Pfarreienräte stimmen für Zusammenschluss - Mehr als 40 Gemeinden sind betroffen
Fusion betrifft mehr als 40 Hunsrücker Gemeinden: Neue Pfarrei sucht Namen
Die Pfarreienräte der Pfarreiengemeinschaften Simmern und Rheinböllen votierten für eine Fusion zum 1. Januar 2023.
Pfarreiengemeinschaft

Nahezu einstimmig bei nur einer Stimmenthaltung beschlossen die Pfarreienräte der Pfarreiengemeinschaften Simmern und Rheinböllen laut Pressetext, dass zum 1. Januar 2023 die Pfarreien Simmern, Ravengiersburg und Biebern (Pfarreiengemeinschaft Simmern) zusammen mit den Pfarreien Rheinböllen, Rayerschied und Schnorbach (Pfarreiengemeinschaft Rheinböllen) eine große neue Pfarrei bilden werden.

Lesezeit 4 Minuten

Dieser neuen Gemeinde werden dann mehr als 8000 Katholiken aus mehr als 40 Gemeinden angehören, die damit fast deckungsgleich mit der Verbandsgemeinde Simmern-Rheinböllen sein wird. Offen ist noch, unter welchem Patrozinium (Heiligen) die neue Pfarrei stehen wird, fest steht lediglich die örtliche Regionalbezeichnung Pfarrei Simmern-Rheinböllen.

Kontroverse Diskussion zu Gremien

In einer gemeinsamen Sitzung im Pfarrheim Biebern fassten die Pfarreienräte unter dem Vorsitz von Birgit Bai (Simmern) und Markus Koch (Rheinböllen) die Beschlüsse zur Pfarreifusion. Kontrovers wurde darüber diskutiert, ob es zu Beginn der Neugründung der Pfarrei Neuwahlen der Gremien geben soll, oder ob die Pfarreienräte der beiden Pfarreiengemeinschaften Simmern und Rheinböllen dann einen gemeinsamen großen Pfarrgemeinderat bilden wollen.

Sowohl die Simmerner als auch die Rheinböllner votierten für die zweite Variante ohne Neuwahlen: „Wir wollen zügig mit der gemeinsamen Arbeit beginnen und wollen schnell zu Beginn des nächsten Jahres auch unseren Verwaltungsrat wählen, damit die Pfarrei schnell auch handlungsfähig sein wird“, erläuterte die Pfarreienratsvorsitzende der Pfarreiengemeinschaft Simmern Birgit Bai die Beweggründe.

Die offizielle Gründung der neuen Pfarrei soll am Sonntag, 15. Januar 2023, in Simmern gefeiert werden, in diesem Jahr werden aber auch noch Veranstaltungen zum Abschied der sechs kleinen „Altpfarreien“ am Ort erfolgen: „Die meisten Pfarreien existieren in der Form seit 1706, dem Jahr der Kauber Kirchenteilung, teils sind sie sogar noch älter. So ist diese Fusion auch ein historisches Ereignis, deshalb wollen wir unseren Gemeinden am Ort auch eine würdige Feier des Abschiedes ermöglichen“, so Markus Koch vom Pfarreienrat Rheinböllen.

Mit insgesamt zwei Priestern, zwei Diakonen und zwei Gemeindereferentinnen wird die neue Pfarrei auch in personeller Hinsicht gut aufgestellt sein: „In Zukunft wird aber noch mehr als heute ehrenamtliches Engagement benötigt. Wir wollen überall dort, wo es möglich ist, kleine lokale Teams einrichten, um der Kirche am Ort ein Gesicht zu geben“, so Pfarrer Lutz Schultz aus Simmern. In Rayerschied und Schnorbach wurde bereits ein solch lokales Team ins Leben gerufen, in Liebshausen ist es in der Planung. In den Orten Biebern und Rheinböllen werden die noch amtierenden Pfarrgemeinderäte diese Aufgabe übernehmen.

