Nach einer Satzungsänderung steht nun jedem der drei Kreise ein Kreishandwerksmeister vor. Alfred Wenz (Bundenbach) ist für den Kreis Birkenfeld, Peter Mumbauer für den Rhein-Hunsrück-Kreis und Simon Henkel für den Kreis Bad Kreuznach zuständig. Den Vorstandvorsitz übernimmt Alfred Wenz.
Die Wahlen fanden unter der Leitung von Kurt Krautscheid, Präsident der Handwerkskammer (HwK) Koblenz, statt. Er und Hauptgeschäftsführer Ralf Hellrich sowie Susanne Terhorst, Leiterin der HwK-Rechtsabteilung, informierten die Delegierten über die Entwicklungen im Ahrtal und die Hilfestellungen aus der Kammer, den Handwerksorganisationen und den vielen Freiwilligen. Sie stellten die aktuellen Ausbildungszahlen dar, die leider rückläufig seien. Hier werde das Handwerk massiv entgegensteuern, um seinen Fachkräftebedarf zu decken.
Viele aktuelle Themen besprochen
In der konstituierenden Vorstandssitzung wurden zahlreiche aktuelle Themen angesprochen. Die wollen die ehrenamtlichen Vertreter von fast 1000 Betrieben in der Nahe-Hunsrück-Region engagiert, selbstbewusst und vor allem lösungsorientiert angehen. So wurde die Thematik Schwarzarbeit etwa bei den Friseuren angesprochen. Die Zusammenarbeit mit Behörden müsse in Zusammenarbeit mit der HwK etwa durch Seminare fokussiert werden. Beim Thema Strompreis will man Verhandlungen aufnehmen, um Verbesserungen zu erreichen. Angedacht ist eine steuerbegünstigte Heimat-Shopping-Card im Wert von 50 Euro, die überall dort eingelöst werden könnte, wo EC-Kartenzahlung möglich ist.
Ein Bestreben der KHS ist es, den Organisationsgrad der Handwerksbetriebe in den Innungen zu erhöhen. Er liege im Gebiet der Kreishandwerkerschaft zwischen 50 und 90 Prozent, sagt der langjährige KHS-Geschäftsführer Gerhard Schlau. Die Innungshandwerker sind froh, dass sich Schlau nach zwei Jahren Ruhestand unter anderem mit diesem Zukunftsthema wieder mit einbringt. Er will Betrieben vermitteln, dass ihnen die Innungsmitgliedschaft großen Nutzen bringt, dass Gemeinsamkeit stark macht. Juristische Beratung spielt hier eine tragende Rolle.
Es gibt Ausschüsse für Lehrlingsstreitigkeiten der Innungen, Schiedsstellen, eine Mahn- und Inkassostelle (seit 2015 mit 400 Verfahren und einem Streitwert von mehr als einer halben Million Euro). 2021 führte Silke Dittrich, KHS-Geschäftsführerin, 21 Arbeitsgerichtsverfahren für Innungsbetriebe durch, führte unzählige Beratungsgespräche, fertige Arbeitsverträge aus, formulierte Zeugnisse und Abmahnungen und zivilrechtliche Angelegenheiten. Ein Zukunftsthema ist auch die Digitalisierung. So wurde beschlossen, dass künftig digital zu Versammlungen eingeladen werden kann.
Corona-Pandemie, Fachkräftemangel, Klimawandel, Energiekrise – all das sind für die Handwerksbetriebe und die KHS als Überbau der selbstständigen Innungen fordernde Themen. Dabei habe man gerade in der Corona-Krise bewiesen, wie gut ehrenamtliche Verbandsarbeit funktioniere, betont Installateur- und Heizungsbauermeister Simon Henkel.
Umsatzrückgänge durch Corona
Schon wenige Wochen nach dem ersten Lockdown habe das Handwerk vor allen anderen hauptamtlich geführten Institutionen belastbare Statistiken mit fundierten Zahlen etwa über Corona-bedingte Umsatzrückgänge geliefert. Eine wichtige Basis für politische Entscheidungsträger sei dies gewesen. Das Handwerk habe ungeachtet Corona funktioniert. Leider hätten viele das nicht beachtet und nicht danach gefragt, sagt Henkel. Aber für die ausschließlich ehrenamtlich agierenden Handwerksvertreter sei es ein wohltuender Beweis, dass die Strukturen stimmen.
So will der neue Vorstand aus dem ganzen Strauß von Ideen und Themen klare Prioritäten setzen und Lösungen entwickeln. Er will die politischen Vertreter von der Basis bis in höchste Gremien einbinden. Beim Thema Ausbildung und Fachkräftemangel setzt man wie schon vor Corona auf die bewährten Ausbildungsbörsen. Für diese „Karrieremessen“ stehen die Termine in Simmern (1. Oktober in der Hunsrückhalle) und in Idar-Oberstein (6. und 8. Oktober in der Messe) schon fest. In Bad Kreuznach möchte man 2023 so schnell wie möglich wieder die beliebte Mitmachmesse anbieten, dabei Arbeitsagentur und Handwerkskammer Koblenz mit ins Boot nehmen.
Bei der Fachkräftegewinnung setze man auch auf unkonventionelle Methoden, merkt Alfred Wenz an. Der langjährige Bäckerinnungsobermeister und frischgebackene vorsitzende Kreishandwerksmeister nennt die Möglichkeit, gute Berufsschulleistungen vorausgesetzt, jederzeit im Jahresverlauf mit Ausbildungen beginnen zu können. Er betont die hervorragenden und schnellen Aufstiegsmöglichkeiten im Handwerk über Meisterbrief oder Studium. Peter Mumbauer, der zehn Jahre Vorstandsvorsitzender war, freut sich, dass die Vorstandsarbeit auf viele Schultern verteilt werden konnte.
Unterschiedliche Berufe vertreten
Wie erhofft ergab es sich bei der Vorstandswahl, dass aus jedem der drei Kreise vier Mitglieder als Beisitzer vertreten sind. Auch die unterschiedlichen durch die Innungen vertretenen Handwerksberufe seien im Vorstand präsentiert, sagt Dachdeckermeister Mumbauer. Er nennt unter anderem Metall- und Holzbauer, Elektroniker, Maler und Lackierer, Kfz-Techniker oder Friseure. red

