Nach Brand im Wohnhaus
Das Ehepaar Blödorn aus Kronweiler steht vor dem Nichts
Anka und Thomas Blödorn aus Kronweiler ist nichts geblieben außer die Klamotten am Leib - doch aufgeben, das kommt für das Ehepaar nicht in Frage.
Niels Heudtlaß

Vom Haus der Blödorns, in dem sie ihren Ruhestand genießen wollten, in dem ihr ganzes Erspartes steckt, sind nur noch verkohlte Trümmer übrig. Doch das Engagement der Kronweilerer beeindruckt das Ehepaar. Sie wollen unbedingt im Dorf bleiben.

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Verkohlte Holzbalken ragen aus dem Schutt, zwischen den Trümmerteilen liegen verschiedene Gegenstände, Einblicke in das Leben der Bewohner vor dem Feuer – Klamotten, Matratzen, ein vom Feuer beschädigter Fernseher. 15 Jahre lang haben Anka und Thomas Blödorn ihre Kraft und ihr Erspartes in die Renovierung des Hauses in Kronweiler gesteckt – am Samstagabend, 13. Dezember, machte ein Brand das alles zunichte. „Ich kannte jede Schraube im Haus, fast alle Arbeiten habe ich selbst durchgeführt“, sagt Thomas Blödorn, und der Stolz schwingt mit in seiner Stimme. Als er das Haus in Kronweiler vor 15 Jahren entdeckte, habe er sein Herz daran verloren. „Mitten im Ort, aber gleichzeitig alleinstehend, ohne direkte Nachbarn, damit ich in meiner Werkstatt arbeiten kann, ohne jemanden zu stören – einfach perfekt“, schwärmt der Energietechniker.

Anfangs war es nur eine Schrottimmobilie

Er kauft es direkt. „Dabei war das eine absolute Schrottimmobilie, am Anfang mussten wir durch die Fenster ins Haus, weil die Türen, hinter denen Schutt lag, nicht aufgingen“, erzählt er. „Meine Frau war zu Beginn gar nicht begeistert von dem Kauf“, ergänzt er und lacht – kurz. „Ich konnte es mir erst nicht vorstellen, aber in den letzten Jahren ist es zu meinem gemütlichen Zuhause geworden“, sagt Anka Blödorn. Mehr als 150.000 investierte Euro, das gesamte Ersparte, und 15 Jahre später war der Traum vom gemütlichen Eigenheim verwirklicht. Noch im Frühjahr dieses Jahres hat Thomas Blödorn den Flur verputzt, eine neue Decke angebracht. „Wir waren endlich fertig mit dem Haus, in dem wir unseren Ruhestand, den Rest unseres Lebens verbringen wollten“, sagt er. „Jetzt ist alles weg“, fügt Anka Blödorn hinzu und vergräbt ihren Kopf in den Händen.

Anka Blödorn: „Ich habe einfach in die Flammen gestarrt“

Gegen 20 Uhr am 13. Dezember verlässt Thomas Blödorn seine Werkstatt im Keller des Hauses, wo der Energietechniker Aufträge bearbeitet oder auch kostenlos Geräte aus der Nachbarschaft repariert. Im Wohnzimmer macht er es sich auf dem Sofa gemütlich, schaltet den Fernseher ein, entzündet eine Zigarette. Rund eine Stunde später: ein Knall in der Scheune am Haus. „Vor rund vier Jahren wurde bei uns eingebrochen. Ich dachte, das versucht wieder jemand und bin rausgestürmt“, erzählt Blödorn. Doch der Knall hat einen anderen Ursprung: Drei Lithium-Ionen Akkus, in die die Solaranlage der Blödorns den Strom einspeist, befinden sich in der Scheune, einer der Akkus steht in Flammen.

„Es lebt sich nirgendwo auf der Welt besser als in Kronweiler.“
Die Blödorns wollen auf jeden Fall an der Nahe bleiben.

„Ich bin in den Keller gesprintet und habe einen Feuerlöscher geholt“, sagt der 67-Jährige. Zuerst scheint er mit seinem Löschversuch Erfolg zu haben. „Aber es hat direkt wieder angefangen zu brennen.“ Er leert einen zweiten Feuerlöscher, einen dritten – ohne Erfolg. Er rennt zum Nachbarn, leiht sich dessen Feuerlöscher. „Aber die Hitze war zu groß, ich kam nicht mehr ran“, sagt Thomas Blödorn, auf seinem Gesicht sind noch fast verheilte Wunden zu sehen – verursacht von der Hitze. Er verlässt das Haus, geht zu seiner Frau, die auf der Straße steht. Die Feuerwehr ist schon da. „Nur rund sieben Minuten nachdem erst eine Nachbarin und dann meine Frau die Einsatzkräfte alarmiert haben, waren sie zahlreich da, gemeinsam mit THW, Rettungswagen und Polizei – davon bin ich heute noch beeindruckt“, sagt der 67-Jährige.

