Die 80 Abgeordneten aus den Kirchengemeinden und Einrichtungen des Kirchenkreises Trier beschlossen im Rahmen ihrer Herbsttagung den Haushalt des Kirchenkreises und die Finanzausgleichsplanungen für die Gemeinden des Kirchenkreises für die Jahre 2023 sowie 2024, heißt es in einer Pressemitteilung.
Zudem haben die Synodalen beschlossen, aus den beiden Jahren 2022 und 2023 mindestens rund 500.000 Euro der zuvor bereits auf den Weg gebrachten Klimaschutzrücklage zuzuführen. „Das ist wegweisend“, betonte der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Trier, Dr. Jörg Weber. Bereits im Vorjahr hatten die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) Beschlüsse für einen EKD-weiten Prozess zur Klimaneutralität bis 2035 gefasst.
Die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR), zu der der Evangelische Kirchenkreis Trier gehört, schließt sich diesem Ziel an und wird im Rahmen ihrer kommenden Landessynode im Januar 2023 weitere konkretisierende Beschlüsse zur Umsetzung fassen und entsprechende gesetzliche Regelungen dazu auf den Weg bringen. Dafür sind der Kirchenkreis Trier und seine 19 Kirchengemeinden nun gut gerüstet.
Beziehungen aufbauen und stärken
In seinem Jahresbericht wies Superintendent Dr. Jörg Weber unter dem Titel „Beziehungsreich“ auf die Bedeutung von Beziehungen in kirchlicher Arbeit hin. „Der Mensch ist ein Beziehungswesen, und Gott nimmt Beziehung zu Menschen auf. Beides gehört zu den grundlegenden Einsichten und zur Basis kirchlicher Arbeit, die aus diesen Grundlagen folgt. In der Arbeit der Kirche geht es um den Aufbau, den Erhalt und Stärkung personaler Beziehungen“, sagte Weber.
Um diese personalen Beziehungen aufzubauen und zu erhalten, brauche es Begegnung, betonte Weber. Neben nicht erst durch die Pandemie verstärkten digitalen Möglichkeiten von Begegnung brauche es aber auch physische Begegnungen und damit Beziehungen vor Ort und an kirchlichen Orten, insbesondere in Gottesdiensten, Seelsorge, Veranstaltungen zu Bildung wie auch in Diakonie.
Angesichts der hohen Austrittszahlen im Bereich der 20- bis 40-Jährigen sowie zurückgehender Tauf- und Trauungszahlen sei zudem verstärkt darüber nachzudenken, wie „wir als Kirche gerade hier Angebote schaffen können, die Beziehungen ermöglichen, aufbauen und erhalten“. Dies gelte ebenso für Angebote im Bereich der Jugendarbeit.
Weber stellte auch die damit verbundene Frage nach entsprechendem Personal. Es würden wiederum Menschen benötigt, die mit anderen in Beziehung treten. Dabei seien diese Beziehungen netzwerkartig und in gegenseitiger partizipativer Weise zu verstehen – und ohne ehrenamtliches Engagement nicht vorstellbar. „Evangelische Kirche ist eine Kirche, die ausschließlich in gemeinsamer Verantwortung von ehren- und hauptamtlich Mitarbeitenden geleitet wird“, erklärte Weber.
Es brauche aber eben auch Personen, die hauptberuflich in der Kirche arbeiten – neben den Pfarrerinnen und Pfarrern werde es nach Webers Einschätzung aufgrund der deutlich knapper werdenden Personalressourcen künftig mehr Gemeindepädagogen und Diakone sowie eine noch näher zu bestimmende Berufsgruppe wie „Gemeindemanager“ geben müssen. Hier brauche es erhebliche Anstrengungen in Bezug auf die Gewinnung, Aus- und Fortbildung sowie Beschäftigung dieser Personengruppen.
Im Kirchenkreis Trier gibt es bereits ein Planstellenkonzept
All dies mache deutlich, „dass die Frage nach den personellen Ressourcen eine der dringlichsten Aufgaben unseres Kirchenkreises sein dürfte“, so der Superintendent. Im Kirchenkreis Trier gibt es bereits ein Planstellenkonzept, das Pfarrdienst und gemeindepädagogische Dienste miteinander verbindet und im Blick hat. Dies müsse aber um die Frage der Ausbildung weiterer Professionen und die Strategie des Umgangs mit personellen Ressourcen erweitert werden, betonte der Superintendent.
Demzufolge stehen nach dem Beschluss über den Haushalt für den Kirchenkreis Trier rund 450.000 Euro für mindestens drei Jahre zur Verfügung, aus denen Projekte gefördert werden sollen, die innovativen Charakter haben und sich an Kirchenfremde oder die Zielgruppe der 20- bis 40-Jährigen wenden. Es brauche Pioniergeist, Kreativität und die Bereitschaft, „etwas auszuprobieren, das nicht fehlerfrei ist und in Teilen scheitern kann“, ermutigte Weber zu neuen, ungewöhnlichen Projekten und Angeboten.
Eine weitere wichtige Maßnahme sei die Gewinnung, Ausbildung und Begleitung junger Menschen, so der Superintendent weiter. Er schlug der Synode die Etablierung von Unterstützungsmöglichkeiten beziehungsweise das Angebot von Ausbildungsplätzen im Rahmen eines dualen Studiums etwa in sozialer Arbeit oder Gemeindepädagogik vor.
Durch die Einrichtung von Ausbildungsplätzen im Bereich der Gemeindepädagogik oder Jugendarbeit könnten hier Stellen für junge Menschen geschaffen werden, die während ihres Studiums im Kirchenkreis arbeiten und dann längerfristig Arbeitsmöglichkeiten finden könnten. Auch für dieses, konzeptionell noch zu konkretisierendes Angebot, stellt der Kirchenkreis erste finanzielle Mittel bereit, denn: „Wir müssen in die Personalentwicklung junger Menschen investieren“, betonte Weber.
Partnerschaft besteht seit 2015
Eröffnet worden war die Kreissynode mit einem bewegenden Gottesdienst, den neben Pfarrerin Sabine Meckelburg und Pfarrer Frank Meckelburg aus der Kirchengemeinde Daun sowie Bischof Francis Karemera von der Diözese Cyangugu der anglikanischen Kirche in Ruanda weitere Mitglieder des Partnerschaftskreises der Region Eifel und Gäste aus Ruanda gestalteten. Unter dem Motto „Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt“ ging der Gottesdienst der Frage der weltweiten ökumenischen Verbundenheit und der Versöhnung nach.
Der Partnerschaftskreis der Region Eifel und die Partnerschaft mit der Diözese Cyangugu besteht seit 2015 und ist von gegenseitiger Unterstützung geprägt. Für das Single Mothers Project, das alleinstehende Mütter in Ruanda unterstützt, wurde auch die Kollekte im Gottesdienst der Kreissynode gesammelt. Anlässlich der Flutkatastrophe im Ahrtal unterstützte die Diözese Cyangugu mit Spenden die betroffene Kirchengemeinde Ehrang im Kirchenkreis Trier. red

