Jeden Morgen bietet sich an fast allen Schulen das gleiche Bild: Eltern, die ihre Kinder bis vor den Eingang der Schule bringen. Dort wird dann angehalten, manchmal sogar noch der Kofferraum geöffnet, um den Rucksack herauszufischen. Dahinter bildet sich ein langer Stau. Es handelt sich um Elterntaxis, die ihre Kinder zur Schule bringen wollen.
Dafür kann es gute Gründe geben, das ist klar. Wichtig ist, dass die nötigen Verkehre zu den Schulen sicher und effizient gestaltet werden. Und dennoch gibt es beim Hol- und Bringverkehr zahlreiche Probleme, und viele davon sind mit einer erhöhten Unfallgefahr verbunden.
Hier möchten die beiden Verwaltungen ansetzen und haben das Büro Bueffee (Büro für Forschung, Entwicklung und Evaluation) aus Wuppertal beauftragt, die Situation an allen Schulen in den beiden Gemeinden zu untersuchen. Vorgeschaltet werden alle Eltern der Grundschulen und alle Schüler der weiterführenden Schulen zu ihrem aktuellen Mobilitätsverhalten befragt. Danach wird sich das Planungsbüro die Situation ansehen, um dann mit Lehrern, Eltern und der Verwaltung mögliche Lösungen zu erarbeiten.
Diese reichen beispielsweise von der Überprüfung der Schulwege über Lehrerfortbildungen bis zur Einführung des sogenannten Verkehrszähmerprogramms und zur Einrichtung von Hol- und Bringzonen für Eltern. Hierbei handelt es sich um extra eingerichtete Zonen, an denen Eltern ihre Kinder in einiger Entfernung zur Schule sicher abholen und bringen können.
Die Gemeinden Neunkirchen und Burbach haben im vergangenen Jahr einen Förderantrag beim Land Nordrhein-Westfalen gestellt. Nachdem die Bewilligung eingegangen war, haben die beiden Verwaltungen lange damit gezögert, auf die Schulen zuzugehen, da diese aufgrund der Corona-Pandemie mit der Bewältigung der aktuellen Situation genug zu tun hatten.
Bürgermeister Bernhard Baumann sagt dazu: „In Neunkirchen bauen wir in den nächsten Jahren eine neue Schullandschaft auf dem Rassberg auf. Die beiden Grundschulen Struthütten und Neunkirchen werden voraussichtlich im Jahr 2022 in die Kopernikusschule auf den Rassberg ziehen. Daher werden wir nun direkt den neuen Standort untersuchen lassen. Wir erhoffen uns dadurch, uns bereits im Vorfeld auf die neue Situation entsprechend einrichten zu können.“
Gestartet ist das Programm mit einer Videokonferenz, an der neben den Lehrern, Eltern- und Schülervertretern der betroffenen Schulen, auch aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein, die Polizei, anliegende Kindergärten, die Bürgermeister und zuständigen Mitarbeiter der Verwaltung, Vertreter aus der Politik und auch das Zukunftsnetz Mobilität NRW teilgenommen haben.
In dieser ersten „Kick-off“-Veranstaltung hat das beauftragte Planungsbüro neben der Sensibilisierung auf das Thema auch viele Probleme aus anderen bereits durchgeführten Projekten aufgezeigt, die sich in den Südsiegerländer Kommunen ähnlich darstellen.
„Wenn es gut werden soll, beginnt man mit den Kindern. Und wenn zwei Nachbarn wie Neunkirchen und Burbach gut zusammenarbeiten und über die Gemeindegrenzen hinweg die Mobilität von Kindern und Schülern verbessern wollen, dann wird nicht nur das Elterntaxi-Problem gelöst, sondern auch die Lebensqualität aller verbessert“, da ist sich Bueffee-Geschäftsführer Jens Leven bezüglich der Entwicklung der Situation sicher.
Die Vertreter der Schulen begrüßten die Initiative der Kommunen zur Durchführung des Projekts. Denn allen ist klar: Die verkehrliche Situation kann nur besser werden, wenn alle gemeinsam daran arbeiten. Ziel ist es, die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer auf dem Weg zur Schule und nach Hause zu verbessern.

