„A Shared Silence“
Iranische Schmuckkunst zeigt Fragilität und Stärke
Gheseh Shahandeh: "Entanglement I", Halsschmuck. 2024, Messing, Textil, Kupfer, Lapislazuli
Gheseh Shahandeh: "Entanglement I", Halsschmuck. 2024, Messing, Textil, Kupfer, Lapislazuli
Nima Ashrafi

Das ist angesichts der politischen Weltlage topaktuell: In der Villa Bengel zeigen 13 Schmuckkünstler und -künstlerinnen aus dem Iran ihre Arbeiten. Sie alle sind nach Idar-Oberstein gekommen, um zu studieren.

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Die Jakob-Bengel-Stiftung bietet seit 25 Jahren mit ihrem Ausstellungs- und Artist-in-Residence-Programm einen Begegnungs- und Kulturort für Schmuck- und Kunstschaffende. Sie gibt den Künstler/innen Raum, ihre Arbeiten und die darin enthaltenen Themen der Öffentlichkeit zu präsentieren, und fördert dabei insbesondere komplexe und politisch aktuelle Diskurse. Die Ausstellung „A Shared Silence“, die am kommenden Donnerstag, 1. April, in der Villa Bengel in Oberstein eröffnet wird, zeigt die Arbeiten von 13 iranischen Schmuckkünstler/innen. Sie alle sind – zum Teil unter spektakulären Umständen – nach Idar-Oberstein gekommen, um am Campus Edelstein und Schmuck der Hochschule Trier zu studieren.

Sara Heidary "Ohne Titel", Brosche, 2024, Textil, Zardouzi, Stein
Sara Heidary "Ohne Titel", Brosche, 2024, Textil, Zardouzi, Stein
Sara Heidary

„In den vergangenen Jahren sind die Studierendenzahlen aus dem Iran insbesondere für den englischsprachigen Masterstudiengang stark gestiegen, wobei überwiegend Frauen nach Idar-Oberstein kommen, deren Lebensumstände im Iran besonders hart sind“, heißt es seitens des Campus. „Anders als im Iran können sie hier frei und ohne Unterdrückung leben und ihre künstlerische Arbeit ohne Zensur ausüben und zeigen.“

Diese räumliche Distanz zu ihrem Heimatland und die körperliche Unversehrtheit bedeuten jedoch keinesfalls eine Abkehr von einer gesellschaftskritischen Auseinandersetzung mit dem politischen System im Iran. Im Gegenteil: „Die ausgestellten Arbeiten verkörpern die Suche nach der eigenen Identität in einer neuen Lebenssituation sowie die gleichzeitige tiefe Verbundenheit mit der iranischen Bevölkerung, den eigenen Erfahrungen und den Berichten von Familie und Freunden, die in der Heimat verblieben sind.“

Pegah Vedad "Insatiable #2", Objekt, 2022, Polymer Clay, Farbe, Lolli
Pegah Vedad "Insatiable #2", Objekt, 2022, Polymer Clay, Farbe, Lolli
Pegah Vedad

Die aktuelle Situation im Iran, insbesondere die ständige Ungewissheit, stelle eine große Belastung für die in Deutschland lebenden Künstler/innen dar, die sie in subtiler Weise in ihren Arbeiten verarbeiten und ausdrücken: „Wenn Worte fehlen, kann Kunst ein Medium sein, um komplexen Emotionen Form zu geben und sie auch für Außenstehende erfahrbar zu machen“, heißt es in der Pressemitteilung des Campus. „Fragile Materialien, gebrochene Formen und ,verletzte’ Oberflächen zeigen Fragilität, aber auch Stärke. Schweigen bedeutet Akzeptanz. Jede Stimme zählt und trägt dazu bei, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und Veränderung zu ermöglichen. Das gilt über alle Zeiten hinweg, aber insbesondere in unserer Gegenwart, die von globalen Krisen und unermesslichem Leid geprägt ist.“ Die Künstlergruppe wünsche sich, dass die Besucher der Ausstellung sich die Zeit nehmen, ihren Arbeiten bewusst und empathisch zu begegnen.

„A Shared Silence” wird am Mittwoch, 1. April, um 18.30 Uhr in der Villa Bengel in der Wilhelmstraße in Oberstein mit Grußworten von Peter Wenzel, Vorsitzender der Jakob Bengel-Stiftung, Landrat Miroslaw Kowalski und einer kurzen Einführung von Prof. Theo Smeets, Fachrichtungsleiter des Campus Edelstein und Schmuck, eröffnet. Die Künstler/innen sind anwesend. Die Ausstellung ist Teil des Ausstellungszyklus „Idar-Oberstein schmückt sich“. Sie läuft bis zum 15. Mai und kann während der Öffnungszeiten des Industriedenkmals Jakob Bengel besucht werden. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der für 5 Euro erworben werden kann. red

Mehr Infos: jakob-bengel.de Die Ausstellungsröffnung wird auch live auf den Instagram-Kanal der Jakob Bengel-Stiftung (jakobengel) übertragen.

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