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    Mainz

    Ameisensklaven rebellieren gegen Ausbeuter

    Ameisen, die in fremden Nestern als Sklaven gehalten werden, können ihren Ausbeutern durch Sabotageakte beträchtlichen Schaden zufügen. Kein Einzelfall, wie Ameisenforscherin Prof. Dr. Susanne Foitzik aus Mainz herausgefunden hat.

    Ameise auf einem Blatt

    Mainz - Ameisen, die in fremden Nestern als Sklaven gehalten werden, können ihren Ausbeutern durch Sabotageakte beträchtlichen Schaden zufügen.

    Die Ameisenforscherin Prof. Dr. Susanne Foitzik von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) hat das als Sklavenrebellion bezeichnete Verhalten 2009 zum ersten Mal beobachtet. Nun zeigen neue Forschungen, dass es sich bei diesen Beobachtungen um keinen Einzelfall handelt, sondern dass es ein weit verbreitetes Merkmal zu sein scheint.

    In drei unterschiedlichen Gemeinschaften aus den US-Bundesstaaten West Virginia, New York und Ohio haben versklavte Arbeiterinnen der Ameisenart Temnothorax longispinosus die Brut ihres Parasiten Protomognathus americanus - ebenfalls eine Ameisenart - vernachlässigt und getötet, anstatt sie zu pflegen.

    Über die Hälfte aller Arten lebt parasitisch, beutet also andere Arten, ihre sogenannten Wirte, aus. Die amerikanische Sklavenhalterameise (Protomognathus americanus) gehört zu den evolutionsgeschichtlich alten Sozialparasiten, die eine andere Ameisenart brauchen, um überleben zu können.

    Die Versklavung erfolgt, indem Arbeiterinnen der Sklavenhalterameise die Nester der Wirtsart Temnothorax longispinosus überfallen, erwachsene Tiere töten und die Brut rauben. Im eigenen Nest, welches sich in hohlen Eicheln, Nussschalen oder hohlen Zweigen befindet, wird das Brutpflegeverhalten der versklavten Art ausgenutzt und für eigene Zwecke verwendet. Die versklavten Brutpflegerinnen füttern und reinigen dann die Larven und ziehen so den Nachwuchs ihres Parasiten groß - bis zu einem bestimmten Punkt, wie die Arbeitsgruppe um Susanne Foitzik gezeigt hat.

    "Wahrscheinlich können die Sklaven zunächst nicht erkennen, dass es sich um die Brut einer anderen Art handelt", vermutet die Mainzer Evolutionsbiologin. 95 Prozent der Brut überlebt das Larvenstadium. Doch das ändert sich, sobald sich die Larven verpuppen: "Die Puppen, die schon wie Ameisen aussehen, haben ein chemisches Profil auf ihrer Kutikula, das offenbar wahrgenommen wird. Wir konnten zeigen, dass es dann bei den Puppen zu hohen Tötungsraten kommt." Die Puppen werden entweder vernachlässigt oder absichtlich getötet, indem sie attackiert und auseinandergerissen werden. Dazu können sich mehrere Sklavinnen auf eine Puppe stürzen, die während der Verpuppung, die hier ohne Kokon erfolgt, bewegungslos und wehrlos ist.

    In Parasitennestern aus West Virginia haben nur 27 Prozent und in solchen aus New York nur 49 Prozent der Puppen überlebt. In Ohio war die Überlebensrate der amerikanischen Sklavenhalterameise mit 58 Prozent etwas höher, lag aber immer noch deutlich unter der Überlebensrate von Wirtspuppen in freilebenden Nestern von 85 Prozent. "Die versklavten Arbeiterinnen gewinnen daraus keinen direkten Nutzen, weil sie sich nicht fortpflanzen können", erklärt Susanne Foitzik.

    Durch das Töten der Sklavenhalternachkommen erhalten aber benachbarte Verwandte, die Schwestern der versklavten Arbeiterinnen sein können, einen indirekten Fitnessvorteil: Die Wachstumsrate von Nestern, die durch Sklavenrebellion geschädigt sind, ist geringer.

    Die Forschungsarbeit wird seit Oktober 2011 als Projekt der Deutschen Forschungsgesellschaft gefördert.

    Sklavenaufstand in der hohlen Eichel - Mainzerin erforscht Ameisen
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