Vorbild für das Projekt ist das „House of One“, das derzeit in Berlin am Petriplatz entsteht und das unter seinem Dach unter anderem eine Synagoge, eine christliche Kirche und eine Moschee beherbergen soll. 2011 begann in Berlin der gemeinsame Weg mit der Schaffung von Strukturen für die Umsetzung der Idee, es folgte ein Architekturwettbewerb und eine weltweite Spenden- und Beteiligungskampagne. Davon sind die Neuwieder freilich noch weit entfernt. Auch wenn Rieth mit dem brachliegenden Berninger Gelände, auf dem ehemals die Neuwieder Synagoge stand, schon einen Wunsch-Bauplatz vor Augen hat. „In Berlin hat man auch klein angefangen“, meint er zu dem Gedankenspiel.
Das Projekt hat bereits einige Unterstützer aus dem Bereich der muslimischen und christlichen Gemeinden, doch die dritte monotheistische Religion war bislang unterrepräsentiert. „Ohne eine jüdische Gemeinde im Boot konnten wir nie wirklich durchstarten“, erklärt Rieth. Deshalb liegt seine Hoffnung nun auf Natalia Verzhbovska. Die Kölnerin, einst erste Rabbinerin in NRW, ist großer Fan der „House-of-One“-Idee und hat bereits bei den Anfängen des Berliner Projekts mitgewirkt. Sie begrüßt den Vorstoß der Neuwieder und will sich gerne einbringen, wie sie im RZ-Gespräch berichtet. Sie betont aber auch, dass die Zusammenarbeit noch in den Kinderschuhen steckt und bislang noch nicht klar ist, wie genau ihre Unterstützung aus der Ferne aussehen kann. Im Juni ist ein Treffen geplant, bei dem über die weiteren Schritte gesprochen werden soll.
Wie wichtig der interreligiöse Dialog ist, zeigt aktuell die seitens der Stadtverwaltung gefällte Erlaubnis des Muezzinrufs während des muslimische Ramadanfestes, die von der Bevölkerung sehr unterschiedlich aufgefasst wird und für reichlich Diskussionen sorgte. „Als Stadt der Toleranz und der Glaubensfreiheit ist es an der Zeit, einen anderen Umgang mit diesem Thema zu entwickeln“, findet Dietmar Rieth und hat in einem Schreiben an Oberbürgermeister Jan Einig nocheinmal auf die House-of-One-Initiative hingewiesen. Aus seiner Sicht könnte das „House of One“ bei zukünftigen religionspolitische Fragen eine große Rolle spielen, und dabei helfen, Spannungen abzubauen.