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Wie im Science-Fiction-Film: Der Marsianer Donald Trump

Wer die Science-Fiction-Filme der vergangenen Jahre gesehen hat, dürfte von Donald Trumps Weltraumplänen nicht überrascht sein. Auf der Leinwand wurde bereits vorweggenommen, was das Weiße Haus jetzt die Raumfahrbehörde Nasa wissen ließ: Der US-Präsident will 45 Jahre nach der letzten benannten Raumfahrtmission wieder Astronauten auf den Mond schicken. Der Erdtrabant soll jedoch nur eine Zwischenstation sein, das Fernziel ist der Mars.

Rückkehr zur bemannten Raumfahrt. Donald Trump hält schon mal stolz die Miniatur eines Apollo-17-Astronauten in den Händen.
Rückkehr zur bemannten Raumfahrt. Donald Trump hält schon mal stolz die Miniatur eines Apollo-17-Astronauten in den Händen.
Foto: picture alliance

Waren seine republikanischen Vorgänger hauptsächlich am Mond interessiert, stellt sich Trump durch seine Begeisterung für den Mars in eine Traditionslinie mit demokratischen Präsidenten wie Barack Obama. Gewissermaßen beworben wurde diese Initiative zuvor bereits im Kino: 2015 war Ridley Scotts Science-Fiction-Film „Der Marsianer“ ein enormer Erfolg. Darin gelingt es Matt Damon, Monate lang allein auf dem Roten Planeten zu überleben – nach und nach kolonisiert er den Mars, baut sogar Kartoffeln an, bis er schließlich von der Nasa wieder zurück auf die Erde gebracht wird. Ein Leben auf dem Mars scheint möglich zu sein, suggeriert der Film, der sich durchaus auf wissenschaftliche und raumfahrttechnische Erkenntnisse stützt, gar dokumentarisch wirkt er in einigen Szenen. Der Film traf nicht nur einen Nerv der Zeit, sondern erneuerte auch jenen alten uramerikanischen Gedanken, den man sonst vor allem in klassischen Hollywoodwestern findet: Immer wieder kann neues Land erobert und nutzbar gemacht werden. Grenzen gibt es für die Amerikaner eigentlich keine.

Bereits 1893 erklärte der amerikanische Historiker Frederick Jackson Turner das Wesen der USA mit seiner „Frontier-Thesis“ („Grenzen-These“), wonach die Einwanderer in Amerika ein unbesiedeltes Land vorfanden (das Schicksal der Indianer bleibt unerwähnt), das ihnen eine permanente Grenzerweiterung erlaubte, bis die gesamte Fläche „zivilisiert“ ist. Melancholisch endet der Essay des Historikers, denn diese Zeit sei am Ende des 19. Jahrhunderts nun endgültig vorbei. Das Filmepos „Das war der Wilde Westen“ von 1962 endet dann auch damit, dass die Kamera das Westernsetting verlässt und über das moderne Amerika mit seinen Fabriken, Wolkenkratzern und Autobahnen fliegt. Dazu verkündet eine Stimme die angeblich glorreiche Fortschrittsgeschichte.

Doch John F. Kennedy griff Turners These wieder auf, als er 1960 bei seiner Antrittsrede von einer „New Frontier“ sprach und wenig später sein ambitioniertes Weltraumprogramm auf den Weg brachte. Im Kino der Gegenwart vereinen sich folgerichtig Western und Science-Fiction: Die Serie „Westworld“ zeugt davon ebenso wie die Weltraumromanze „Passangers“, in der das Raumschiff „Avalon“ auf dem Weg zu einer neuen Weltraumkolonie ist. Pikanterweise gehört diese Kolonie einem Großkonzern, womit der Film auf die Bestrebungen im kalifornischen Silicon Valley anspielt, möglichst bald – also in vielen Jahren – den Mars zu besiedeln. Tesla-Chef Elon Musk steckt Milliarden in sein Unternehmen „SpaceX“, das auch von Trump-Berater Peter Thiel mitfinanziert wird. Es wäre ein Leichtes, über diese Träume zu spotten und in Trumps Weltraumplänen wieder einmal den Größenwahn des Präsidenten zu sehen, viel interessanter ist es jedoch, das ideologische Muster zu erkennen: In Christopher Nolans „Interstellar“ ist ein Leben auf der Erde, wo überall Sandstürme toben, unmöglich geworden. Um die Zukunft der Menschheit zu retten, fliegt der von Matthew McConaughey gespielte Astronaut mit seiner Crew durch die Weiten des Alls auf der Suche nach einem sogenannten Wurmloch, durch das man in eine Galaxie mit neuem Lebensraum gelangen kann, wo dann eine neue Kolonie entstehen soll.

Wieder eine neue Grenzerweiterung also, wobei der Film unklar lässt, warum die Erde unbewohnbar ist – wahrscheinlich ist es die Folge mangelnden Umweltschutzes. Erinnern wir uns: Im August erklärte Trump den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen, doch vermutlich weiß auch er, dass die Tage auf der Erde gezählt sind, wenn sich die Umweltpolitik nicht radikal wandelt. Mit seinem Weltraumprogramm will er jetzt wie in „Interstellar“ eine Alternative zum irdischen Dasein eröffnen. In diesem Ansinnen treffen sich der reaktionäre Präsident und der progressive Silicon-Valley-Unternehmer – gemeinsam suchen sie nach einem Ausweg aus der Katas-trophe. Selbstverständlich für die Wenigen, nicht für die Vielen, denn Marsmissionen sind sehr, sehr teuer.

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