Nicht nur Unwettergeschehen, wie eines im August den Westerwald traf, setzen dem Wald zu. Das zeigte sich bei einem Waldbegang, zudem das Forstamt Rennerod wenige Tage nach dem Unwetter eingeladen hatte. Bei einer Führung rund um den Schremberg im Westen Niederahrs verdeutlichte der Leiter des Forstamtes Rennerod, Tobias Schuhbäck, welche Probleme die Waldbäume aktuell haben. Unterstützt wurde er dabei von den Regionalförsterinnen Marina Klaas, die derzeit das Forstrevier Wallmerod kommissarisch leitet, und Jawa Werner. An dem Waldbegang nahmen Jürgen Eulberg, Ortsbürgermeister von Niederahr, und mehr als 20 weitere Interessierte teil.
Nachdem durch die Trockenjahre 2018 bis 2020 die meisten Fichten den Borkenkäfern zum Opfer gefallen sind und daher rund ein Drittel des Reviers wiederbewaldet werden muss, fällt der Fokus jetzt auf die Laubbäume: Die Esche ist auf den häufig schweren Tonböden ein gut angepasster Baum. Doch seit rund 15 Jahren wird dieser vom Falschen weißen Stengelbecherchen, einem aus Asien nach Europa eingeschleppten Pilz, befallen.
Eschenwälder werden regelmäßig begutachtet
Bei ganz jungen Bäumen führt das schnell zum Tod – und auch ältere in der Dimension, wie man sie vielleicht aus dem Brennholzpolter kennt, können sich meist nicht mehr lange halten, heißt es in dem Bericht des Forstamtes zu dem Waldbegang. Die ganz alten Bäume hätten zwar lange die Kraft, die befallenen Zweige zu ersetzen, aber erleiden doch deutliche Blattverluste über die Jahre und damit auch Vitalitätsverlust. „Das Schlimmste ist, dass gerade diese alten und scheinbar kräftigen Bäume gleichzeitig auch im Wurzelbereich faul werden“, verdeutlicht das Forstamt. Das sei von außen nur selten zu sehen, doch diese Bäume können unvermittelt umstürzen. Daher müssen diese besonders entlang von Straßen oder Baugebieten besonders genau begutachtet werden.
Die Folge im Wald ist, dass Eschen schon lange nicht mehr gepflanzt werden und alle Eschenwälder regelmäßig begutachtet und alle Bäume mit deutlichen Symptomen gefällt werden. „Das können auch fast alle sein“, sagt das Forstamt. Für die übrigen hoffe man, doch die Erfahrungen der vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass diese in der Regel nach einigen Jahren genauso schlimm erkrankt sind. Bei nahezu reinen Eschenwäldern könnten so auch ziemlich kahle Bereiche – wie zum Beispiel entlang der Tongrube Petschmorgen – entstehen. Hier muss man dann auf andere Baumarten setzen.

Das war früher meist der Bergahorn, der gerne auf feuchten Böden wächst. Doch seit den Trockenjahren wird er immer häufiger von der Rindenrußkrankheit, einem weiteren Pilz, befallen. „Diesen gab es wohl schon immer, aber bei geschwächten Bäumen bricht er aus und Trockenheit schwächt erheblich“, führt das Forstamt aus. Vor allem bei jüngeren Bäumen kann dieser Pilz zum Absterben führen. Das Tückische daran ist, dass man dieses Holz nicht einmal für Brennholz nutzen kann, weil die Sporen für Menschen gefährlich sind.
Und schließlich wurde noch die Rotbuche angesprochen: Diese sei eigentlich überall in Mitteleuropa heimisch. Doch ist sie ein Baum des atlantischen Klimas, sie braucht im Sommer regelmäßige, kräftige Niederschläge. Doch auch in diesem Jahr gibt es diese nicht. Daher sehen viele Buchen schon jetzt herbstlich braun aus. Das konnten die Teilnehmer am Südhang des Schrembergs leicht selbst beobachten.
Kann sich die Buche genetisch anpassen?
Die dort stehenden Buchen sind in der Mitte des 19. Jahrhunderts gekeimt. Eine Zeit, die eher unterdurchschnittliche Temperaturen und viel Niederschlag hatte. So verwundere es nicht, dass es diesen Bäumen in trockenheißen Sommern, die seit 30 Jahren fast die Regel sind, schlecht geht. Letztlich sei es ein Versuch, ob beim Überführen solcher Wälder in die nächste Generation diese die nötigen Gene haben, um mit den Klimaveränderungen klar zu kommen. Auf nicht so guten Standorten wie Kuppen, Südhängen oder steinigen und sandigen Böden sehen ihre Chancen dafür eher schlecht aus, deshalb werde die Buche ihr Verbreitungsgebiet in den Norden Europas ausdehnen.
Zwischen Buchenkeimlinge werden andere Baumarten gepflanzt
Die Entwicklung der Rotbuche bedeutet vor Ort, dass man nicht allein auf diese Baumart setzt, sondern zwischen die jungen Buchenkeimlinge Baumarten pflanzt, die besser mit Trockenheit klarkommen, berichtet das Forstamt Rennerod. Dazu zählen etwa die Traubeneiche und die Hainbuche, die vereinzelt sowieso schon da seien, und dazu Feldahorn, Esskastanie oder Elsbeere. „Die Wahrscheinlichkeit für heiße Sommer ist höher, aber nicht für frostfreie Winter. Daher lassen sich nicht einfach beliebige Baumarten aus trockenen Regionen des Südens pflanzen. Auch das Zusammenspiel mit der hiesigen Flora und Fauna muss mit neuen Baumarten vorsichtig getestet werden“, so Tobias Schuhbäck. Während man früher ganze Buchenwälder verjüngt habe, so mache man das jetzt behutsamer mit kleinen Löchern. In diesen Lichtkegeln haben andere Baumarten gute Startbedingungen. Dass bei diesem Umbau auch Baumgruppen zum Erhalt von Horstbäumen oder Baumhöhlen stehengelassen werden, verstehe sich heute von selbst. red

