40.000
  • Startseite
  • » Atompolitik ist Schülern wichtig
  • Aus unserem Archiv
    Nachtsheim

    Atompolitik ist Schülern wichtig

    Von so einer Wahlbeteiligung können die von bürgerlicher Politikverdrossenheit gequälten Politiker nur träumen: Rund 99 Prozent der Schüler der Realschule plus in Nachtsheim haben an der "Juniorwahl" teilgenommen - einer Art Simulation der rheinland-pfälzischen Landtagswahl, die an 109 Schulen im Land stattfindet.

    Foto: Norbert Martens

    Nachtsheim - Von so einer Wahlbeteiligung können die von bürgerlicher Politikverdrossenheit gequälten Politiker nur träumen: Rund 99 Prozent der Schüler der Realschule plus in Nachtsheim haben an der "Juniorwahl" teilgenommen - einer Art Simulation der rheinland-pfälzischen Landtagswahl, die an 109 Schulen im Land stattfindet.

    Die hohe Wahlbeteiligung ist sicherlich auch das Verdienst der Projektleiter und Sozialkundelehrer Sarah Steinmetz und Michael Walo, die die Kinder wochenlang vorbereiteten.

    So haben sich die rund 350 Schüler der 7. bis 10. Klasse im Sozialkundeunterricht mit den Programmen der Parteien auseinandergesetzt, Steckbriefe mit den Ansichten der Spitzenkandidaten recherchiert und erstellt oder im Internet den Wahl-O-Mat bedient - ein Computerprogramm, das politische Ansichten abfragt und einem danach die Partei präsentiert, die am besten passt. Das Material bekamen die Lehrer vor allem von der veranstaltenden Landeszentrale für politische Bildung, bei der Steinmetz und Walo vorher für den Unterricht geschult wurden.

    Am meisten interessierten die Schüler aber Diskussionen über die aktuelle Tagespolitik, zum Beispiel die Atomkatastrophe in Japan und damit zusammenhängend die Atompolitik in Deutschland. "Da haben die Schüler von sich aus nachgefragt, ,warum sehen die einen Parteien das so und die anderen so?'", sagt Sarah Steinmetz. Dies war auch ein wahlentscheidendes Thema für Schülerin Aileen Beher. "Ich habe die Grünen gewählt. Sie stehen für die Umwelt und sind gegen Atomkraft. Ich war schon vorher dieser Meinung, und durch Japan hat sich das noch verstärkt", sagt die 16-Jährige.

    Zulauf zu den Grünen

    Ihr Mitschüler Eric Kort sieht es ähnlich: "Japan hat alle sehr betroffen gemacht. Kann sein, dass es viele beeinflusst hat", meint der 16-Jährige, der ebenfalls für die Ökopartei gestimmt hat. Aber nicht nur deswegen: "Ich habe auch beim Wahl-O-Mat im Internet mitgemacht, und im Unterricht hat sich dann meine politische Überzeugung bestätigt."

    Häufig fragten die Schüler, was politische Begriffe wie rechts, links oder konservativ bedeuten. Wenig anfangen konnten sie mit manchen Aussagen der Parteien. "Wenn auf den Plakaten steht ,Bildung für alle' oder ,Politik ohne Bart', dann fragten die Schüler, ,was meinen die Parteien damit genau, was wollen sie damit sagen?' Das ist vielen zu unkonkret, die verstehen es nicht", beschreibt Sarah Steinmetz.

    Schulleiter Hans-Jürgen Schmitz freut sich über das große Interesse der Schüler. "Das ist realitätsnaher Sozialkundeunterricht und wichtig gegen die Politikverdrossenheit. Ich bin sicher, dass viele unserer älteren Schüler bei der nächsten Wahl wählen gehen."

    Wie bei der echten Wahl

    Die Regeln für die Wahl sind fast genauso wie bei einer richtigen Landtagswahl. Jeder Schüler hat eine Wahlbenachrichtigung bekommen, die er beim Schüler-Wahlvorstand mit seinem Ausweis vorlegen musste. Erst dann durften die Kreuzchen in den Wahlkabinen gemacht und der Wahlschein in die Urne gesteckt werden. Die beiden Projektleiter Sarah Steinmetz und ihr Kollege Michael Walo werden die Stimmen auszählen. Das Stimmenergebnis dürfen sie allerdings erst nach der Landtagswahl bekannt geben. Bei welchem Kandidaten oder welcher Partei die Lehrer selbst ihr Kreuzchen machen, haben sie geheim gehalten, "obwohl die Schüler unbedingt herausfinden wollten, was wir wählen", sagt Michael Walo. "Aber wir sind absolut neutral geblieben."

    Von unserem Mitarbeiter Norbert Martens

    Landtagswahl 2011
    Meistgelesene Artikel