Ein Tag verändert alles
Kaiserschnitt macht Mutter aus Külz zum Pflegefall
Seit ihrem Kaiserschnitt vor rund einem Jahr ist Manuela Wagner aus Külz auf den Rollstuhl angewiesen. Ihr Krankenbett steht neb
Seit ihrem Kaiserschnitt vor rund einem Jahr ist Manuela Wagner aus Külz auf den Rollstuhl angewiesen. Ihr Krankenbett steht neben den Spielsachen ihrer beiden Kinder im Wohnzimmer.
Lara Kempf

Ein Moment kann ein ganzes Leben verändern. Das musste auch Familie Wagner aus Külz im vergangenen Jahr schmerzlich feststellen. Einer der schönsten Tage ihres Lebens verwandelte sich plötzlich in einen Albtraum, mit dem sie bis heute zu kämpfen hat.

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Die Geburt des eigenen Kindes bedeutet eigentlich pures Glück. Doch nicht so bei Familie Wagner aus Külz. Dort veränderte ein Kaiserschnitt das Leben der jungen Familie für immer. HELFT UNS LEBEN, die Hilfsinitiative unserer Zeitung, hat die vierköpfige Familie zu Hause besucht und sich ihre Geschichte angehört.

Im August 2025 erblickte das zweite Kind von Manuela und Jens Wagner durch einen geplanten Kaiserschnitt das Licht der Welt. „Die Geburt war schwer“, sagt die Mutter. Sie bekam eine Spinalanästhesie, bei der ein lokales Schmerzmittel im Bereich der Lendenwirbelsäule direkt in die Rückenmarksflüssigkeit gespritzt wird. Während der Geburt erlitt sie jedoch eine Schwangerschaftsvergiftung. Nachdem ihr Sohn geboren war, musste die 45-Jährige sofort auf die Intensivstation. „Man wusste nicht, ob sie überlebt“, erinnert sich Jens Wagner.

Ich glaube ganz fest daran, dass der Zustand meiner Frau irgendwann wieder besser wird.
Jens Wagner

Die Schwangerschaftsvergiftung überlebte die Mutter zwar, hatte in den folgenden Tagen jedoch mit starken Rücken- und Nackenschmerzen zu kämpfen. Sie konnte weder stehen noch gehen oder ihren neugeborenen Sohn halten. „Die Ärzte haben es damit abgetan, dass ich eine schwierige Geburt hatte“, sagt Wagner. Nach mehr als einer Woche im Krankenhaus wurde die 45-Jährige entlassen. Doch auch zu Hause verbesserte sich ihr Zustand nicht, ganz im Gegenteil. Zu den Schmerzen sei auch Taubheit in den Beinen gekommen. Ein MRT deutete schließlich auf Verklebungen an der Wirbelsäule hin.

„Dann wurde es so richtig schlimm“, erinnert sich die Mutter. Neben Rücken- und Nackenschmerzen bekam sie auch starke Kopfschmerzen. Was der 45-Jährigen fehlte, konnten die Ärzte jedoch noch immer nicht sagen. Eine Ergotherapeutin stellte schließlich die schockierende Diagnose: Die zweifache Mutter hatte einen erheblichen Hirnwasserstau, eine mögliche Komplikation der Spinalanästhesie. Um das überschüssige Nervenwasser abzuleiten und so den lebensgefährlich erhöhten Hirndruck zu senken, bekam sie sofort eine Shuntanlage – ein dünnes Schlauchsystem – eingesetzt. Da sich am Schlauch jedoch Keime bildeten, erlitt Wagner eine Hirnwasserentzündung sowie an Weihnachten 2025 einen Hirnschlag. Da es mittlerweile auch am Rückenmark zu einem Stau gekommen war, folgten weitere Operationen. Sie sollten den Bereich an der Wirbelsäule weiten, damit die Flüssigkeit dort abfließen konnte.

Haushaltshilfe ist für die Familie essenziell

Insgesamt verbrachte die Mutter mit Unterbrechungen mehr als sieben Monate im Krankenhaus und ist nun dauerhaft auf den Rollstuhl angewiesen. Die aktuelle Diagnose: Ataxie, eine Störung der Bewegungskoordination, bei der das Zusammenspiel verschiedener Muskeln nicht mehr richtig funktioniert. Gehen kann sie nur mit Unterarmstützen und Hilfe, und das auch nur maximal ein paar Meter. Dazu kommen eine Blasen- und Darmlähmung sowie ein Tremor im linken Arm. Zudem sieht Wagner seit der letzten Shunt-Operation Doppelbilder.

Aktuell bekommt die Mutter zwar mehrmals die Woche Physio- und Ergotherapie, ihren Alltag kann die Familie ohne Unterstützung aber nicht mehr meistern. Jens Wagner ist selbstständig und hat seine Stunden bereits erheblich reduziert. Doch ohne eine Haushaltshilfe käme die Familie nicht zurecht. „Anfangs war sie acht Stunden am Tag da“, sagt Jens Wagner. Die erste Zeit wurde sie von der Krankenkasse finanziert. Da die Finanzierung aber ausgelaufen ist, muss die Familie sie nun eigenständig bezahlen. „Ich gehe momentan nur für die Haushaltshilfe arbeiten“, erzählt Wagner.

Dann wurde es irgendwann so richtig schlimm.
Manuela Wagner

Auch das Familienleben belastet die Situation. Ihr Sohn ist gerade ein Jahr alt geworden. Davon war die 45-Jährige die meiste Zeit im Krankenhaus. „Ich habe im ersten Jahr nicht viel von meinem Kleinen mitbekommen. Mein Kind hat mich nur im Krankenbett kennengelernt“, sagt sie. Auch die vierjährige Tochter vermisse ihre Mutter, die nun die meiste Zeit in ihrem Krankenbett im Wohnzimmer verbringt, sehr. Fragen wie: „Mama, wann kannst du endlich wieder laufen?“, würden von ihr immer wieder gestellt. Gern würde die Familie – wenn es der Zustand von Manuela Wagner zulasse – mal etwas unternehmen. Das sei das große Ziel für das kommende Jahr. Dazu fehlt ihnen jedoch ein behindertengerechtes Auto. Manuela Lewentz-Twer, Vorsitzende von HELFT UNS LEBEN, hat dazu bereits Kontakt mit der Familie aufgenommen, um alles dafür Notwendige in die Wege leiten zu können.“ Die Hoffnung aufgeben, dass sich die Situation irgendwann wieder verbessert, wollen sie aber keineswegs. „Ich glaube ganz fest daran, dass der Zustand meiner Frau irgendwann wieder besser wird“, sagt Jens Wagner zuversichtlich.

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