
Die Zahl der Verunglückten konnte um 12,1 Prozent (minus 99) gesenkt werden. „Eine nochmalige Senkung der Verunglücktenzahlen trotz gleichzeitiger Steigerung der absoluten Unfallzahlen ist hierbei besonders erfreulich“, gab Landrat Andreas Müller bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik 2021 bekannt. 2021 wurden 136 schwer und 576 Menschen leicht verletzt. „Das ist der niedrigste Stand der Verletztenzahlen seit 1985“, teilte Müller mit.
Bereits im Jahr 2020 waren Verkehrsunfälle mit Verletzten stark rückläufig, 2021 konnte die Anzahl mit einem Rückgang von 13 Prozent (minus 83) nochmals deutlich gesenkt werden. Auch die Zahl der Verkehrstoten sank im Vergleich zum Jahr 2020 um 33 Prozent (minus 3).
Insgesamt ist die Anzahl der Verkehrsunfälle 2021 im Vergleich zum Corona-Jahr 2020 mit 8701 um 4,1 Prozent (361) leicht angestiegen. Nach Landrat Müller kann dieser Anstieg insbesondere in den Lockerungen der Corona-Maßnahmen im Jahr 2021 und einem gesteigerten Verkehrsaufkommen begründet sein.
Die Verkehrsunfallzahlen der Verkehrsunfallstatistik seien im zweiten Corona-Jahr 2021 in Folge der pandemischen Einschränkungen und einem veränderten Verkehrsaufkommen nur bedingt aussagekräftig. „Dennoch sind die Verkehrsunfallzahlen mit Blick auf 2017 bis 2019 kontinuierlich gesunken, damit kommen wir der ,Vision Zero', keine Toten und Schwerverletzten im Straßenverkehr, einen Schritt näher“, so Müller.
Deutlich weniger Motorradunfälle
Diese Aussage wird durch die Analyse der Verunglückten in den Verkehrsbeteiligungsarten gestützt: Positiv sind nach Landrat Müller auch die Entwicklungen der Verunglücktenzahlen bei Verkehrsunfällen unter Beteiligung von Motorrädern. Die Verunglücktenzahl des Jahres 2020 (55) ist um 40 Prozent (33) im Jahr 2021 gesunken und erreicht damit den niedrigsten Stand der letzten zehn Jahre.
„Erfreulich ist auch, dass 2021 kein tödlicher Motorradunfall verzeichnet wurde“, so Müller. Allerdings gab es eine leichte Zunahme von Schwer- verletzten bei den Motorradunfällen. Hier stieg die Zahl on 16 auf 19 Schwerverletzte. Weiterhin erfreulich ist der Rückgang der verunglückten Fußgänger seit 2019. So reduzierte sich die Verunglücktenzahl um 9, 3 Prozent von 86 im Jahr 2020 auf 78 im Jahr 2021. Diese positive Entwicklung setzt sich auch bei der Anzahl der verunglückten Fahrrad- und Pedelecfahrer fort. So sank die Anzahl der verunglückten Fahrradfahrer um 33 Prozent, rückläufig war auch die Anzahl der verunglückten Pedelecfahrer um minus 1.
Auch bei detaillierter Betrachtung der Entwicklungen der Verunglücktenzahlen in den Risikoaltersgruppen sind bis auf eine Altersgruppe die bereits im Vorjahr gesunkenen Zahlen nochmals teilweise massiv rückläufig: So ist in der Altersgruppe der Kinder (bis 14 Jahre) ein Rückgang der Verunglückten um 21 Prozent zu verzeichnen. Hervorzuheben ist, dass kein Kind tödlich verunglückte und die Anzahl der schwerverletzten Kinder um die Hälfte gesunken ist. Nachdem im Jahr 2020 die Anzahl der verunglückten Jugendlichen (15 bis 17 Jahre) deutlich gestiegen war, konnte 2021 wieder ein leichter Rückgang verzeichnet werden. Kein Jugendlicher verunglückte 2021 tödlich.
Die Zahl der verunglückten jungen Erwachsenen (18 bis 24 Jahre) ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken, jedoch ist die Zahl der Schwerverletzten in dieser Gruppe leicht angestiegen. Dabei musste ein tödlich verunglückter junger Erwachsener verzeichnet werden.
Die Verunglücktenzahlen bei den Senioren (65 Jahre und älter) sinken weiter um fast 14 Prozent auf ein Fünfjahrestief von 87 Verunglückten. Diese Entwicklung ist besonders erfreulich, da der Bevölkerungsanteil der Senioren im Kreisgebiet steigend ist und mittlerweile bei einem Anteil von 22 Prozent der Einwohnerzahl des Kreises liegt. Trotz dieser positiven Entwicklungen mussten drei tödlich verunglückte Senioren im Jahr 2021 verzeichnet werden.
Abbiegen ist häufige Unfallursache
Bei der Betrachtung der Unfallursachen ist festzustellen, dass die Ursache „Abbiegen/Wenden/Rückwärtsfahren“ einen Anteil von 23 Prozent an allen Personenschadensunfällen mit Hauptunfallursachen ausmachte und vor der Unfallursache „Geschwindigkeit“ und „Missachtung Vorfahrt/Vorrang“ mit jeweils 20 Prozent liegt.
Insgesamt ist zu berücksichtigen, dass bei Unfällen mit anderen Ursachen „Geschwindigkeit“ meist nur sehr schwer exakt zu ermitteln ist, wohingegen eine Vorfahrtsverletzung oftmals eindeutig ist. Geschwindigkeitsüberschreitungen in Kombination mit anderem Fehlverhalten erhöhen die Unfallgefahr also deutlich. Insofern bildet die Hauptunfallursache Geschwindigkeit auch weiterhin einen Schwerpunkt in der polizeilichen Verkehrsunfallbekämpfung.
Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle mit Unfallflüchtigen ging im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zurück (10 Prozent). Trotzdem kam es insgesamt im Schnitt vier Mal täglich im Kreisgebiet zu einer Verkehrsunfallflucht. Die Anzahl der Verkehrsunfallfluchten mit Personenschaden ging ebenfalls im Vergleich zum Vorjahr um 13 Fälle (28 Prozent) zurück. Die Aufklärungsquote bei den Verkehrsunfallfluchten konnte im Vergleich zum Vorjahr nicht gesteigert werden.
Voraussetzung für die erfolgreiche Ermittlung von Verkehrsunfallflüchtigen ist eine sofortige Meldung bei der Polizei sowie das Vorhandensein von Spuren und sachdienlichen Hinweisen. Bei einer verspäteten Anzeigenerstattung durch die Unfallopfer oder einer Anzeigenerstattung abseits des Tatortes gehen wertvolle Ermittlungsansätze verloren und erschweren die Ermittlungsarbeit.