Eine Beschlussfassung steht aber noch aus, und zwar unter welchem Heiligen die neue Pfarrei firmieren wird, diese Entscheidung soll am 31. August 2022 getroffen werden. In einem Besinnungstag auf der Ebernburg bei Bad Münster am Stein wurde schon eine Vorauswahl getroffen, die in den nächsten Wochen mit den Pfarrmitgliedern und Gruppierungen ausgiebig diskutiert werden soll. Dabei soll das Leben der potenziellen Pfarrpatrone auch für die Ausrichtung der neuen Pfarrei Simmern-Rheinböllen stehen.

So warb Myriam Hensel aus Simmern für Klara und Franz von Assisi: „Die beiden sind herausragende Heilige, die sich bis heute über die Grenzen der Konfessionen und Religionen einer ungeteilten Beliebtheit erfreuen. In der konsequenten Christusnachfolge und ihrer Hinwendung zu den Armen, Kranken und den Randgruppen der Gesellschaft eröffneten sie neue Wege, das Evangelium konkret zu leben. Außerdem stehen die beiden für die Bewahrung der Schöpfung und das Bemühen um Frieden in der Welt.“

Diakon Harald Braun sprach sich für ein Doppelpatrozinium aus, und zwar für Priska und Aquila, zwei Personen, die in den Anfängen des Christentums in Korinth lebten. Dort leiteten sie eine kleine Hausgemeinde, waren missionarisch tätig und gründeten weitere Gemeinden, unter anderem in Ephesus: „Als Ehepaar könnten sie uns Vorbilder sein, denn für unsere neue Pfarrei wird es wichtig werden, dass an vielen Orten „Hausgemeinden“ entstehen – „Orte von Kirche“, die christliches Engagement und Gemeinschaft ermöglichen“, warb Braun für seinen Vorschlag.

Lydia-Patrozinium vorgeschlagen

Einen weiteren Vorschlag unterbreitete Bettina Klöckner aus Fronhofen mit der heiligen Lydia von Philippi, ebenfalls ein Person aus den Anfängen des Christentums, die zunächst Sklavin, sich hochgearbeitet hat zur selbstständigen Purpurhändlerin. In Philippi fungierte sie als Gemeindeleiterin und war auch die erste Europäerin, die getauft wurde: „Mit dieser Person verbinde ich, dass die katholische Kirche in Zukunft uns Frauen auch mehr Rechte und Gestaltungsmöglichkeiten geben muss. Da es in Deutschland nur evangelische Lydia-Gemeinden gibt, aber keine katholische Pfarrei ein Lydia-Patrozinium hat, wäre dies nicht nur ein Alleinstellungsmerkmal, sondern auch ein tolles Signal für die Ökumene“, so Klöckner, die die alte Pfarrei Biebern im Pfarreienrat Simmern vertritt.

Mit Jesus, dem guten Hirten, brachte Anita Breuer aus Ravengiersburg einen weiteren Namen in die Diskussion: „Der gute Hirte ist eine der ältesten und verbreitetsten Bezeichnungen für Jesus Christus, und dieser Jesus Christus, als guter Hirt, sucht auch die verlorenen Schafe auf. Mit dieser Wahl setzen wir einen besonderen Akzent auf die Verkündigung des Glaubens und auch einen diakonischen Ansatz, dass wir als Gemeinde raus zu den Menschen gehen, von denen viele keinen Bezug mehr zur Kirche haben.“

„Wir haben vier interessante Vorschläge in der Diskussion, gern können aber noch weitere Vorschläge aus der Gemeinde eingereicht werden“, so Gemeindereferentin Daria Thoi. Ihre Kollegin Christina Bender aus Simmern fügte hinzu: „Wir werden bei dieser Entscheidung auch das Meinungsbild der Gemeinde berücksichtigen. Deshalb werden wir Möglichkeiten der Diskussion und Beteiligung, insbesondere auch nach den Gottesdiensten, in Veranstaltungen und Gruppierungen ermöglichen. Wir freuen uns aber auch für jeden anderen Beitrag, sei es per E-Mail, Telefonanruf oder auf unserer gemeinsamen Facebook-Seite Pfarrei Simmern-Rheinböllen.“ red

Weitere Informationen zu den Vorschlägen für das Patrozinium gibt es unter www.pg-simmern.de und unter www.pfarreiengemeinschaft-rheinboellen.de

Ressort und Schlagwörter

Rhein-Hunsrück-Zeitung

Top-News aus der Region