Jahrelang hat der früher im Baugewerbe beschäftigte, jetzt 83-jährige Rentner Manfred Herrmann an jener Ausarbeitung gesessen. Ein Zufallsfund – Abdrücke von Brachiopoden, also muschelähnliche Kleinlebewesen, im Sedimentgestein der Devonzeit vor etwa 400 Millionen Jahren brachten dem schon immer vorhandenen Interesse einen neuen Schub, der sich nach den Deutungen aus der Steinzeit noch einmal verstärkte.
Herrmann hätte es nicht für möglich gehalten, hier im Umfeld des Beulskopfes auf steinzeitliche Objekte wie Kleinwerkzeuge aus Basalt, Fels- oder Feuerstein zu stoßen. Als ungewöhnlichstes Stück sollte sich eine hervorragend herausgearbeitete Pfeilspitze aus Feuerstein erweisen. 4,7 Zentimeter lang und 2 Zentimeter breit, Jungsteinzeit, etwa 4000 bis 4400 Jahre alt, wie ein Experte versicherte.
Zerbrochenes Essgeschirr
Das Mittelalter wird über das Rennofenverfahren zur Eisenherstellung angesprochen. Zahlreiche Schlackehügel in der Umgebung zeugen noch davon. In diesen Schlackeanhäufungen kann man anhand von zufällig aufgefundenem zerbrochenem Essgeschirr aus Keramik in etwa den Zeitraum der hier stattgefundenen Erzschmelzabläufen belegen. Oft sind es das 13. bis 16. nachchristliche Jahrhundert, auf die man hier trifft.
Der vom Beulskopf aus grob nordnordwestlich ausgerichtete Blick kann auf eine unweit entfernte Feld- und Waldwegepassage treffen, die im Volksmund bis heute mit „Alte Kohlstraße“ bezeichnet wird. „Weil im Raum Hamm/Sieg sowie im näheren Siegerland etliche Hüttenwerke ihre Aktivitäten, deutlich angehoben hatten, es aber am Heizmaterial Holzkohle gewaltig mangelte, da die heimischen Wälder infolge von rigorosem Raubbau weitgehend ausgeblutet waren, musste von etwa 1650 an die begehrte Holzkohle mittels Pferdegespannen und Ochsenfuhrwerken vom Rheinland aus über den vorderen Westerwald und die Kohlstraße zu den jeweiligen Lieferstationen gebracht werden“, führt Hobbyhistoriker Manfred Herrmann aus.
Vorspanndienste waren fast immer fest einzuplanen. Auch die Rücktour entwickelte sich keineswegs zur Leerfahrt. Da bestand die Ladung allerdings aus schwergewichtigem Stückeisen, was natürlich belastungsmäßig zu berücksichtigen war. Die Alte Kohlstraße soll früher ein Pilgerpfad gewesen sein, doch das ist nicht belegt. Dagegen war sie jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Heerstraße, da man in betagten Urkunden der Bezeichnung „Kriegerstraße“ begegnen kann.
Geschichten und Legenden
Aufgrund von einfallsreichen, aber nicht immer ganz legalen Holzkohlenbeschaffungen, kamen etliche Geschichten und Legenden in Umlauf. So macht die Sage vom Köhler Jörg aus dem Springer-Loch hier am Beulskopf unter Heimatfreunden spaßeshalber manchmal heutzutage noch die Runde.
„Als im 19. Jahrhundert das Siegtal eisenbahnmäßig erschlossen wurde, kam für die Hochofenbefeuerungen effektiverer Koks zum Einsatz. Die Kohlstraße verwaiste, Gestrüpp überwucherte sie, Wege und Steige verfielen“, berichtet Manfred Herrmann. Die oft extrabreite Trasse des ehemaligen Transportweges wird heute teils als Waldweg genutzt, wenn die vielen matschüberzogenen, grundlosen Vertiefungen es zulassen. Hin und wieder nimmt auch der Wanderweg „Westerwaldsteig“ den ehemaligen Kohlstraßenverlauf dankbar in Anspruch.
Daneben werden in der vorliegenden Dokumentation noch zahlreiche weitere Themen angesprochen, wie zum Beispiel Landwirtschaft, Waldbau, Handwerk, Kriegsgeschehen, Bergbau, Dorfleben und vieles mehr.