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Familie Warning lebt in Unkelbach auf Dauerbaustelle
Jennifer und Max Warning vor ihrem Haus in Unkelbach. Die Situation vor Ort ist für die ganze Familie belastend.
Jennifer und Max Warning vor ihrem Haus in Unkelbach. Die Situation vor Ort ist für die ganze Familie belastend.
Silke Müller

In den Urlaub fahren oder einfach nur im eigenen Garten spielen? Das ist für die fünfjährige Emma sowie ihre Geschwister Lena und Lars, beide vier Jahre alt, nicht drin. Seit zwei Jahren leben sie auf einer Dauerbaustelle.

Lesezeit 4 Minuten

Einen neuen Garten: Das hätte sich die fünfjährige Emma aus Unkelbach am liebsten zu Weihnachten gewünscht. Doch das ist nicht drin. Denn seit gut zwei Jahren lebt sie mit ihren vierjährigen Geschwistern Lena und Lars sowie Mama Jennifer und Papa Max Warning, beide 34 Jahre alt, in ihrem Haus in Unkelbach auf einer Dauerbaustelle. Eine Situation, die alle belastet, zumal sowohl Eltern als auch Kinder gesundheitlich angeschlagen sind.

Auf einmal knöcheltief im Wasser

Dabei schien damals alles so schön zu sein. 2018 erfüllen sich die Warnings den Traum vom Eigenheim und kaufen sich ein Haus in Unkelbach. Doch die ersten Probleme lassen nicht lange auf sich warten. Anfang 2019 ging die Heizung kaputt. „Man hatte uns gesagt, dass sie alt ist – von 1995, wie das Haus. Es war uns klar, dass das kommen könnte. Aber dass es so zeitig sein würde, damit haben wir nicht gerechnet“, sagt Jennifer Warning.

Das Paar investiert mehr als 6500 Euro. Danach hat es erst einmal Ruhe, aber die währt nicht lang. Eineinhalb Jahre später kommt das nächste Problem. Beim Kauf eines gebrauchten Autos wird dessen vorhandener Schaden dem Ehepaar verschwiegen. Der Wagen entpuppt sich als Kostenfalle. „Wir haben fast das Doppelte des Kaufpreises in das Auto investiert, mussten es dann aber wieder verkaufen, weil wir uns weitere Reparaturen nicht leisten konnten“, erzählt Jennifer Warning.

Blick in den Keller des Hauses: Er ist nach wie vor nicht nutzbar.
Blick in den Keller des Hauses: Er ist nach wie vor nicht nutzbar.
Silke Müller

Aber das ist nur ein Vorgeschmack auf das, was die Familie im Anschluss ereilen sollte. Als der Unkelbach 2021 über die Ufer tritt, ist auch Jennifer Warning – sie ist mit ihrem Mann seit 2018 in der Unkelbacher Feuerwehr – fünf Stunden lang im Einsatz, während ihr Mann auf die Tochter aufpasst. Müde sitzt sie danach am Tisch beim Essen, als plötzlich der Strom ausfällt.

„Och ne, da habe ich jetzt echt keine Lust drauf“, berichtet die junge Mutter, was sie gedacht hat, als sie sich in Richtung Keller aufmacht. Und dann der Schock: Als sie die Treppe heruntergeht, steht sie auf einmal knöcheltief im Wasser. Diesmal alarmiert sie über die Leitstelle die Feuerwehrkameraden, die beim Auspumpen helfen.

„Der Schimmel breitete sich rasant aus. Wir haben gedacht, dass irgendwas im Keller nicht stimmt.“
Jennifer Warning

Doch damit ist es nicht getan. Am Folgetag steht der Keller wieder unter Wasser. Um den Druck aus dem System zu nehmen, entleert die Familie auch den Bunker, der damals neben ihrem Haus steht. Er ist randvoll mit Wasser. Aber für den eigenen Keller ist das viel zu spät, dort ist alles zerstört. 3000 Euro erhält das Paar als Kulanzbetrag von seiner Versicherung für das Wohngebäude und den Hausrat. Ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Familie beseitigt den Schaden im Keller, glaubt, dass nun alles wieder gut ist, und nutzt ihn auch wieder voll.

