Seit fast einem Jahr nun schon lebt Michael Miebach in einer Intensivpflege-WG in Montabaur. Am 30. November 2024 war der dreifache Familienvater leblos in der Straße „In der Wässerscheid“ in Remagen aufgefunden worden. Die Ursache war – wie sich später herausstellte – ein Herzinfarkt. Noch an Ort und Stelle sowie im Krankenwagen wurde er mehrfach reanimiert. Dadurch aber hat es Hirnschwellungen gegeben.
„Wir haben im vergangenen August angefangen zu bauen.“
Jenny Miebach
Weite Teile des Hirns sind beschädigt worden, weil dieses gegen die Schädelplatte gedrückt worden war. Apallisches Syndrom: So lautet die Diagnose. Es ist nicht klar, was sich eventuell wieder neu bildet. Auch heute noch muss er künstlich ernährt werden, kann nicht ausreichend schlucken und muss abgesaugt werden. Die Kommunikation – wenn überhaupt – erfolgt lediglich über Augen und Stirn.

Für Ehefrau Jenny Miebach ist klar: Montabaur kann auf Dauer nicht die Lösung sein – nicht nur wegen der Entfernung, sondern auch, weil sie ihn wieder bei der Familie in Remagen haben möchte. Sie startet eine Spendenaktion im Internet mit einer Go-Fund-Me-Kampagne mit dem Ziel, genug Geld zu generieren, um den Schuppen am Haus der Familie abzureißen und einen rund 50 Quadratmeter großen barrierefreien Neubau zu realisieren, in dem ihr Mann eine Eins-zu-Eins-Pflege erhalten kann. Auch HELFT UNS LEBEN, die Hilfsaktion unserer Zeitung, hat, wie berichtet, das rund 160.000 Euro teure Unterfangen mit 10.000 Euro unterstützt.
Michael Miebach war immer lebenslustig. Er liebte es, zu Halloween den Garten kreativ zu gestalten, und freute sich, wenn die Kinder stehen blieben. Auch Zaubershows machte er für sein Leben gern – bis zu dem Tag, an dem das Schicksal ihn heimsuchte.
Der Papa soll zurück zur Familie nach Remagen
„Wir haben im vergangenen August angefangen zu bauen. Mittlerweile steht der Rohbau, die Versorgungsleitungen für Elektro, Sanitär, Gas und Wasser sind verlegt, aber noch nicht angeschlossen“, erzählt die 46-Jährige. Auch die Betreuung für ihren Mann sei bereits beantragt und ihr zugesprochen worden, so Jenny Miebach über den Stand der Dinge. Und sie weiß auch schon, wofür sie die Spende von HELFT UNS LEBEN einsetzen möchte. „Damit sollen die Böden finanziert werden“, sagt die Remagenerin.
Betreuungsgericht eingeschaltet
Eigentlich hatte die Familie gehofft, bereits Weihnachten gemeinsam mit Michael Miebach zu Hause verbringen zu können. Aber der Umzug von Montabaur zurück nach Remagen verzögert sich – aus bürokratischen Gründen. Denn für die Baufinanzierung durch die Bank ist als Sicherheit eine Grundschuldeintragung ins Grundbuch erforderlich. Das Problem: Haus und Grundstück gehören Jenny und Michael Miebach zusammen. Das heißt, dass auch ihr Mann der Eintragung zustimmen muss – wozu er aber nicht in der Lage ist. „Denn theoretisch könnte er ja Widerspruch einlegen“, erläutert Jenny Miebach, die deshalb übers Betreuungsgericht gehen musste. Außerdem wurde ein Rechtsanwalt als Verfahrenspfleger eingeschaltet, um die Grundschuldeintragung für Michael Miebach zu genehmigen, woraufhin dann eine gesetzliche Widerspruchsfrist eingehalten werden muss.

