Ehemalige Jugendherberge dient nun als Übungsplatz für Bundeswehr, Polizei und Feuerwehr
Spezialkräfte statt Schulausflug in Montabaur: Ehemalige Jugendherberge dient nun als Übungsplatz
Feuerwehrkräfte üben in der ehemaligen Jugendherberge und dem heutigen Trainingszentrum in Montabaur die Rettung einer Person. Der Originalzustand der Unterkunft samt Möbel gestaltet das Training der Einsatzkräfte realitätsnah.
Proreta Tactical

Seit Frühjahr 2020 ist die Jugendherberge in Montabaur aufgrund des großen Sanierungsbedarfs und fehlender finanzieller Mittel dauerhaft geschlossen. Seitdem stand das Gebäude leer und verfiel zunehmend. Doch ein Westerwälder Unternehmen haucht der Unterkunft nun wieder neues Leben ein und hat das Areal auf besondere Art und Weise umfunktioniert.

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Wo einst zahlreiche Kinder auf Klassenfahrt umhertollten, üben Polizisten, Feuerwehr und Bundeswehr jetzt schießen, abseilen oder löschen. Das Unternehmen Proreta Tactical, mit bisherigem Sitz in Boden, hat im August 2021 die ehemalige Jugendherberge gekauft und seitdem zu einem Trainingszentrum für Polizei, Feuerwehr und Bundeswehr und einem neuen Firmensitz umgebaut.

Perfektes Übungsgelände

„Wer das Gebäude betritt, wird aber merken, dass wir gar nicht so viel verändert haben“, sagt Alexander Keul, Geschäftsführer von Proreta Tactical. Denn die Struktur der Jugendherberge mit rund 2000 Quadratmetern Fläche auf vier Etagen, mit Foyer und Rezeption, Treppenhäusern, langen Fluren, Seminar- und Speiseräumen sowie Möbeln ist – bis auf ein paar Renovierungsarbeiten – nahezu gleich geblieben.

Ein Blick auf das Trainingszentrum.
Proreta Tactical

Das Gebäude eignet sich daher ideal, um Einsatzkräfte auf mögliche Einsatzlagen realitätsnah vorzubereiten. In Montabaur können Truppen beispielsweise die Befreiung von Geiseln, das Abseilen von Gebäuden, das Retten und Bergen durch Fenster oder das Ausrollen von Schläuchen in Gängen und Räumen üben. Dazu bieten Keul und sein siebenköpfiges Team entsprechende Themenräume wie Klassenzimmer, Kneipe oder Hotellobby an, die für ein bestimmtes Szenario präpariert werden. „Unter anderem können wir die Räume vernebeln“, sagt Keul.

„Polizei und Feuerwehr in Deutschland mangelt es an Trainingszentren dieser Größe.“

Alexander Keul, Geschäftsführer von Proreta Tactical

„Unser Standort ist das einzige Trainingszentrum dieser Größe in Rheinland-Pfalz und darüber hinaus, das privat an Behörden vermietet wird“, erklärt der Geschäftsführer. Dementsprechend groß sei das Interesse von Polizei, Feuerwehr und Militär, nicht nur in Rheinland-Pfalz, sondern auch in den benachbarten Bundesländern. „Polizei und Feuerwehr in Deutschland mangelt es an Trainingszentren dieser Größe“, sagt Keul. Zudem sei die Buchung eines solchen Trainingsgebäudes für Teilnehmer meist praktischer und kosteneffizienter. „Hier ist die Infrastruktur vorhanden, und alles wird so organisiert und vorbereitet, wie die Kunden es möchten.“

Polizeikräfte üben in der ehemaligen Unterkunft in Montabaur das Abseilen von Gebäuden.
Proreta Tactical

Konzept kommt gut an

Keul kennt sich in der Szene bestens aus. Der gebürtige Nentershäuser war neun Jahre lang Mitglied der Spezialeinheit GSG 9 der Bundespolizei, ehe der 43-Jährige 2014 die Proreta Tactical GmbH gründete. Und Keuls Konzept kommt scheinbar gut an. „An unserem Standort Boden haben wir fast jeden Tag Trainingseinheiten zu Gast.“ Gleiches strebt er nun auch für den Standort Montabaur an, der nach Corona- und Renovierungsphase seit September startklar ist.

Der Verband der Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz und im Saarland hatte kurz nach Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 mitgeteilt, dass die Einrichtung in Montabaur dauerhaft geschlossen bleibt. Es gab im Haus einen sehr hohen Sanierungsbedarf, den man angesichts eingebrochener Buchungs- und Übernachtungszahlen nicht stemmen konnte. Die Jugendherberge wurde daraufhin über ein Maklerbüro zum Verkauf angeboten.

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