Sensation der Archäologie
Doktorand der Universität Koblenz löst antikes Rätsel
Trotz Jahrtausenden im Sand: Das mesopotamische Boot konnte in einem erstaunlich guten Zustand geborgen werden.
Max Haibt/Deutsches Archäologisches Institut/Orient-Abteilung

Wer weiß, aus welcher Zeit dieses antike Boot stammt, das im Irak ausgegraben wurde? Über die Antwort auf diese Frage hat die Wissenschaft jahrelang nur mutmaßen können. Nun konnte ein Doktorand von der Universität Koblenz das Rätsel lösen.

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In einem antiken Kanal des Flusses Euphrat, unweit der irakischen Stadt Uruk gelegen, wird im Jahr 2022 ein Boot gefunden. Es ist in Sand eingebettet und von feinkörnigem Sediment, tierischen Überresten sowie Keramikscherben umgeben. Trotz dieser Bedingungen: Es stellt sich heraus, dass es vermutlich das ä lteste vollständig erhaltene mesopotamische Boot ist, das je gefunden wurde. Aber wie alt es genau ist, konnte zu diesem Zeitpunkt noch keiner sagen. Drei Jahre später gibt es Antworten – u nd ein Doktorand aus Koblenz hat dabei entscheidend mitgewirkt.

Wie die Universität in einer Pressemitteilung berichtet, ist Felix Reize, Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Geografie, in den Irak gereist, um der Sache auf den Grund zu gehen. Die Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) hatte ihn und seinen früheren Professor Helmut Brückner gebeten, das Boot zu datieren. Die beiden haben an der Universität zu Köln zusammengearbeitet, bis Reize an die Universität Koblenz wechselte. Dort führt er das Projekt unter Professor Martin Kehl fort.

Sedimentproben vor Ort entnommen

Dreimal sei Reize dafür in den vergangenen zwei Jahren schon in Uruk gewesen, berichtet er im Gespräch mit unserer Zeitung, jeweils für drei bis fünf Wochen. „Bei meinem ersten Aufenthalt war ich zunächst etwas angespannt, doch die Aufregung wich rasch. Mesopotamien – und insbesondere Uruk – ist für mich als Geoarchäologe ein einzigartiger Ort voller offener wissenschaftlicher Fragen“, schwärmt Reize.

Über die schwierige politische Lage im Land machte der Doktorand sich keine Sorgen. „ Ich fühle mich im Irak stets sicher und freue mich jedes Mal auf die nächste Reise in diese faszinierende Region“, betont er. „ Dank der langjährigen Erfahrung und hervorragenden Organisation der DAI-Kolleginnen und -Kollegen vor Ort können wir unsere Forschungsarbeiten sicher und unter idealen Bedingungen durchführen.“

„Für die Archäologie stellt der Fund des Bootes eine echte Sensation dar.“
Felix Reize, Doktorand der Universität Koblenz

Um das Alter des Bootes zu errechnen, seien verschiedene Datierungsmethoden zum Einsatz gekommen. Unter anderem sei ein längst verlandeter Wasserlauf rekonstruiert worden. Reize und das Team des DAI hätten außerdem Sedimentproben entnommen, um sie mithilfe der sogenannten optisch stimulierten Lumineszenz (OSL) im Labor messen zu lassen, so die Universität.

Die Untersuchungen ergaben: Das Boot stammt vermutlich aus der Zeit zwischen 1850 und 1280 v. Chr. Um es noch genauer zu wissen, führt der Doktorand derzeit noch zusätzliche Labormessungen durch. Reize erklärt: „ Ich hoffe, die verbleibenden Analysen bis Ende Juli abschließen zu können, um das Alter des Bootes noch genauer eingrenzen zu können.“

Die Entdeckung hätte viel Aufsehen in der Wissenschaftswelt erregt. Auf einer der größten geowissenschaftlichen Konferenz Europas , der European Geosciences Union (EGU), hielt Reize einen Kurzvortrag. Danach tauschte er sich auf einer i nteraktiven Präsentation mit anderen Wissenschaftlern zu den Forschungsergebnissen aus. Auch die Fachzeitschrift Science berichtete in dem Format ScienceShot über seine Forschung.

Erstes lebensgroße Boot aus dem antiken Mesopotamien

„Für die Archäologie stellt der Fund des Bootes eine echte Sensation dar“, berichtet Reize stolz. Aus antiken Quellen sei bekannt gewesen, dass Boote über lange Zeiträume hinweg in Mesopotamien vielfältig genutzt wurden. Auch kleine Tonfiguren – sogenannte Bootsfigurinen – hätten bereits Rückschlüsse auf deren Bauweise erlaubt. Doch das Boot aus Uruk sei bis heute das erste und einzige lebensgroße Boot, das aus dem antiken Mesopotamien bekannt ist, freut sich der Doktorand.

Es würde einzigartige Einblicke in Konstruktion und Nutzung von Booten und Wasserwege der damaligen Zeit geben. „Besonders spannend ist die Frage, durch welchen Gewässertyp das Boot fuhr (natürlich oder menschengemacht) – und warum es sich ausgerechnet an diesem Fundort so außergewöhnlich gut erhalten hat. Vergleichbare Funde fehlen bislang“, so Reize.

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