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    Remagen

    Das Arp Museum zeigt sich bühnenreif

    Bühnenbilder, Kostüme und Masken sind die wichtigsten Nahtstellen zwischen bildender Kunst und Theater. Weshalb sie meist einen Schwerpunkt bilden, wenn Kunstmuseen das Theater zum Ausstellungsthema machen. Weil das nicht allzu häufig vorkommt, dürfte die jetzige Schau "Bühnenreif 1. Akt" im Arp Museum Remagen-Rolandseck bei Theaterfreunden auf besondere Aufmerksamkeit stoßen.

    Unverkennbar, aber niemals realisiert: das jetzt im Arp Museum ausgestellte Bühnenbildmodell Piet Mondrians.  Foto: Peter Cox, Eindhoven/Van Abbemuseum
    Unverkennbar, aber niemals realisiert: das jetzt im Arp Museum ausgestellte Bühnenbildmodell Piet Mondrians.
    Foto: Peter Cox, Eindhoven/Van Abbemuseum

    Von unserem Autor Andreas Pecht

    Bühnenbilder, Kostüme und Masken sind die wichtigsten Nahtstellen zwischen bildender Kunst und Theater. Weshalb sie meist einen Schwerpunkt bilden, wenn Kunstmuseen das Theater zum Ausstellungsthema machen. Weil das nicht allzu häufig vorkommt, dürfte die jetzige Schau "Bühnenreif 1. Akt" im Arp Museum Remagen-Rolandseck bei Theaterfreunden auf besondere Aufmerksamkeit stoßen. Weil dort zudem die inspirierende Wirkung der Bühnenkunst auf das Schaffen etwa von Malern, Skulpteuren, Fotografen exemplarisch dokumentiert wird, sollte die Präsentation auch das übrige Publikum interessieren.

    Kleine Bühne weist den Weg

    Schon auf dem Weg zum Richard-Meier-Neubau stößt man auf ein "Brettl". Das ist eine von mehreren kleinen Bühnen, die Teil der Ausstellung sind. Daneben ein Faszinosum: eine Galerie von "Fahndungsbildern". Sie zeigen Gesichter Shakespeares, Molieres, Schillers und anderer Theatergiganten - entstanden aus moderner kriminaltechnischer Verarbeitung von historischen Hinweisen auf deren Aussehen. Mag sein, dass es sich um die realistischsten Porträts der Klassikgranden handelt.

    Im Ausstellungssaal selbst dann dieser Kontrast: Daniel Spoerris Bühnenbild für seine Inszenierung von Tristan Tzaras Stück "Das Gasherz" 1972 in Düsseldorf ist eines von mehreren kleinen Bühnenmodellen aus der Theatergeschichte seit 1900. Demgegenüber hat die Künstlerin Isa Melsheimer eigens für "Bühnenreif 1. Akt" eine im Museum tatsächlich bespielbare Bühne kreiert, die die Architektur des Meier-Baus als Nachempfindung von Grundriss und Fassadengestaltung spiegelt.

    Der Gedanke dahinter, der von Direktor Oliver Kornhoff und Kuratorin Jutta Mattern für die gesamte Ausstellung in Anspruch genommen wird, folgt einem Satz des Pantomimen Marcel Marceau von 1969: Der Bahnhof Rolandseck sei ein "Theater, in dem sich alle Künste vereinen". Damit schlägt das Arp Museum zugleich erneut die Brücke zum 100. Dada-Geburtstag. Denn die Verbindung diverser Künste miteinander auf der Bühne ist ein Wesenszug der Dada-Bewegung seit ihren Gründungstagen 1916 im Züricher Cabaret Voltaire. Und tatsächlich werden zahlreiche darstellende Elemente aus dem Beiprogramm zur Ausstellung live über die Melsheimer-Bühne gehen.

    Als theatraler Ort spielt das Museum auch in Hörszenen der Performerin Birgit Ramsauer die Hauptrolle. Per Audioguide lässt sie an 18 Stellen des Hauses von der Architektur inspirierte Erzählungen hören. Der Besucher soll das Museum als Welttheater durchschreiten, sich selbst darin zugleich als Zuseher und Darsteller erleben, so die Intention. Unterwegs begegnet einem dann die wunderliche, irritierende, betörende Welt des Theaters in allerhand Ausprägungen.

    Betörende Vielfalt

    Hier 21 Keramikbüsten, die jede einen anderen mimischen Ausdruck zeigen. Da durch Übermalung rollenspezifisch verfremdete Fotos berühmter Schauspieler wie Alexander Moissi, Bernhard Minetti, Götz George, Ulrich Wildgruber, nebst Hörstation mit originalen Sprechaufnahmen. Dort von Markus Lüpertz geschaffene Kostüme für die Aufführung von Wolfgang Rihms Kammeroper "Faust und Yorick" 1977 oder Entwürfe für Tierfiguren von George Grosz zu Yvan Golls' Revoltenstück "Methusalem oder der ewige Bürger" 1922. Neben einer kleinen Abteilung zum Ballett und einem Marionetten-Spielautomat Torsten Juvells sind jene in Theaterkreisen berühmten Ledermasken ausgestellt, die Ricarda Poppy-Dressler für Hansgünther Heymes Inszenierung "Der Ödipus des Sophokles" 1968 in Köln fertigte.

    Ein abstraktes Bühnenmodell von Piet Mondrian, das autonome Kunst bleiben und nie realisiert werden sollte; ein von Oskar Kokoschka 1909 gemalter Entwurf für eine Simultanbühne; Andor Weiningers Bauhaus-Tableaus "Mechanische Bühnenrevue" von 1927. Diese sowie Arbeiten für und über das Theater von Vladimir Tatlin, Günter Brus, Claus Richter und mehr als zwei Dutzend anderen Künstlern zeugen von vielfältigen und teils sehr produktiven Beziehungen zwischen Bildender und Bühnenkunst von 1900 bis heute. Diesen Zeitraum nimmt der 1. Akt von "Bühnenreif" in den Blick. Ab 11. November kommt ein 2. Akt hinzu, der sich mit dem Theater von 1600 bis 1900 und seinem Widerhall vor allem in der Malerei jener Zeit befasst.

    Bis 23. April, Di. bis So. und an Feiertagen 11 bis 18 Uhr

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