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    Mainz

    Alte Steine und Erdschichten zum Sprechen bringen

    Nach dem Bohrunfall in der Rheinstraße ergründen Archöologen die Mainzer Geschichte. "Das ist alles noch auf dem Weg sprechend zu werden", sagt Dr. Marion Witteyer vielsagend zum bunten und vielschichtigen Profil der Grabenböschung, die ihr Grabungsteam in sorgfältiger Kleinarbeit freigelegt hat.

    Die Landesarchäologin zeigt in einer Tiefe von drei Metern auf Erd- und Steinschichten, die in direkter Nähe der früheren Stadtmauer wertvolle Erkenntnisse auf die Mainzer Stadtgeschichte liefern werden. Noch bewegt sich das Grabungsteam im Mittelalter: Da liegt Schiefer, der darauf hinweist, dass Bauschutt in eine Grube gefüllt wurde. Nebenan taucht heller Lehm auf - mit dem Fachwerkhäuser ausgeputzt waren. Überall gibt es Brandspuren. Laufhorizonte zeigen, wo über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte die Siedlungsebene lag. Gut drei Meter unter dem heutigen Niveau.

    Für Grabungstechniker Klaus Soukop ist das keine Überraschung: "Immer wenn etwas zerstört war, hat man darauf aufgebaut. Da wurde nichts abtransportiert, sondern eher aufplaniert, um den Rhein zurückzudrängen." Der floss in unmittelbarer Nachbarschaft. Da war Schutt ein hochwillkommenes Befestigungsmaterial. Soukop: "Bevor die Römer kamen, war das hier überwiegend Sumpf."

    Mittelalterliches Geschehen erfassen

    Ob unter der bereits freigelegten mittelalterlichen Stadtmauer noch eine Römermauer auftaucht, ist noch offen. Erst einmal gilt es, das mittelalterliche Geschehen an der Rheinstraße zu erfassen. Dazu wird jetzt ein "Planum" (Grabungsebene) angelegt und alles fotografiert, vermessen und gezeichnet. Für ein "Luftbild" wird ein Gelenksteiger benutzt.

    Wie es dann weitergeht, ist noch nicht ganz klar, denn das Baugrundstück ist eng. Und wenn es noch zwei Meter tiefer in die Römerzeit geht, fällt noch viel Baggermaterial an. Wohin damit? "Womöglich gibt es zwei Abschnitte", sagt Marion Witteyer. Dann würde der erste Abschnitt vorn an der Straße mit dem Grabungsmaterial aus dem Abschnitt am Ignazgässchen wieder verfüllt. Das kann dauern. Die Archäologen wollen auch noch einmal tief im Stadtarchiv graben, um Aufschlüsse über die mitten im Grundstück gefundenen Mauerreste zu erhalten. Auch vorn an der Stadtmauer gibt's noch viele Fragen. In einem Segment ist die Wand "verputzt" mit Kalk. "Vermutlich mittelalterliche Löschkalk-Gruben", sagt Soukop. Ehe dort aber Kalk "versumpft" wurde, hatten die Anbauten an die Stadtmauer vermutlich andere Funktionen. Welche das waren, "plaudern" die Mauerreste vielleicht aus, wenn sie der Bagger nächste Woche noch zwei Meter tiefer freilegt. Man darf gespannt sein. Der Schürfgraben gibt täglich neue Geheimnisse preis.

    Armin Seibert

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