Der junge afghanische Flüchtling, der lange Zeit in der Notunterkunft für Geflüchtete (NUK) in Windesheim untergebracht war und Anfang des Jahres für Schlagzeilen wegen seines aggressiven Verhaltens gesorgt hat, sitzt seit Dienstag in Ingelheim in Abschiebehaft. Das bestätigt Landrätin Bettina Dickes (CDU) auf Anfrage dieser Zeitung. Einen konkreten Termin für die Abschiebung gebe es zwar noch nicht, es sei dem Kreis aber in Aussicht gestellt worden, dass diese in einem Zeitraum zwischen drei und sechs Monaten möglich sein könne.
Zunächst gelte die Haft für drei Monate, sagt Dickes. „Ich bin absolut erleichtert, dass es hier endlich vorwärtsgegangen ist“, erklärt sie. Die Ingewahrsnahme sei am Dienstagmorgen erfolgt, wie die Landrätin sagt, ohne Widerstandshandlungen und friedlich, am Nachmittag sei er dann dem Richter vorgeführt worden. „Die emotionale Belastung in der Gemeinde in den vergangenen Monaten war enorm hoch, das muss man sagen“, rekapituliert Dickes. Auch weil der Fall publik geworden ist, habe der Druck derart zugenommen, dass nun endlich gehandelt worden sei.
Afghane wollte Mitbewohner zum „richtigen Beten“ prügeln
Damit findet eine Episode ihr Ende, über die bundesweit berichtet wurde. Der 20 Jahre alte Afghane war in der Vergangenheit mit mehreren Gewalttaten aufgefallen. Noch in seiner alten Unterkunft in Schlossböckelheim (VG Rüdesheim) hatte er Mitbewohner mit einem Stock zum „richtigen Beten“ prügeln wollen, später in Windesheim hatte er dann Mitbewohner und eine Reinigungskraft körperlich traktiert. Vor dem Hintergrund des tödlichen Messerattentats von Aschaffenburg am 22. Januar hatte das Wissen um die Anwesenheit eines gewaltbereiten Flüchtlings im Dorf vor allem bei Eltern für Unsicherheit gesorgt.
Außerdem fast nicht zu glauben: Weil der Mann seine eigene Unterkunft nicht betreten durfte, überwachte ein Sicherheitdienst in Windesheim die Einhaltung des Hausverbots gegen den Mann. Kosten pro Monat: 40.000 Euro, die der Kreis tragen musste.
Der junge Mann, der nun in Abschiebehaft sitzt, ist nach seinen ersten Gewalteskalationen psychiatrisch begutachtet worden und nach wie vor nicht vorbestraft. Allerdings sind gegen ihn Strafanzeigen erhoben worden. Ursprünglich sollte der Mann zur Unterbringung zurück in die Verbandsgemeinde (VG) Rüdesheim überwiesen werden, so der Plan der Kreisverwaltung – wo er vor zuvor gelebt hatte. Markus Lüttger, Bürgermeister der VG Rüdesheim, hatte das aber abgelehnt. Nun ist die Frage der Unterbringung obsolet – vorerst. Denn abgeschoben ist er nach wie vor nicht.
Weingarten, Klöckner und Cyfka hatten sich eingeschaltet
Die Angelegenheit wurde rasch von der Politik aufgegriffen. Die Anfang des Jahres um das Direktmandat kämpfenden Bundestagskandidaten Joe Weingarten (SPD) und Julia Klöckner (CDU) hatten sich der Sache angenommen. Weingarten schrieb an Innenministerin Nancy Faeser und forderte die Abschiebung des Mannes, Gleiches tat Klöckner in einem Schreiben an den damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). Auch Michael Cyfka (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Langenlonsheim-Stromberg, hatte sich eingeschaltet.
„Ich vernehme große Erleichterung. Meine Hoffnung ist, dass wir jetzt bald wieder zur Normalität zurückkehren können“, äußert sich mit Windesheims Bürgermeister Volker Stern (Liste Pro Windesheim) der Mann, der sich immer wieder für eine Lösung der Problematik eingesetzt hatte. Stern hat von der Abschiebehaft am Dienstag erfahren, die Kreisverwaltung hat ihn informiert. Vor allem die Abläufe in der Kindertagesstätte seien von der Angelegenheit eingeschränkt gewesen, berichtet Stern. So hatte die Kinderfastnacht unter dem Schutz eines Sicherheitsdienstes stattgefunden.
Anfang Februar hatte dann ein weiterer Vorfall für Aufregung in dem Weindorf gesorgt. Damals hatte ein bis dato unbekannter Mann eine Molotowcocktail-Attrappe auf dem Gelände der NUK platziert. Dabei soll er gerufen haben: „Verpisst Euch!“ Dieser Vorfall ist aktenkundig, die Generalstaatsanwaltschaft in Koblenz ermittelt dazu. Diese führt gegen einen bislang unbekannten Tatverdächtigen ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhen von Straftaten.