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    Mainz

    Welterbe verbindet über Kontinente hinweg

    Wenn man wichtige steinerne Zeugen der Vergangenheit in China benennen soll – dann denkt jeder an die chinesische Mauer. Mit dem zweiten Gedanken vielleicht schon an die „Terrakotta-Armee“, jenes Mausoleum mit Tausenden lebensgroßer Kriegerfiguren. Und mit diesem weltweit bekannten Sensationsfund ist man schon auf wenige Kilometer nah an Xi’an: Die Hauptstadt der chinesischen Provinz Shaanxi ist eine der 15 Unterprovinzstädte Chinas – und seit Mittwoch ein Kooperationspartner für Rheinland-Pfalz in Sachen Welterbe.

    Im Gepäck haben die Vertreter der Stadt Xi’an, dem neuen Partner in Sachen Welterbe für Rheinland-Pfalz, auch Repliken archäologischer Funde aus der Kaiserstadt – etwa diesen schreitenden Drachen.  Foto: GDKE/Museum Xi’an
    Im Gepäck haben die Vertreter der Stadt Xi’an, dem neuen Partner in Sachen Welterbe für Rheinland-Pfalz, auch Repliken archäologischer Funde aus der Kaiserstadt – etwa diesen schreitenden Drachen.
    Foto: GDKE/Museum Xi’an

    Von unserem Kulturchef Claus Ambrosius

    Das klingt im ersten Moment eher überraschend, schließlich führen weder das Obere Mittelrheintal noch der Dom zu Speyer oder gar der Limes oder das römische Erbe Triers direkt auf die Spur ins Reich der Mitte. Und doch gibt es Anknüpfungspunkte, wenn man betrachtet, wie große Reiche beinahe zeitgleich entstanden und vergingen: Als auf dem Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz mit Mainz und Trier die bedeutendsten römischen Metropolen nördlich der Alpen erbaut wurden, erlebte auf der anderen Seite der Welt das Han-Reich seine Blüte, mit „vergleichbarer Macht und Geltung sowie zeitlichem Horizont (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.), wie die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) erläutert. Deren Generaldirektor Thomas Metz macht sich in diesen Tagen mit hochrangigem Besuch aus China auf, die hiesigen Welterbestätten zu erkunden und Berührungspunkte auszuloten: Sei es das Thema der großen Palastbauten in Trier und Ingelheim oder aber ein Thema, das Denkmalpflegern in der ganzen Welt auch manches Kopfzerbrechen bereitet: die Ausgrabung, Pflege und Präsentation kulturellen Erbes im direkten räumlichen Kontext von Städten.

    Nach der Vertragsunterzeichnung durch Hu Shishe, Vizepräsident der Gesellschaft des Chinesischen Volkes für Freundschaft mit dem Ausland (CPAFFC), die mit mehreren Hundert Mitarbeitern die komplette kulturelle Zusammenarbeit Chinas mit dem Ausland organisiert, und Kulturstaatssekretär Salvatore Barbaro wurde das Mainzer Landesmuseum gleich zum Gastgeber des Symposiums „Xi’an trifft Rheinland-Pfalz – Umgang mit dem archäologischen kulturellen Erbe“. Ebenfalls im Landesmuseum ist bis Ende Oktober eine kleine Ausstellung von 20 Einzelwerken und Werkgruppen aus wichtigen Fundstücken der neuen chinesischen Partnerprovinz zu sehen – außerdem Texte und Bilder gewaltiger Palast- und Gartenanlagen, die in der Millionenstadt Xi’an, die die Einwohnerzahl von Rheinland-Pfalz um das Doppelte übertrifft, mit großem Aufwand erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

    Den Weg zur Kooperation hat überraschenderweise nicht die gemeinsame Verantwortung für Unesco-Weltkulturerbestätten geebnet, sondern die Kammermusik: Schon seit 1993 lädt die Landesstiftung Villa Musica regelmäßig Ensembles traditioneller chinesischer Musik nach Rheinland-Pfalz ein und gastiert im Gegenzug in China – bei diesem Austausch begegneten sich auch Vertreter der chinesischen CPAFFC und der hiesigen GDKE. So ist es auch kein Zufall, dass beim jetzigen Besuch der chinesischen Delegation nicht nur Stadtpolitiker, Regierungspolitiker und Museumsleute dabei sind – sondern auch vier Musiker und zwei Kunsthandwerker, die ihr Talent am Wochenende bei den internationalen Festen in Wiesbaden und Mainz vorstellten.

    Eine deutsch-chinesische Zusammenarbeit einmal ohne Primat von Wirtschaftsinteressen – selbst in diesem ganz frühen Stadium klingt das Projekt vielversprechend. Das Betrachten der Bilder aus Xi’an jedenfalls macht spontan Lust auf einen Besuch in der Kaiserstadt – man darf sich allerdings von der Entfernung von zehn Flugstunden nicht schrecken lassen.

     

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