Nur verkohlte Trümmer blieben vom Ruhestandstraum des Ehepaars aus Kronweiler.
Niels Heudtlaß

Von der Straße aus sehen sie zu, wie die Flammen ihr Haus verzehren, wie das Dach einstürzt, während die Feuerwehr mit dem Brand kämpft. „Was ich in dem Moment gedacht habe? Gar nichts, einfach nur: Das kann nicht sein...“, erinnert sich Thomas Blödorn. „Meine Gefühle kann ich nicht beschreiben“, sagt Anka Blödorn. „Scheiße!“

Nachbarin Kathrin Lempp überzeugte die Blödorns, den Gefahrenbereich zu verlassen. „Wir standen unter Schock, ich habe einfach nur auf die Flammen gestarrt“, sagt Anka Blödorn. Nach einem kurzen Krankenhausbesuch – „Wir wurden auf eigene Verantwortung entlassen, wir wollten nur zurück zum Haus“ – kommt das Ehepaar zuerst bei Kathrin Lempp unter.

Die Nachbarn Hiltrud und Helmut Kastner nahmen die Blödorns bei sich auf.
Niels Heudtlaß

Mittlerweile wohnen die Blödorns übergangsweise in einer leeren Wohnung bei der Familie Kastner, ebenfalls nur wenige Meter von ihrem alten Zuhause entfernt. „Das war für uns gar keine Überlegung: Die Wohnung, wo vor seinem Tod mein Schwiegervater wohnte, steht leer, Thomas und Anka brauchen ja eine Bleibe“, sagt Helmut Kastner. „Wir haben eine gute Nachbarschaft in der Straße, Thomas und Anka waren immer da, wenn wir was brauchten“ fügt Hiltrud Kastner hinzu.

Anka und Thomas Blödorn wollen in Kronweiler bleiben

„Wir haben nichts aus dem Haus mitgenommen, außer die Klamotten am Leib und ein altes Klapphandy, mit dem Anka die Feuerwehr gerufen hat. Klamotten, Papiere, Autoschlüssel, Laptop, Fotoalben – alles weg“, sagt Thomas Blödorn. „Wir stehen vor dem Nichts“, fügt seine Frau hinzu. Die Kronweilerer bringen Sachspenden vorbei. Klamotten stapeln sich auf einem Tisch in der Übergangswohnung, weitere benötigte Alltagsgegenstände stehen in Tüten auf dem Boden. Die Gemeinde hat ein Konto für Geldgeschenke eröffnet, um dem Ehepaar den Neustart zu erleichtern. Nachbarin Kathrin Lempp hilft ihnen bei den Behördengängen „Wir sind den Leuten so unermesslich dankbar“, sagt Anka Blödorn. „Es ist Wahnsinn, wie sehr die Menschen hinter uns stehen. Ich habe mein ganzes Leben für mich selbst gesorgt, nie Hilfe gebraucht, jetzt brauche ich sie – und es ist mir, ehrlich gesagt, auch peinlich“, sagt Thomas Blödorn.

Klamotten, die Menschen den Blödorns vorbeibringen, stapeln sich auf dem Wohnzimmertisch. "Wir sind überwältigt von der Hilfsbereitschaft", sagt das Ehepaar.
Niels Heudtlaß

Viele würden nach einem solchen Schicksalsschlag verzweifeln, doch der Kampfgeist des Ehepaars ist ungebrochen. Thomas Blödorn plant bereits, das Haus wieder aufzubauen. „Nicht so groß, nicht so gründlich wie beim ersten Mal, nur mit einer Etage und auch mal mit Rigipswänden, das ist möglich.“ „Sei realistisch, wir sind über 60, eine Wohnung tut es auch“, erwidert seine Frau. Einig sind sie sich aber in einer Sache: „Wir wollen auf jeden Fall in Kronweiler bleiben“, sagt die 64-Jährige. „Wir haben hier unsere Sozialkontakte, die Nachbarschaften, die über die Jahre zu Freundschaften geworden sind. Es lebt sich nirgendwo auf der Welt besser als in Kronweiler“, bestätigt auch ihr Mann. „Fangen wir halt noch mal von vorne an. Wir müssen ja, es bringt ja nichts, sich aufzugeben“, sagen beide.

Auch HELFT UNS LEBEN, die Benefizaktion der Rhein-Zeitung und ihrer Heimatausgaben, wird dabei helfen, dass der Neuanfang gelingt. Als Vorsitzende Manuela Lewentz-Twer von der Notlage der Familie erfuhr, organisierte sie im Vorstand der Aktion einen sofortigen Umlaufbeschluss. Der erging innerhalb von 30 Minuten einstimmig. Und somit sind bereits jetzt aus vorhandenen Spendenmitteln der Aktion 5000 Euro auf das Hilfskonto für die Blödorns überweisen worden. Weitere 30000 werden fließen, sobald neue Einrichtungsgegenstände angeschafft werden müssen. HELFT UNS LEBEN wird dazu Kontakt mit der Familie aufnehmen und das weitere Vorgehen abstimmen, die Nahe-Zeitung wird weiter berichten.

„Das ist das, was uns auszeichnet. Wir helfen denen, die unverschuldet in Not geraten sind, sofort. Das kann kaum jemand so schnell und unbürokratisch wie wir. Ich wünsche Familie Blödorn viel Kraft und Zuversicht für die kommenden Wochen und Monate, wir stehen fest an Ihrer Seite“, verspricht Manuela Lewentz-Twer.

Konto für Geldgeschenke zur Ersthilfe

Geldgeschenke für das vom Wohnungsbrand betroffene Ehepaar können auf das Konto der Verbandsgemeinde Birkenfeld DE 3856 2500 3000 0020 5060 mit dem Verwendungszweck „Brand Kronweiler“ eingezahlt werden. Eine Spendenquittung kann nicht ausgestellt werden.

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