Die Kinder können ihre Spielgeräte im Garten nicht nutzen.
Die Kinder können ihre Spielgeräte im Garten nicht nutzen.
Silke Müller

Zwischenzeitlich wohnen sogar die Eltern von Jennifer Warning dort. Aber als diese im Februar 2023 ausziehen, zeigt sich, dass der Schaden alles andere als beseitigt war. „Der Schimmel breitete sich rasant aus. Wir haben gedacht, dass irgendwas im Keller nicht stimmt. Es war weiterhin nass“, sagt Jennifer Warning.

Das Paar lässt Kernbohrungen durchführen. „Und da hat sich gezeigt: Im Keller ist kein Verbundestrich, wie man es uns verkauft hat, sondern schwimmender Estrich. Und der muss anders getrocknet werden. Das Grundproblem war also nicht behoben“, erläutert die 34-Jährige.

Mutter ist chronisch krank

Das Paar macht sich also daran, den Keller zu sanieren – in Eigenregie, um Kosten zu sparen. Denn die Corona-Zeit hatte nahezu die kompletten Ersparnisse der Familie aufgefressen. Der Stromverbrauch der Trockner über Wochen war ebenfalls ins Geld gegangen. „Außerdem war es nach der Ahr-Flut völlig utopisch, einen Handwerker zu bekommen“, erinnert sich Jennifer Warning.

Vom Garten ist so gut wie nichts übrig.
Vom Garten ist so gut wie nichts übrig.
Silke Müller

Hinzu kommen weitere Hürden, denn die 34-Jährige hat mit diversen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Im September 2024 muss sie sogar stationär im Krankenhaus behandelt werden. Ihre Gesundheit lässt das Arbeiten nicht mehr zu. Seit Anfang 2025 befindet sie sich in unbezahlter Elternzeit. Jennifer Warning ist chronisch krank, hat den Schwerbehindertengrad 30.

„Seit Juni 2024 steht die Baustelle still.“
Jennifer Warning

Als das Paar merkt, dass es allein die Arbeiten im Keller nicht stemmen kann, beauftragt es im Frühjahr 2024 eine Firma für die Baustelle am Haus, investiert 20.000 Euro, die ihm aus dem familiären Umfeld zur Verfügung gestellt werden. Nachdem der Garten ausgebaggert worden ist, hat die Familie Gewissheit: Das Haus steht im Grundwasser. Es müssen ein zweiter Schacht und eine zweite Pumpe her.

Aber die Mehrkosten können die Warnings einfach nicht aufbringen. „Seit Juni 2024 steht die Baustelle still. Wir haben keinen Garten, keine Terrasse mehr und können unser Auto auch nicht auf dem Stellplatz parken“, beschreibt Jennifer Warning die Situation und fügt traurig hinzu: „Es passiert nichts mehr.“

Die Schäden am Haus sind deutlich zu sehen. Eine Pumpe läuft rund um die Uhr.
Die Schäden am Haus sind deutlich zu sehen. Eine Pumpe läuft rund um die Uhr.
Silke Müller

Und nicht nur das: Denn kurz vor Baustellenstillstand es kommt zu einem weiteren Wasserschaden. „Ein Handwerker, der wegen der Verlegung von Glasfaser da war, war kurz im Keller, um ein Loch fürs Kabel zu bohren. Dafür hatte er den Stecker von unserer Pumpe aus- und danach nicht wieder eingesteckt“, erzählt Jennifer Warning. Vier Tage sei die Pumpe unbemerkt nicht gelaufen.

Den Schaden entdeckt die junge Mutter zufällig, als sie im Keller etwas nachschauen will. „Das Wasser stand höher als 2021. Es war richtig schlimm: Unsere teure Ledercouch, Waschmaschine und Trockner – alles war hin“, sagt sie rückblickend. Und entsorgen kann die Familie erst einmal nichts, weil sie den Schaden zunächst mit der Versicherung abklären muss. Diese zahlt schließlich – 5200 Euro. Doch bis dahin hat es im Haus erst einmal geschimmelt und gestunken.

Damit die Kinder den Garten wieder nutzen können und alles so wird wie zuvor, benötigt die Familie Geld – viel Geld. Jennifer Warning geht von mindestens 70.000 Euro aus. HELFT UNS LEBEN, die Hilfsorganisation unserer Zeitung, prüft derzeit, inwieweit sie die Familie unterstützen kann.

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