Was ist zu tun, wenn es in einem mit 400 Personen besetzten ICE brennt? Unter dieser Fragestellung stand am Samstag eine Großübung bei Puderbach, die die Polizeidirektion Neuwied, der Brand- und Katastrophenschutz im Landkreis Neuwied, das Technische Hilfswerk, die Deutsche Bahn sowie weitere Behörden und Organisationen zu bewältigen hatten. Ziel der Übung war es, die Zusammenarbeit aller beteiligten Kräfte zu stärken und Abläufe für den Ernstfall realitätsnah zu trainieren, teilt der Kreis weiter mit.
Einsatzkräfte aus zwei Landkreisen
Insgesamt waren laut Mitteilung rund 250 Einsatzkräfte eingebunden. Etwa 50 Angehörige der Landes- und Bundespolizei, rund 200 Einsatzkräfte des Brand- und Katastrophenschutzes aus dem Landkreis Neuwied sowie Feuerwehrkräfte aus dem Landkreis Altenkirchen, inklusive Übungsbeobachter, beteiligten sich aktiv an der Übung. Zusätzlich wirkten rund 40 Statisten mit, die betroffene Fahrgäste, teilweise auch mit Verletzungen, darstellten.
Das angenommene Szenario beinhaltete einen Brand in einem ICE mit etwa 400 Fahrgästen. Der Zug sollte auf freier Strecke, im Bereich der Verbandsgemeinde Puderbach in Höhe des Autobahnparkplatzes Märkerwald, zum Stehen kommen. Die Übung orientierte sich in Struktur und Ablauf an einem realen Einsatz aus dem Jahr 2018 bei Dierdorf.

Da die ICE‑Strecke Köln–Frankfurt während der Übung nicht beeinträchtigt werden durfte, wurde das Szenario räumlich verlagert: Ein Bus auf einem parallel zur Strecke verlaufenden Feldweg diente als Ersatz für den ICE. Rund 40 Statisten stellten die Fahrgäste dar. Weitere Fahrgäste und das Zugpersonal wurden fiktiv berücksichtigt, um ein realistisches Gesamtbild des Einsatzgeschehens zu ermöglichen.
Zusätzlich wurden Gleise angedeutet und ein improvisierter Fahrdraht über dem Bus installiert, um die Übungssituation möglichst naturgetreu nachzustellen. Das Notfallmanagement und die Notfallleitstelle der Deutschen Bahn begleiteten die Übungsplanung eng und stellten sicher, dass interne Abläufe korrekt eingebunden waren.
Meldeweg realistisch simuliert
Um die Abläufe möglichst praxisnah darzustellen, wurde auch der Meldeweg realistisch simuliert. Mehrere Statisten bemerkten etwa die Rauchentwicklung am fiktiven Zug und setzten – wie das in einer echten Lage zu erwarten wäre – über ihr Mobiltelefon einen Notruf sowohl zur Polizeileitstelle als auch zur Integrierten Leitstelle Montabaur ab. Dort wurden die Anrufe entgegengenommen und die entsprechenden Einsatzkräfte alarmiert. Das Notfallmanagement der Deutschen Bahn wird parallel aktiviert.
Nach Eintreffen der ersten Kräfte am Übungsort wurden die Statisten erfasst und aus dem Gefahrenbereich geführt. Zur Lageerkundung stellten die eintreffenden Kräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst entsprechende Fragen an die Betroffenen. Während die Brandbekämpfung durch die Feuerwehr eingeleitet wurde, registrierten Kräfte des Sanitäts- und Betreuungswesens die betroffenen Personen und transportierten diese zur Betreuungsstelle in der Mehrzweckhalle Urbach.

In der Mehrzweckhalle waren neben der SEG-Betreuung des Landkreises Neuwied auch Notfallseelsorger aktiv. Die Maßnahmen im direkten Bezug zu den betroffenen Personen demonstriere die Vielschichtigkeit einer solchen Einsatzlage – vom ersten Notruf über die Erstversorgung bis hin zur psychosozialen Betreuung, heißt es weiter.
In der Übung wurden drei EInsatzabschnitte gebildet. Ein Einsatzabschnitt Brandbekämpfung, ein Einsatzabschnitt Wasserversorgung und der Einsatzabschnitt Gesundheit, in dem sich ein Leitender Notarzt und der organisatorische Leiter um die Versorgung der Betroffenen kümmerten.
Einsatzleitung an verschiedenen Orten
Um die Vielzahl der Einsatzkräfte strukturiert zu koordinieren, wurden mehrere Bereitstellungsräume eingerichtet. Die Feuerwehr und das THW sammelten sich im Gewerbegebiet Dernbach. Der Bereitstellungsraum für die Hilfsorganisationen befand sich an der Mehrzweckhalle Urbach. Die Technische Einsatzleitung (TEL) war im Dorfgemeinschaftshaus „Haus an den Buchen“ in Dernbach eingerichtet. Mit dem Wachsen der Lage habe der Landkreis Neuwied die Einsatzleitung übernommen. In Dernbach liefen alle Informationen zusammen. Durch die Live-Übertragung von DrohnenbBildern bot sich dort auch ein reales Bild der Einsatzstelle, informiert der Kreis Neuwied.
„Die heutige Vollübung zeigte eindrucksvoll, wie wichtig ein abgestimmtes, organisationsübergreifendes Vorgehen ist. Nur durch regelmäßige praxisnahe Übungen lassen sich Strukturen optimieren und Einsatzkräfte darauf vorbereiten, in einer echten Lage schnell, koordiniert und sicher handeln zu können“, erklärten Brand- und Katastrophenschutzinspekteur Holger Kurz sowie der Leiter der Polizeidirektion Neuwied, Thorsten Runkel, bei der Abschlussveranstaltung zur Übung in Urbach.

Landrat Achim Hallerbach betonte: „Heute haben hier fast 300 Personen aus allen Blaulichtbereichen mitgewirkt. Die Zusammenarbeit und das Engagement der haupt- und ehrenamtlichen Einsatzkräfte machen uns krisentauglich. Danke für diesen Einsatz.“
Beim Abschluss der Übung kam mit der SEG-Verpflegung auch die jüngste Einheit des Katastrophenschutzes im Landkreis Neuwied zum Einsatz. Sie verpflegte alle Beteiligten mit Suppe und Würstchen. Die Bundesautobahn A3 sowie die ICE‑Strecke selbst blieben frei von Beeinträchtigungen durch die Übung.