Der entsprechende Brief ist auch, wie Jenny Miebach berichtet, in der Intensiv-WG in Montabaur angekommen, wurde aber nicht zugestellt, sondern zurück ans Amtsgericht geschickt, weil ihr Mann ihn nicht persönlich annehmen und unterschreiben konnte. Jenny Miebach kontaktiert das Gericht. Der Brief wird erneut verschickt – diesmal mit Erfolg, der Briefträger wirft ihn ganz normal ein.
Vorübergehender Baustopp unausweichlich
Schließlich sind die erforderlichen Dokumente vereint – auch die durch den Notar von Jenny Miebach. „Wir haben alles ans Grundbuchamt für die Eintragung geschickt, aber es passierte nichts“, sagt die Remagenerin. Nach mehrfachen erfolglosen Anrufen beim Grundbuchamt habe sie eine Ansprechpartnerin an die Strippe bekommen, berichtet Jenny Miebach. Allerdings habe sie als Auskunft nur erhalten, dass sie sich an ihren Notar wenden solle, weil dieser zuständig sei. Und ihr sei auch noch mit auf den Weg gegeben worden, erzählt die Remagenerin weiter, dass man nicht zu jedem Anruf die Akte heraussuchen könne, um nachzuschauen.
Derweil geht für den Weiterbau so langsam das Geld aus. Mehr als 100.000 Euro hat Jenny Miebach – auch mithilfe ihrer Familie – schon in das Projekt gesteckt. Sie kontaktiert ihre Bank. Doch die will von einer Auszahlung ohne Grundschuldeintragung ins Grundbuch nichts wissen, weil sonst eben die Sicherheit fehlen würde. „Ich habe bisher keinen Cent erhalten“, sagt Jenny Miebach. Schließlich ist das Eigenkapital aufgebraucht. Es folgt der Baustopp.

Kurz vor Weihnachten wendet sich die Remagenerin erneut ans Grundbuchamt, weist auf die Intensivpflegebedürftigkeit ihres Mannes mit Nachdruck hin. Diesmal erbarmt sich ihre Ansprechpartnerin und verspricht, das Anliegen an ihre Kollegin, die für die Sache zuständig ist, weiterzugeben. Kurze Zeit später erhält der Notar tatsächlich Post vom Grundbuchamt. Allerdings handelt es sich um eine Beanstandung. „Es musste eine Seite neu eingescannt werden, was wir dann auch gemacht haben“, berichtet Jenny Miebach.
Mittlerweile ist die Eintragung der Grundschuld in Grundbuch erfolgt, und die Arbeiten am Neubau laufen wieder an. „Allerdings ist jetzt das Wetter das Problem“, sagt die Remagenerin unter anderem mit Blick auf die Dachziegel, die bereits geliefert worden sind. „Der Februar als Umzugstermin ist nur schwer zu halten“, prognostiziert Jenny Miebach. Dabei wäre ihr dies eigentlich eine Herzensangelegenheit, denn Tochter Laura feiert in der zweiten Februarhälfte ihren zwölften Geburtstag. „Und sie würde sich es so sehr wünschen, dass ihr Vater mit dabei sein kann – zumal es Weihnachten nicht hingehauen hat. Ich bin gespannt, ob es klappt. Aber im Moment ist das nur schwer absehbar.“
Wer Jenny Miebach unterstützen möchte, findet Näheres über die Go-Fund-Me-Kampagne unter https://gofund.me/0770280a9
Der weite Weg nach Montabaur
Seit Anfang des Jahres arbeitet Jenny Miebach wieder voll. Das Problem: Es fehlt die Zeit, um nach Montabaur zu fahren. „Das kriege ich die Woche über einfach nicht hin“, sagt sie. Deshalb überlegt sie, bis zur Fertigstellung des Neubaus einen Tag pro Woche Urlaub zu nehmen. „So kann ich zumindest zweimal pro Woche meinen Mann sehen und ihm das Gefühl geben, dass wir ihn nicht vergessen“, sagt sie. sm


