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    Wiesbaden

    Behörden tun nichts gegen "tödliche Kreuzung"

    Tote, Schwerverletzte, hohe Sachschäden - an einer Kreuzung kurz vor Bierstadt passieren häufig Unfälle. Und das wird vermutlich auch so bleiben.

    Das ewige Licht auf der Verkehrsinsel erinnert an ein 19-jähriges Unfallopfer an dem Gefahrenpunkt auf der B 455.
    Das ewige Licht auf der Verkehrsinsel erinnert an ein 19-jähriges Unfallopfer an dem Gefahrenpunkt auf der B 455.
    Foto: Martin Weis

    Wiesbaden - Ein nasskalter Januarmorgen: Das ewige Licht flackert auf der Verkehrsinsel im Wind - nun schon seit über dreieinhalb Jahren, tagein, tagaus.

    Flankiert wird es vom Foto eines Jugendlichen: Am 4. Juli 2009 verlor der damals 19-Jährige an dieser Stelle kurz vor Bierstadt sein Leben. Mit 100 Stundenkilometern war er auf seinem Motorrad auf der New-York-Straße aus Richtung Stadt den Berg hinauf gebraust, als er ein abbiegendes Auto nicht rechtzeitig bemerkte.

    Unfälle nach ähnlichem Schema passieren häufig an dieser Kreuzung. Zuletzt kurz vor Weihnachten, als ein Fahrzeug der amerikanischen Militärpolizei in einen Kleintransporter krachte - Folge: eine schwer verletzte Frau, hoher Schaden. Die Autos rauschen rechts und links an der brennenden Kerze vorbei. "Sind Sie verrückt? Auf dieser Kreuzung zu stehen, ist lebensgefährlich", brüllt ein Mann auf seinem Fahrrad, der sich als Ali vorstellt. "Wenn Sie wüssten, was ich hier schon für Unfälle erlebt habe." Kein Wunder: Von Bierstadt kommend biegt die Bundesstraße 455 links Richtung Autobahn ab. Wer ihrem Verlauf folgt, glaubt leicht, er hat Vorfahrt - und begibt sich damit in tödliche Gefahr: Denn von unten nahen auf der New-York-Straße aus Richtung Innenstadt die Autos mit zulässigen 70 Stundenkilometern - sie haben Vorfahrt und übersehen leicht die von links kreuzenden Wagen auf der abknickenden Bundesstraße. Zumal bei Dunkelheit. "Es gibt noch nicht einmal Schilder, die Klarheit schaffen oder auch nur vor der Gefahr warnen", meckert Ali. Stimmt. Hinweise auf die ständige Gefahr sucht man hier vergeblich. Von Geschwindigkeitsbegrenzungen ganz zu schweigen. "Hab schon oft gesagt, dass hier was getan werden muss", sagt Ali kopfschüttelnd beim davonradeln.

    Dass etwas getan werden muss, weiß auch die Polizei: Die hatte zuletzt 2011 eine Unfallhäufung festgestellt - die Kreuzung wurde zum "Unfallpunkt" deklariert, laut Definition müssen hierzu mindestens fünf Unfälle desselben Typus während eines Jahres registriert werden, alternativ drei Unfälle mit schwerem Personenschaden innerhalb von drei Jahren. "Hier wird oft zu schnell gefahren, gepaart mit der Tatsache, dass der Gegenverkehr allzu leicht übersehen wird", weiß Polizeihauptkommissar Markus Hoffmann.

    Im vergangenen Jahr wurde deshalb bereits eine Warnbake entfernt, die die Sicht der Autofahrer einschränkte. Ob das reicht? "Das Ergebnis der Unfalluntersuchungen ist Grundlage für Präventivmaßnahmen", sagt Hoffmann. Soll heißen: Unfallpunkte werden einer städtischen Kommission vorgelegt, die zweimal jährlich tagt: Dort sitzen Vertreter der Stadt, die Verkehrsbehörde sowie die Polizei an einem Tisch. Diskutiert wird, wie Unfälle an solch neuralgischen Punkten verhindert werden können.

    Die Kommission hat viel zu tun: Vermutlich 15 Unfallpunkte werden in die Polizeistatistik für das Jahr 2012 eingehen. Es hat oft gekracht im Wiesbadener Straßenverkehr - knapp 8000 Mal allein 2012. Laut Straßenverkehrsbehördenchef Michael Zollmann stand bei der jüngsten Kommissionssitzung Mitte Dezember auch die Kreuzung New-York-Straße/B 455 auf der Tagesordnung. "Die Verkehrsplanung ist nun beauftragt, konkrete Maßnahmen zu prüfen, wie etwa Ampelanlagen." Das tut letztere, sprich das Tiefbau- und Vermessungsamt, jedoch nicht: Den Beteiligten sei aufgefallen, dass das Land für die genannte Kreuzung die Verantwortung trage, "treffen hier doch Bundes- sowie Landesstraße aufeinander", so ein Verwaltungssprecher.

    Und was sagt das Land dazu? "Wir sehen derzeit keine Veranlassung, etwas zu unternehmen", so Veit Göbel von Hessen Mobil. Begründung: 2012 war die Kreuzung am Ortseingang von Bierstadt kein Unfallpunkt gemäß der behördlichen Definition - weil nicht genügend Unfälle nach demselben Schema passiert sind. Und somit dürfte eine dringend benötigte Ampel oder ähnliches vorerst im behördlichen Paragrafendschungel stecken bleiben. Das ewige Licht auf der Kreuzung flackert derweil weiter.  Bastian Beege

     

    Unfallstatistik: Rund 8000 Unfälle zählte die Polizei 2012 in Wiesbaden – etwa genauso viele wie 2011. 15 Unfallpunkte galten als besonders gefährlich. Doch Autofahren scheint insgesamt sicherer zu werden: 2010 gab es noch 26 Unfallpunkte. Ein Unfallpunkt liegt vor, wenn mindestens fünf Unfälle des gleichen Typus innerhalb eines Jahres oder mindestens drei Unfälle mit schweren Personenschäden innerhalb von drei Jahren in die Statistik eingehen.

    Mainzer Rhein-Zeitung
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