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"Wenn Martha tanzt": Ein Romandebüt, das die Buchhändler lieben

Claus Ambrosius

Langsam, aber unüberhörbar rüstet sich die Welt für ein großes Jubiläum: 1919 gründete der Architekt Walter Gropius in Weimar das Staatliche Bauhaus. In der Verbindung von Kunst und Handwerk sollten erschwingliche, dabei ästhetisch anspruchsvolle Produkte für jedermann geschaffen werden – doch es geschah weit mehr. Obwohl nur 14 Jahre in Betrieb und von Anfang an sowohl von den alten Garden ebenso wie von den folgenden Gewaltherrschern abgelehnt und bekämpft, wurde das Bauhaus nicht nur zum Stilbegriff, sondern auch zur Keimstätte der klassischen Moderne auf sämtlichen Gebieten der freien sowie angewandten Kunst und Architektur.

Im Buchhandel empfohlen

Einen ganz besonderen Beitrag zum Gedenken an das Bauhaus leistet ein Buch, das schon vor seinem Erscheinen vor wenigen Wochen viel öffentliche Aufmerksamkeit erhielt: Es gehört zu den Titeln, die von einer auffällig großen Anzahl von Buchhändlern, die das Buch lang vor dem Verkaufsstart zur Vorbereitung erhalten, als Lesetipp für den frühen Sommer hoch gehandelt wurden. Dabei ist das Thema ziemlich außergewöhnlich: Der im Rheinland lebende und als Psychotherapeut praktizierende Autor Tom Saller erzählt in seinem Romandebüt „Wenn Martha tanzt“ von einer jungen Frau, die mit einer besonderen Gabe geboren wird: Wenn sie Musik hört, sieht sie Farben und Formen. Auf der Suche danach, was sie mit dieser Gabe anfangen könnte, landet sie 1919 am frisch in Weimar gegründeten Bauhaus. Und in der großen Kladde, die sie stets bei sich hat, verewigen sich all die jungen Künstler, die wenige Jahre später zu den ganz Großen ihrer Zeit zählen sollen.

Ein Psychotherapeut mit auffälligem Erzähltalent: Tom Saller hat mit „Wenn Martha tanzt“ das Porträt einer außergewöhnlichen Frau geschrieben – und ein bewegtes Jahrhundert begleitet.  Foto: Ullstein Buchverlage/Anett Kürten
Ein Psychotherapeut mit auffälligem Erzähltalent: Tom Saller hat mit „Wenn Martha tanzt“ das Porträt einer außergewöhnlichen Frau geschrieben – und ein bewegtes Jahrhundert begleitet.
Foto: Ullstein Buchverlage/Anett Kürten

Jahrzehnte später taucht diese Kladde als unvermutetes Erbstück auf, ist Millionen wert – und führt einen Nachkommen Marthas in die USA, zu unerwarteten Begegnungen und noch überraschenderen Wendungen des Schicksals. All das erzählt Tom Saller so flüssig und lebensnah, dass man nicht auf die Idee kommt, es könnte sich um sein Romandebüt handeln – und so ganz trifft das auch nicht zu: „Ich habe schon zwei Romane zuvor geschrieben“, schränkt Saller im Gespräch mit unserer Zeitung ein. „Aber ,Martha' ist der erste, der verlegt wurde – insofern stimmt es auch wieder!“

Einblick in die Schreibwerkstatt

Ohnehin wäre „Wenn Martha tanzt“ ein seltsames Erstlingswerk. Denn Saller hat sich weder mit seinem Fachgebiet Psychologie beschäftigt, noch eine seit lange in seinem Kopf herumschwirrende Geschichte aufgeschrieben. „Es war mir wichtig, ein ganz anderes Thema zu erzählen als die Psychologie“, gibt er einen Einblick in seine Schreibwerkstatt.

Die Figur der Martha stand zu Beginn – und zu der gibt es familienbiografische Bezüge zur Geburtsepoche und zur Region Pommern. Der Rest ist Fiktion. So stand auch das Bauhaus als Thema zu Beginn noch nicht im Raum: „Ich habe überlegt: Wohin könnte es Martha von Pommern aus verschlagen?“ Berlin hätte sich natürlich angeboten – ist aber als Schauplatz der Zwanziger schon umfangreich auserzählt. So kam Weimar in die Wahl – und wurde mit der spannenden Geschichte des Bauhauses zu einer tragenden Säule des Romans.

Zweimal ist Saller während des ebenfalls sehr unkonventionellen Schreibens – „ich habe gleichzeitig an allen möglichen Stellen des Romans geschrieben, in der Vergangenheit, im Jetztzeit-Teil, in Pommern und in Weimar“ – in die kleine Weltkulturstadt gefahren, um übers Wochenende die Atmosphäre aufzunehmen. Und zum Ende des Schreibprozesses blieb er gleich für zwei Wochen – die ihn eher bestätigten als zu Änderungen zu animieren: „Weimar ist eine Stadt, in der man sich nur 200 Meter von den Touristenpfaden entfernen muss – und schon spürt man, wie es dort wohl vor 100 Jahren gewesen sein mag. Und ich dachte mir an vielen Orten: Genau hier könnte Martha jetzt gelaufen kommen – das passt!“

Von unserem Kulturchef Claus Ambrosius

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