein", gesteht die Dirigentin. Sie hat in den vergangenen zehn Jahren ein überwältigend breites Programm an Opern und Sinfonie-Konzerten in Mainz bewältigt: "Es war meine eigene Wahl, mich vornehmlich um das Haus hier zu kümmern, weil ich das für richtig hielt. Es gibt Beispiele für Kollegen, die nur sporadisch am Haus sind und viele andere Verpflichtungen übernehmen. Wenn mich das eine oder andere Gastspiel gekostet hat und die Karriere verlangsamt, dann soll das so sein."

Doch mit ihrer Entscheidung, das Amt jetzt niederzulegen, ist Rückwardt rundherum zufrieden, denn: "Die Orchesterstrukturreform 2003 hatte auch Langzeitwirkung für mich." Seitdem war sie in Doppelfunktion als GMD und Intendantin des Orchesters tätig, und das bedeutete starke Eingriffe in die künstlerischen Überlegungen: "Ich musste sehr langfristig für das Orchester planen, und zusehen, dass wir in der Wirtschaftlichkeit bleiben. Das hat oft Einfluss auf die künstlerische Freiheit, und so bin ich zu dem Schluss gekommen: Es ist schön hier, ich arbeite gern hier, aber die Entwicklungsmöglichkeiten sind stark eingeschränkt worden."

Das Jahr 2003 markiert eine deutliche Zäsur in ihrer GMD-Zeit: Mit der Orchesterstrukturreform des Landes stand auf einmal der Fortbestand eines eigenständigen Mainzer Orchesters zur Debatte. Das Ende vom Lied: Zahlreiche Stellen wurden gestrichen, das Orchester deutlich geschwächt. "Wir waren so gut in Fahrt nach 2001 und der Wiedereröffnung und waren richtig gut drauf. Und dann kam die Orchesterstrukturreform", erinnert sich Rückwardt. Und sie kann eines nicht verstehen: "Damals wurde die Reform mit den abzusehenden finanziellen Schwierigkeiten der Theater und der Haushaltsituation begründet. Wir haben viele Stellen eingebüßt – dann möchte ich doch wissen, warum jetzt schon wieder eine Spardiskussion aufkommt." Die Kämpfe für das Orchester, die ständige Rechtfertigung, das immer neue Motivieren der Musiker: Das alles hat Spuren hinterlassen.

Aber es gibt glücklicherweise auch viel Gutes, an das sich Catherine Rückwardt gern erinnert: etwa die Tatsache, dass es Mainzer Sänger auch aus dem Jungen Ensemble an größere Häuser verschlagen hat und auch "ihre" Kapellmeister vielversprechende Karrieren eingeschlagen haben. Das Thema "Frauen am Dirigentenpult" hat ihr schon zum Amtsantritt nicht behagt, auch heute ist es nicht ihr Lieblingsthema: Genau eine Dirigentin hat sie in ihren zehn Jahren als Gast eingeladen – "aber nicht, weil sie eine Frau ist, sondern weil sie gut ist!"

Strahlen kann Catherine Rückwardt immer dann, wenn es um die beinahe unverschämt erfolgreichen Kinder- und Jugend-Konzerte geht, in denen viel neuere Musik vor begeistertem Publikum präsentiert werden konnte. Und außer dem für sie ohnehin besonders herausragenden "Rosenkavalier" ("Der hat mich verändert.") möchte sie keine Produktion missen: auch nicht die, die besonders anstrengend waren. Denn, so gibt sie ein berückendes Schlusswort: "Das alles musste sein. Genau so." Claus Ambrosius

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