Heeresmusikkorps zu Gast
Eine Märchenstunde im Stadttheater Idar-Oberstein
Ein hochkarätiges Klassikkonzert erlebten die Besucher der „HELFT UNS LEBEN“-Veranstaltung im Idar-Obersteiner Stadttheater
Hosser. HOSSER

Das Heeresmusikkorps Koblenz war auf Einladung von „HELFT UNS LEBEN“ zu Gast in der Schmuckstadt.

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An einem regnerischen Herbstabend gemütlich am Kaminfeuer sitzend schöne Geschichten erzählt bekommen, wer mag das nicht? Die mehr als 400 Besucherinnen und Besucher im Stadttheater konnten genau das erleben. Zum ersten Mal trat hier das Heeresmusikkorps Koblenz auf. Weil Idar-Oberstein ein bedeutender Militärstandort ist und hier 1956 die Kapelle gegründet wurde, kam es zu diesem Spielort.

Die Fäden wurden in Koblenz gezogen: Das Ensemble unterstützt seit Jahren mit Benefizveranstaltungen die Aktion „HELFT UNS LEBEN“ der Rhein-Zeitung, lokal als Nahe-Zeitung bekannt. Hochgestimmt begrüßte RZ-Chefredakteur und 2. Vorsitzender des Vereins, Lars Hennemann, in Vertretung für die Vorsitzende Manuela Lewentz-Twer den vollen Saal, bedankte sich für die gute Resonanz und führte aus: „Diese Aktion unterstützt Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind.“

RZ-Chefredakteur Lars Hennemann begrüßte das Publikum und erläuterte die Arbeit von „HELFT UNS LEBEN“.
Hosser. HOSSER

Hinter ihm füllten die mehr als 50 Ausführenden die Bühne. Sehr zu loben ist die Doppelseite des Programmheftes, die alle Musiker namentlich aufführte, eine schöne Würdigung der exzellenten Instrumentalisten. Ab dem ersten Ton hörte und spürte man, was eine Militärkapelle von einem Musikverein unterscheidet: Die Disziplin, in der Musik sowieso vonnöten, wird hier erst recht großgeschrieben. Also klang der „Danubia Marsch“ des böhmischen Komponisten Julius Fučik richtig zackig, zur Freude des Publikums.

„Darauf habe ich mich gefreut“, strahlte eine Zuhörerin, „so ein großes Orchester und den herrlichen Lärm, den sie machen“. Das Heeresmusikkorps bot aber weit mehr als nur gekonnt laute Musik. Überrascht lauschte man dem Dirigenten, Hauptmann Holger Kolodziej, der mit seinen Musikerinnen und Musikern eine echte Märchenstunde geplant hatte. „Es war einmal“ setzte er als Motto und nahm sich vor jedem der Werke die Zeit, die dazugehörenden Geschichten zu erzählen.

„Die Moldau“ eröffnete den Reigen

Bedřich Smetanas Tondichtung „Die Moldau“ eröffnete den Reigen der programmatischen Werke, die so wunderbar die Fantasie beflügeln und die Geschehnisse vor dem inneren Auge lebendig werden lassen. „Wie hab‘ ich das Stück genossen, es hat mich an die Schulzeit erinnert“, schwärmte eine Dame. Dass Kolodziej selbst gern erzählt, spürte man bei jeder seiner Moderationen. Bemerkenswert, dass er die Aufgabe neben dem höchst anspruchsvollen Dirigat der komplexen Werke so elegant stemmte.

Bis zur Pause erlebte man noch die zeitgenössische Vertonung des Märchens „Der Wundervogel“ von Guido Rennert und ein freches, flottes Medley mit Richard Shermans Musik zu Rudyard Kiplings „Jungle Book“, das lautstark bejubelt wurde. Im zweiten Teil jagte ein Höhepunkt den nächsten. „Ich bin neidisch auf diese tolle Formation“, bekannte augenzwinkernd ein gestandener Saxofonist aus unserer Region. „Jede Note sitzt perfekt, und das bei den rasanten Läufen!“

Marco Tamanini hat Paul Dukas‘ berühmte Vertonung der Goethe-Ballade vom Zauberlehrling für Symphonisches Blasorchester arrangiert und fordert damit Höchstleistungen. Kolodziej wies auch auf die wunderschöne Verfilmung durch Walt Disney in „Fantasia“ hin. Mit Mickey Mouse als Zauberschüler im Kopf erlebte man besonders intensiv das Heer von Besen, die Wassermassen herbeischleppen und Mickey verzweifeln lassen. Wie spannungsvoll Pausen sein können, hörte man, wenn der Fluch gebannt schien und dann doch die Besen wieder zu marschieren begannen.

Schon längst hatte das immer lockerer aufspielende Orchester die Herzen des Idar-Obersteiner Publikums erobert. Vollends begeistert war es aber, als dann zu Hayato Hiroses Vertonung des Märchens von den Bremer Stadtmusikanten Sessel und Stehlampe aufgebaut wurden und SWR-Moderator Martin Seidler Platz nahm, um über die Musik hinweg fesselnd vom Schicksal der vier Tiere zu erzählen.

SWR-Moderator Martin Seidler erzählte von den Bremer Stadtmusikanten

Ein swingendes Medley aus Kinderfilm-Titeln wie Muppets, Biene Maja, Tom & Jerry riss das Publikum von den Stühlen und zu riesigem Beifall hin. Ein hoch zufriedener Dirigent bedankte sich am Ende bewegt: „Wenn wir Ihre Gefühle erreichen konnten, ist unser Experiment geglückt“. Daran zweifelte niemand im Saal, ohne zwei Zugaben wollte man sie nicht ziehen lassen. Ganz zum Schluss wurde es nochmal feierlich. Das Heeresmusikkorps ist eben eine Militärkapelle. Und so wurde die abschließend erklingende Nationalhymne von vielen im Festsaal mitgesungen.

Hauptmann Holger Kolodziej und sein Heeresmusikkorps
Hosser. HOSSER

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