„Man sollte immer mit dem Leben rechnen“: Das war ihr Motto. Für Sarah Schott war der Tod keine Option, wie sie immer wieder sagte. Und doch hat die junge Frau, die im Dezember 30 Jahre alt geworden wäre, ihren letzten Kampf verloren. Auf ihrem Instagram-Kanal „pinguinkuh“ – dort hatte sie mehr als 60.000 Follower – überbrachte ihre Familie am 20. Oktober die Nachricht: „Wir sind unsagbar traurig, euch mitzuteilen, dass Sarahs Kraft erschöpft war und wir sie von dieser Welt verabschieden mussten. Wir vermissen diesen wunderbaren Menschen und sind froh, dass sie in unserer Mitte war.“
Sarah hatte über Jahre sehr authentisch immer wieder über ihr Leben, ihre Krankheiten, ihre Pläne berichtet – auch in unserer Zeitung: Dazu gehörten unzählige Rückschläge, lange Krankenhausaufenthalte, komplexe Behandlungen – aber auch Momente des Glücks, immer voller Zuversicht und Dankbarkeit für jeden einzelnen Tag und die Unterstützung durch Familie wie auch Freunde. Chronisch oder psychisch Erkrankte, aber auch gesunde Menschen verfolgten ihre Geschichte, fieberten in schwierigen Momenten mit ihr mit und freuten sich, wenn es zwischendurch immer wieder mal aufwärtsging.
„Man kann zwar nicht ändern, welche Erkrankung man bekommt, aber man kann bestimmen, wie man mit ihr umgeht.“
Sarah Schott
Das inspirierte und motivierte Tausende. Mehr als 32.000 Reaktionen gab es bislang auf die Instagram-Nachricht, dass sie verstorben ist. Mehr als 7000 Kommentare zeugen davon, wie sehr die Gemeinschaft, die Sarah Schott als Bloggerin virtuell und zum Teil auch persönlich um sich hatte, von ihrem Tod betroffen ist. Viele betonen ihren Mut, ihre Stärke, ihr Kämpferherz auch in scheinbar aussichtslosen Situationen: Selbstmitleid? Für Sarah Schott ein Fremdwort.
„Jeder Tag, an dem ich atme, an dem ich lebe, ist ein Geschenk“, sagte die junge Frau vor ein paar Jahren in einem Interview mit unserer Zeitung. In einem anderen betonte sie: „Man kann zwar nicht ändern, welche Erkrankung man bekommt, aber man kann bestimmen, wie man mit ihr umgeht.“
Sarah Schott hatte von Geburt an Mukoviszidose, eine erbliche, nicht heilbare Stoffwechselerkrankung, die hauptsächlich die Lunge und das Verdauungssystem befällt. Sarahs Schwester verstarb mit 15 Jahren an dieser Krankheit.
Seit 2019 hatte Sarah Schott eine Spenderlunge, auf die sie lange warten musste. Die OP dauerte damals fünf Stunden. Als Folge dieser Transplantation entwickelte sich ein Tumor. Mit einer T-Zellen-Therapie konnte der Krebs jedoch bekämpft werden.
Die Lungenschwestern ...
Eine magische Geschichte, die von Zufällen (oder war es Schicksal?) geprägt war, ergab sich einige Jahre nach der Lungentransplantation: Sie lernte die Tochter ihrer Spenderin kennen. Normalerweise sind Organspenden in Deutschland anonym. Lungenschwestern: So nannten sich die beiden jungen Frauen, in deren Freundschaft Freude über die neue Lunge und Trauer über den Tod der Spenderin gleichermaßen Platz hatte, von diesem Zeitpunkt an. Und Sarah feierte in jedem Jahr den Tag der Transplantation: Lungengeburtstag… Sie engagierte sich für Organspenden und machte immer wieder auf dieses wichtige Thema aufmerksam.
Sarah aus Idar-Oberstein leidet an Mukoviszidose, eine Erbkrankheit, die ihre Lunge verschleimen lässt. 2019 erhält sie schließlich einen erlösenden Anruf: Es gibt eine Spenderlunge. Nun hat die 26-Jährige, die die Transplantation gut überstanden hat, die Tochter der Organspenderin kennengelernt.
Sarah aus Idar-Oberstein und Lena: Die Lungenschwestern – Tochter der Organspenderin wird zur Freundin
Ein Online-Shop, den sie gemeinsam mit ihrer Freundin Hanna Herzog aus Idar-Oberstein betrieb, war für Sarah eine Herzenssache: Als sie an Krebs erkrankte, wollte Hanna Herzog ihrer Freundin Mut machen. Sie schenkte ihr ein T-Shirt mit dem Foto eines Pinguins und dem Aufdruck „Pinguine fressen Krebstiere“. So entstanden Kuscheltier-Patenschaften und Kuscheltier-Touren, die Sarah mit ihrer Freundin initiierte. Pinguin Philip und Giraffe Gerda trösten seitdem viele kranke Kinder in Kliniken und zaubern ihnen ein Lächeln ins Gesicht. Rund 1000 Kuscheltiere wurden in den vergangenen Jahren verteilt.
Im Oktober 2024 heiratete Sarah Schott ihren langjährigen Partner. Sie schloss ihr Lehramtsstudium ab, übernahm eine erste Klasse: Momente voller Glück, Stolz und Lebensfreude. Im Juli erkrankte sie bei einer Reise, die sie mit ihrem Ehemann auf Madeira führte. Sie musste nach Deutschland geflogen werden. Am 9. Oktober schrieb sie ihren letzten Beitrag auf ihrem Instagram-Kanal: „Voller Hoffnung, dass sich langsam wieder alles einpendelt.“
Botschaft der Pinguine
Einen Herzenswunsch konnte sie sich nicht mehr erfüllen: eine Kreuzfahrt durch die Antarktis zu machen, um Pinguine zu beobachten. Pinguine waren Sarah Schotts Lieblingstiere, weil sie die Botschaft verkörpern: „Nur weil du nicht fliegen kannst, musst du nicht am Boden bleiben.“
Wenn es im Himmel Pinguine gibt, werden sie Sarah liebevoll tragen. Ihre Geschichte – die Geschichte einer außergewöhnlichen, starken Frau, die den Blick vieler aufs Leben mit positiver Energie verändert hat – bleibt für immer in unseren Herzen.

