Der Vorjahresvergleich spiegelt die Erholung nach der Corona-Krise: Im Mai 2021 gab es 1106 Erwerbslose mehr als heute und die Quote lag bei 3,3 Prozent. Im Westerwaldkreis allein sind zurzeit 3028 Menschen arbeitslos gemeldet. Die Quote ist in den vergangenen Wochen um 0,1 Prozentpunkte auf nun 2,6 Prozent gesunken. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahresmonat beträgt 0,7 Prozentpunkte.
Die Wirtschaft leidet
„Im Mai setzt sich normalerweise die Frühjahrsbelebung mit deutlich sinkenden Arbeitslosenzahlen fort“, sagt Elmar Wagner, Chef der Agentur für Arbeit Montabaur in einer Pressemitteilung. „Diesmal aber wird die positive Entwicklung gebremst, und das nicht unerwartet: Die Wirtschaft leidet unter der Teuerung, gestörten Lieferketten und akuter Materialnot. Das schlägt nun auch auf dem Arbeitsmarkt zu Buche. Hinzu kommt, dass immer mehr Geflüchtete aus der Ukraine sich arbeitslos melden.“
„Die Fluchtbewegung aus Kriegsgebieten ist keine Arbeitsmigration, die vorrangig dazu beitragen könnte, dem Fachkräftemangel gegenzusteuern.“
Elmar Wagner, Chef der Agentur für Arbeit Montabaur
Dieser Effekt beginnt sich auch statistisch auszuwirken: Bei den Ausländern ist ein Anstieg der Arbeitslosigkeit zu beobachten. Im Rhein-Lahn-Kreis ist er schon jetzt ausgeprägt, im Westerwaldkreis wird er demnächst erwartet. Wagner betont: „Die Fluchtbewegung aus Kriegsgebieten ist keine Arbeitsmigration, die vorrangig dazu beitragen könnte, dem Fachkräftemangel gegenzusteuern. Die meisten Menschen, die ihr Land verlassen müssen, wollen baldmöglichst zurückkehren. Wir unterstützen jedoch alle, die jetzt schon einen Job suchen, um hierzulande für ihren Lebensunterhalt zu sorgen.“
Es herrscht eine große Fluktuation
Obwohl die Gesamtzahl der Erwerbslosen sich kaum verändert hat, herrscht am Arbeitsmarkt eine große Fluktuation. So wurden im Mai 1586 Zugänge in und 1588 Abgänge aus Arbeitslosigkeit registriert. Die Betriebe meldeten 622 freie Stellen; das sind 36 mehr als im Vormonat und 98 mehr als im Vorjahresmonat. Der Bestand von 4043 Stellen zeugt vom branchenübergreifenden Bedarf an qualifiziertem Personal, der oft erst nach längerer Zeit und oder gar nicht gedeckt werden kann. Besonders betroffen sind das verarbeitende Gewerbe, der Handel, das Gesundheitswesen und die Gastronomie.
Der Ausbildungsmarkt zeigt, dass sich bei der Agentur für Arbeit Montabaur seit Oktober 2021 (Beginn des Berichtsjahres) 1531 Bewerber für Lehrstellen gemeldet haben; das sind 91 Personen weniger (minus 5,6 Prozent) als im Vergleichszeitraum Oktober 2020 bis Mai 2021. Zugleich haben die Betriebe 1876 Ausbildungsstellen angeboten; hier steht ein Plus von 136 Stellen oder 7,8 Prozent. Derzeit sind noch 734 junge Leute auf der Suche nach dem passenden Platz (101 weniger als vor einem Jahr). Ihre Zahl wird in den nächsten Wochen und Monaten weiter schmelzen, weil viele ihre Entscheidung zum Berufsstart treffen und mancher Betrieb doch noch die Fachkraft von morgen findet.