Rund 100 Besucherinnen und Besucher waren der Einladung ins Historische Rathaus der Stadt Andernach gefolgt, teilt das Stadtmuseum mit. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Claus Peitz wurde der neue Band durch die beiden Autoren, Rüdiger Heimlich und Wolfgang Redwanz sowie den Herausgeber, Museumsleiter Dr. Kai Seebert, näher vorgestellt. Die Swinghouse-Jazzband untermalte die Veranstaltung musikalisch.
Im Fokus des neuen Andernacher Beitrags steht einer der größten Söhne der Stadt. Viele Andernacher werden Ernst Loeb vor allem durch sein berührendes Gedicht „An meine Vaterstadt“ kennen, das seine Witwe Margot 1988 anlässlich der 2000-Jahr-Feier mit nach Andernach gebracht hatte. Die Geschichte des Gedichts geht jedoch viel weiter zurück und spiegelt auch die Biografie Ernst Loebs wider.
Kurzzeitig inhaftiert:
1914 als Sohn des jüdischen Kaufmanns Julius Loeb und seiner Frau Selma geboren, wuchs Ernst Loeb als echter Annenache Jung in der Hochstraße auf. Seine Leidenschaft galt der Literatur und dem politischen Engagement. Als er 1933 einen bissigen Beitrag in seinem „Skandalanzeiger Karneval 1933“ verfasste, wurde ihm die Versetzung in die Oberprima des Stiftsgymnasiums verweigert.
Etwa zur gleichen Zeit – kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten – wurde er sogar kurzzeitig inhaftiert: Als Jude und Sozialist passte Loeb ins Feindbild der Nazis. 1934 ging Ernst Loeb nach Kassel, wo er wohl Juden bei der Emigration unterstützte. Sein weiterer Weg führte ihn 1936 nach Palästina, 1938 in die USA und schließlich nach Kanada, wo er als Professor für Neuere Deutsche Literatur lehrte.
Forschungslücke über Emigrationsgeschichte erfolgreich geschlossen
Über die Emigrationsgeschichte Ernst Loebs war bislang nur wenig bekannt. Diese Forschungslücke konnte nun laut Pressemitteilung mit Bravour geschlossen werden: Einer der beiden Autoren des neuen Bandes, der Kölner Journalist Rüdiger Heimlich, hat selbst noch bei Professor Loeb in Kanada studiert und ist der Familie nach wie vor freundschaftlich verbunden.
Heimlich war es möglich, zahlreiche Briefe, die Ernst Loeb in der Zeit seines Exils in Palästina an seine Familie geschickt hatte, auszuwerten und in Auszügen abzudrucken. Besonders berührte das Publikum ein von Heimlich vorgelesenes Grußwort von Ernst Loebs 100-jähriger Witwe Margot und ihrem Sohn Dennis, die leider nicht aus den USA anreisen konnten. Nicht fehlen durfte natürlich auch die Rezitation des Gedichts „An meine Vaterstadt“, vorgetragen von Petra Löcherbach.
Neues Buch beleuchtet Loebs Jugend und Wirken in den USA und Kanada
Der neue Band, der ab sofort im Stadtmuseum und bald auch im lokalen Buchhandel erhältlich ist, beleuchtet nicht nur Ernst Loebs Jugend, sondern auch sein Wirken in den USA und in Kanada. Auch hierüber war der Forschung bislang nur wenig bekannt.
Wolfgang Redwanz, der sich seit langem mit Ernst Loeb und dessen Werk auseinandergesetzt hat, konnte insbesondere durch die Auswertung des Briefwechsels zwischen Ernst Loeb und dem Andernacher Schriftsteller und Verleger Fritz Werf (1934–2021) zahlreiche neue Details herausarbeiten. Auch die lebenslange Verbundenheit Ernst Loebs zu seiner Heimatstadt und den hier lebenden Freunden wird von Redwanz detailliert dargelegt.
„Es gelingt, eine schillernde Studie über einen begnadeten Andernacher Poeten, dessen Werk von subtilem Humor ebenso wie von humanistischen Maximen geprägt ist“, heißt es in der Pressemitteilung. Ein umfangreicher Gedichte-Anhang, zusammengestellt von Redwanz, legt hiervon ein eindrückliches Zeugnis ab.
Im Anschluss an den offiziellen Teil der Buchvorstellung konnten die Besucher die neue Gedenkplakette am 2021 gewidmeten Ernst-Loeb-Platz gegenüber dem Rheintor in Augenschein nehmen. Diese berichtet vom Schicksal des großen Andernachers, auch ist hier das Gedicht „An meine Vaterstadt“ verewigt.
Band 39 der Andernacher Beiträge ist zum Preis von 25 Euro im Stadtmuseum Andernach, Hochstraße 99, und bald auch im lokalen Buchhandel erhältlich.