So wie auf dem Foto sah sie 1926 aus, die Felsenkirche, das Wahrzeichen und der Stolz Idar-Obersteins. Wobei ihr eigentlicher Zustand sogar noch viel schlimmer war, als es dieses historische Bild vermuten lässt. Das Gotteshaus war durch und durch marode, beinahe das gesamt hölzerne Inventar befand sich in einem mehr oder weniger fortgeschrittenen Fäulnisprozess, die Kirchenbänke ebenso wie die die hölzerne Tonnendecke oder die Emporen über dem Altar und an den Seiten. Vor allem aber hatte der ständige Wasserzufluss den Mörtel aus den Außenmauern gespült, die Kirche war akut einsturzgefährdet.
Zwei Gutachten bestätigten den katastrophalen Zustand, schnelle Hilfe und vor allem viel Geld waren gefragt. Die evangelische Kirchengemeinde Oberstein hatte weder die nötigen Mittel für den Erhalt der Felsenkirche noch ein tiefergehendes Interesse daran. Das Gotteshaus im Fels war aus damaliger Sicht eine einzige Fehlplanung. die steilen Stufen, die fehlenden sanitären Anlagen, der Mangel an weiteren Räumlichkeiten, die ständige feuchte Kälte im Innern...
Regierungspräsident engagierte sich
Schon mehrfach war ein Neubau an der finanziellen Situation der Gemeinde gescheitert, zuletzt hatten Weltkrieg und Inflation verhindert, dass der schon geplante und finanzierte Kirchenbau realisiert werden konnte. Ein Glücksfall aus heutiger Sicht. Das Interesse der Gemeinde am Erhalt der Felsenkirche war vor allem dem Umstand geschuldet, dass man sonst keine andere Kirche zur Verfügung hatte. Von der Stadt Oberstein und dem damals noch zu Oldenburg gehörigen Landesteil Birkenfeld war finanziell auch nicht viel zu erwarten.
Die Rettung der Felsenkirche ist vor allem einem Mann zu verdanken: dem damaligen Regierungspräsidenten Walther Dörr, einem gebürtigen Idarer. Sein Amt war vergleichbar mit dem des heutigen Landrats. Schon zuvor hatte er sich für die Rettung des Altarbildes engagiert und nicht nur für dessen fachgerechte Restaurierung, sondern auch für die Würdigung des Werkes in der Kunstwelt gesorgt.
Diese dramatische Situation und Dörrs unermüdlicher Einsatz, die Konflikte und Auseinandersetzungen mit kirchlichen und staatlichen Stellen, die Betteltouren bei Privatleuten und Behörden: All das wird im Theaterstück „Oberstein 1926 – Rettet die Felsenkirche!“ thematisiert, präsentiert wird es vom Kunstverein Obere Nahe in Zusammenarbeit mit der Stadt Idar-Oberstein und der Obersteiner Trinitatis-Gemeinde. Die Veranstaltung findet im Rahmen des rheinland-pfälzischen Kultursommers statt, der in diesem Jahr unter dem Motto „Die Goldenen Zwanziger“ steht.
Schinderhannes-Team erneut am Start
„Natürlich kommt noch eine ganze Menge handfester Lokalkolorit mit Blick auf die Obersteiner Verhältnisse dazu“, verspricht Autor Jörg Staiber, der als Gästeführer für die Felsenkirche tätig ist. „Wir wollen in dem Stück aber auch hinter die männlich dominierte Fassade schauen, auf die Frauen, die im Hintergrund wirken und ohne die vieles nicht möglich gewesen wäre“, erklärt Regisseurin Claudia Stump. Ebenso wird die Musik der „Wilden 20er“ eine wichtige Rolle spielen und für Atmosphäre sorgen, versichert die musikalische Leiterin Mikk Schunke.
Autor, Regisseurin und Musikerin haben schon im vergangenen Jahr beim Stationenspiel „Räubernacht in Hottenbach“ erfolgreich zusammengearbeitet. Auch die Kirchengemeinde ist froh über den Impuls von außen. „Das soll mit dazu beitragen, dass diese ungewöhnliche Kirche wieder mehr ins rechte Licht gerückt wird“, betont Wolfgang Becker, als früherer Kirchmeister für Pflege und Erhalt des Gebäudes zuständig.
Sponsoren und Mitspieler gesucht
„Die Produktion des Theaterstücks ist auch durch die schwierigen logistischen Umstände in und um die Kirche mit besonderen Kosten verbunden“, erläutert Claudia Stump. „Wir suchen daher noch Sponsoren, die uns unterstützen.“ Ebenso werden noch Mitwirkende gesucht, auch für einen Projektchor. Die Aufführungen finden Anfang September statt, sodass die Mitwirkenden in den Wochen davor möglichst nicht in Urlaub fahren sollten. Interessenten können sich per Mail an sommersaal@web.de wenden.

