Der Opa von Jens Helmer wäre am Sonntag 95 Jahre alt geworden. Er hat das große Fest, das sein Enkel mit einem Dutzend Comedy-Stars, drei Dutzend Promis und vor allem 800 begeisterten Zuschauern in der Nahetal-Arena gefeiert hat, ganz bestimmt von seinem Stern mit einem stolzen Lächeln quittiert. „Du wirst immer mein Freund sein. Du wirst Lust haben, mit mir zu lachen,“ so es wie „der kleine Prinz“ (Exupéry) wünscht.

„Kreuznach lacht“, das inzwischen bundesweit bekannte Comedy-Treffen, hat am Pfingstsonntag bei herrlichem Sommerwetter und nächtlichem Sternenhimmel das Dutzend vollgemacht und ein Rekord-Spendenergebnis eingespielt. Das Spendenbarometer stand am Ende des sechsstündigen Bühnenprogramms gegen Mitternacht bei der Rekordsumme von 45.750 Euro, und im Gesamtergebnis kommen allmählich 300.000 Euro in Sicht. Geld, das für inzwischen 30 Benefizorganisationen für Menschen verwendet wird, denen das Lachen oft vergangen ist.
RZ-Hilfswerk mit vier Millionen für die Ahr
Begünstigt war in diesem Jahr auch der Hilfsverein „Helft uns Leben“ unserer Zeitung. Maximilan Eckhardt (Mitglied der RZ-Chefredaktion) stellte das seit fast 40 Jahren wirkende Hilfswerk mit eindrucksvollen Beispielen vor, etwa der Ahrtal-Hochwasserhilfe mit vier Millionen Euro.

Die andere Hälfte des Spendenerlöses erhält „Magic Moments“, die von Comedian-Star Chris Tall unterstützt wird. Tall erhielt nach seinem umjubelten Bühnenauftritt darüber hinaus den erstmals vergebenen Sonderpreis „Lachendes Herz“. Dem ansonsten so schlagfertigen Hamburger Schnellredner war die Rührung anzusehen – auch weil er den Tod seiner Oma vor drei Tagen noch verarbeiten musste und eigentlich passen wollte. Doch die „Familie“ rief.
Stars schwören auf´s Familiengefühl
Ja, die Familie: Darauf legen alle Bühnenstars und Promis großen Wert, wollen möglichst wiederkommen. Chris Tall und Miss Allie dann zum dritten Mal. Andere nach langer Zeit mal wieder so wie Henni Nachtsheim (Badesalz), der bei der allerersten Kreuznach-lacht-Show schon dabei war, wie Peter Freudenthaler (Fools Garden), der seinen „Lemon Tree“ wohl gar nicht oft genug singen kann.

Ja, die Mischung hat wieder gestimmt: Gute Laune der Zuschauerfamilie von 16 Uhr an auf dem idealen Festgelände mit gut verteilten Essens- und Getränkeständen, Glücksrädern, Livemusik mit Gitarrist Julian Pförtner, mit dem bewährten Moderatoren-Team Constanze Polaschek und Heiko Kraft. Die Karten waren wie gewohnt schon in drei Minuten im Vorverkauf vergriffen. Es ist schade, dass nicht mehr Comedian-Fans teilhaben können, aber der „kleine“ Rahmen mit einer Hundertschaft freiwilliger Helfer kann und soll nicht erweitert werden.
Eisbrecher aus „Monnem“
Nach musikalischer und komödiantischer Einstimmung mit Anmoderator Oberfuchshuber im Papageienkostüm durfte Ex-Polizist Dennis Boyette aus „Monnem“ den „Eisbrecher“ mimen mit zehnjähriger Beamtenerfahrung in sozialen Brennpunkten. Humor ist, wenn er trotzdem lacht.

Mit „Wild Day“ und „Lemon Tree“ darf Peter Freudenthaler (Fools Garden) immer gerne wiederkommen. Garantiert auch Lars Redlich, der „Turbomix“ unter den Comedians mit Opernsängerstimme, Piano und Gitarrenspiel – und mit Piano-Virtuose Dan Popek als kongenialem Partner sorgte er für den ersten Höhepunkt.
Kreuznach-Tattoo auf dem Po?
Für Kreuznach hatte er auch noch ein Herz. „Für ewig deins“ sang er, wollte nach Kreuznach umziehen und sich das Stadtwappen auf den Hintern tätowieren lassen. Bei „Kultmoderator“ Jörg Draeger (geh aufs Ganze) war's etwas gemächlicher, wobei seine schlagfertigen Würfelspiel-Partner Hauptsponsor Manfred Graffe und Heidi Kürten ihm ein wenig die Show stahlen.

Das kann Henni Nachtsheim (Badesalz, Rodgau Monotones, Kühler Kopf und Hessisches Herz) als „Indiana Jones mit Peitsche nicht passieren. Er glossierte die ihm von Jens Helmer abgesagte Bühnenanweisung mit Felssprengung, 284 Tänzerinnen und Feuerwerk. Alles nix. Herrlich komisch.
Promis verkaufen Lose in der Pause
Mit Bademeister Schaluppke („Zehner ist gesperrt, dann spring halt zweimal vom Fünfer“) und Maddin Schneider („Lass dein Unterkiefer locker“) und mit Geburtstagskind Lisa Feller, die zum 50. im Publikum badete, ging's in die Pause. Da verkauften Promis wie Schauspieler Stefan Bockelmann (seit Jahren Lach-Botschafter im Team), die Malle-Auswanderer Caro und Andreas und Kult-Bachelor Paul Janke innerhalb von einer Stunde für 7500 Euro Lose, kombiniert mit Schlemmerblocks. Reißender Absatz für den guten Zweck.

Der Auftritt von Chris Tall, der mächtig abgespeckt hat, war für viele der Höhepunkt. Er schwadronierte als Autofahrer, der sich vergebens bemühte, sich nicht aufzuregen über „Bastarde und Hurensöhne“ auf der Autobahn und an der Parkhausschranke. Echt war wohl die Gänsehaut, die ihn überkam, als er als erster das „Lachende Herz“ für sein soziales Engagement entgegennehmen durfte. Per Video gratulierte HSV-Trainer Merlin Polzin dem Hamburger als Mensch mit Herz und Humor.
Ein Akteur stellt vier Personen im Supermarkt dar
Ganz stark dann Sven Bensmann, der nach rockiger Joe-Cocker-Melodie-Vorlage teils schmutzige Witze vorsang. Herrlich! Musikalisch beeindruckend trug Laith Al-Deen „Bilder von dir“ vor, und Tutty Tran (Berliner mit vietnamesischen Wurzeln) bot eine tolle Show im „Supermarkt“, als er gleich vier Personen im Streitgespräch darstellte.

Schließlich war Gitarristin, Zauberstimme und Rockröhre Miss Allie nicht umsonst der Schlusspunkt: Sie sang eine nachdenkenswerte Europa-Hymne, beschwor Zusammenhalt, besang (zum Weglachen) den oberkörperfreien Schrebergärtner und animierte alle zum Abschluss zum Mitschunkeln. Viele Dankesworte an alle Interpreten und Helfer und das gemeinsame Bühnenbild mit der Spendensumme beschlossen einen bemerkenswerten Abend.

Mit der Aftershow-Party mit Damien Stone und DJ Jake Gunn und Saxophonist Adrian Planitz ging es weiter bis in die Puppen.

