Die Idee ist ganz einfach: Wer sich für das historische Winzenheim interessiert, spaziert einfach durch den Ortskern. Bisher sind an 25 Häusern Alu-Dibond-Schilder angebracht, auf denen die alten Häuseransichten zu sehen sind. Ihre Nachbarin Ronja Jacob hatte die Idee aus Italien mitgebracht. Ronja Jacob wusste dann auch gleich, dass Ingrid Moritz genau die Frau ist, das Thema umzusetzen. Denn es gilt nicht nur, die historischen Gebäude zu finden. Über die hat Moritz ohnehin schon in ihren Büchern geschrieben.
Sie musste von Haus zu Haus gehen und die Eigentümer überzeugen, ein solches Schild an der Straßenseite ihrer Gebäude anzubringen. „Die Idee kam an, sodass nur ganz wenige nein sagten“, berichtet Moritz. Der Rundweg soll künftig mehr bieten als nur historische Gebäudeansichten zu zeigen und Daten zur Baugeschichte zu vermitteln. Während der Eröffnung des Rundweges mit Oberbürgermeister Emanuel Letz (FDP) und Landrätin Bettina Dickes (CDU) wurde die weitere Entwicklung des Weges vorgestellt. Der Weg soll Geschichte, aber auch Geschichten der Menschen erzählen, die in den Gebäuden lebten.
Auf dem Weg zur Arbeit die Prozession ignoriert
Eine Geschichte, nämlich die ihres Onkels Jakob Butzbach, kann Ingrid Moritz selbst beisteuern. Sie reicht in die Zeit, zurück als Katholiken und Protestanten – milde ausgedrückt – nicht die besten Freunde waren. Da kam es, dass ihr evangelischer Onkel Jakob mit dem Motorrad, das auch auf einer historischen Aufnahme zu sehen ist, morgens zur Arbeit musste.
Es muss wohl an den drei Bitttagen vor Christi Himmelfahrt gewesen sein, als sich just die Bittprozession und Onkel Jakob mit Motorrad begegneten. Da er nicht zu spät zur Arbeit kommen wollte, ignorierte er die Prozession. Ein ungeheuerlicher Vorfall aus Sicht der Winzenheimer Katholiken. Onkel Jakob musste sich beim katholischen Pfarrer entschuldigen, der am folgenden Sonntag von der Kanzel aus Vollzug meldete.
Geschichten mit einem QR-Code abrufen
Solche Geschichten können Leute während des Rundgangs via QR-Code abrufen. Im Idealfall hofft Moritz, dass die Bewohner der Häuser die Geschichten selbst erzählen, damit ihre Stimmen überliefert werden. Übrigens hat sie schon Anfragen nach einem zweiten Schild. Es gibt Hausbewohner, die wollen eine historische Gebäudeansicht und zusätzlich eine Ansicht einstiger Bewohner. In Sachen historischer Rundweg plant Moritz übriges Großes.
„Es wird nicht bei den 25 Gebäuden bleiben“, sagt sie. Sie hat 150 Gebäude im Blick. Natürlich werden Wanderer durch das historische Winzenheim dann auch erfahren, wo Landwirte, der Schmied oder der Schuster zu Hause waren. Denn schließlich, das unterstreicht die jüngste Aktion von Moritz, war Winzenheim einmal ein Dorf.