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Koblenz

Weihnachtszeit in den Theatern der Region: Mit Pippi Langstrumpf auf Weltreise

Theater für Kinder – das ist für Regisseure eine besondere Herausforderung, denn Kinder sind anspruchsvoll. Regisseurin Jasmina Hadžiahmetovic erklärt im Vorgespräch zum Familienstück „Pippi auf den sieben Meeren“, das am morgigen Donnerstag im Stadttheater Koblenz Premiere hat, worauf sie achten muss: „Kinder sind sehr genau. Man muss bei Kindern sehr ehrlich sein.“ Im Gegensatz zu Erwachsenen dulden Kinder keine Logiklöcher, man kann ihnen nichts vormachen.

Auf ihrer Reise muss sich Pippi (Jennifer Tilesi Silke) gegen Piraten behaupten.
Auf ihrer Reise muss sich Pippi (Jennifer Tilesi Silke) gegen Piraten behaupten.
Foto: Matthias Baus/Theater Koblenz

Figuren mit Identifikationspotenzial

Vor Weihnachten warten nahezu alle Theater mit Produktionen für Kinder, Jugendliche und Familien auf – es ist die richtige Zeit für Märchen, fantasievolle Geschichten und spannende Abenteuer. In Koblenz wagt man sich an einen Klassiker der Kinderbuchliteratur: Die Pippi-Langstrumpf-Bücher von Astrid Lindgren und die Verfilmungen sind nicht nur Teil des kollektiven Gedächtnisses, auch heute identifizieren sich Kinder noch immer mit Pippi, Annika und Tommy.

Die Geschichte, die am Koblenzer Theater nach dem Buch „Pippi geht an Bord“ erzählt wird, ist schnell erzählt, aber gar nicht so leicht auf die Bühne zu bringen: Pippi Langstrumpf erhält von ihrem Vater eine Flaschenpost, in der er seiner Tochter erklärt, dass er von Piraten gefangen gehalten wird. Die Piraten wollen von Efraim Langstrumpf wissen, wo er seinen legendären Schatz versteckt hat. Die Flaschenpost ist ein Hilferuf: „Pippi, komm und rette mich.“ Doch eigentlich muss Pippi auf die Nachbarskinder Annika und Tommy aufpassen, weshalb sie sich entschließt, ihre beiden Freunde kurzerhand mitzunehmen.

Sie begeben sich auf eine lange und aufregende Reise, bis sie zu der Insel gelangen, auf der Vater Langstrumpf eingekerkert ist. Werden sie ihn aus den Händen der Piraten befreien können? „Es ist eine abenteuerliche Reise, und die Kinder müssen total mutig sein“, sagt Dramaturgin Juliane Wulfgramm. Nicht nur die Plausibilität ist dabei für Kinder wichtig, angeregt werden soll vor allem die Fantasie. Einen beträchtlichen Anteil daran hat der Kostüm- und Bühnenbildner Christian Robert Müller.

Als er für die Produktion engagiert wurde, hatte er sofort ein Gefühl, aber noch nicht gleich eine Idee. Als Kind hat er Pippi Langstrumpf immer sehr geliebt. „Dann liest man das Stück und stellt fest: Das sind ja 1000 Orte, eigentlich ein richtiges Stationendrama. Wir haben uns dann ziemlich schnell dazu entschieden, dass wir nicht jeden Ort neu aufbauen, sondern umdeuten. So wie Kinder spielen gewissermaßen: Ich setze mich auf einen Koffer und spiele, dass ich im Hubschrauber bin.“ Müller musste dabei oft an seine eigene Kindheit denken, wenn er auf dem Speicher war – „ein mystischer Ort“, meint er – und dort in alten Sachen wühlte und Entdeckungen machte. Deshalb setzt sich die Ästhetik vorwiegend aus Fund- und Strandgut zusammen. Die Bühne ist opulent ausgestattet und kann mit einer „Erwachsenenproduktion“ locker mithalten.

Mit dabei auf der Reise ist auch Pippis Totenkopfäffchen Herr Nilsson, während das Pferd Kleiner Onkel zu Hause bleibt, um auf die Villa Kunterbunt aufzupassen. Herr Nilsson wird, wie der Papagei Rosalinde in Efraim Langstrumpfs Zelle, von einem Puppenspieler gespielt. Wulfgramm sagt: „Wir haben hier am Haus das große Glück, dass wir die Sparte Puppentheater haben.“ Sechs Schauspieler verkörpern die Rollen von Pippi, Annika, Tommy, Efraim, Blut-Svente und Messer-Jocke. Jennifer Tilesi Silke spielte bereits im vergangenen Jahr in Koblenz erfolgreich die unerschrockene und freche Pippi.

Berühmte Lieder erklingen

Besonders froh ist man am Theater Koblenz auch, dass die berühmten Lieder – „Hey, Pippi Langstrumpf“ – auf der Bühne erklingen werden, die jeder aus den Filmen kennt. Drei Musiker – Klavier, Schlagzeug und Kontrabass – werden sie live spielen und auch darüber hinaus für die entsprechenden Soundeffekte sorgen. „Es ist schon toll, wenn die Kinder nach der Vorstellung rausmarschieren und alle das Pippi-Langstrumpf-Lied singen. Ohne die Lieder geht es nicht“, sagt Wulfgramm.

Die in Berlin wohnende Regisseurin Hadžiahmetovic kommt ursprünglich aus Sarajewo – auch dort kennt jedes Kind Pippi Langstrumpf. „Sehr oft hat man Stücke, die eher für Jungs sind“, sagt Hadžiahmetovic, doch „Pippi auf den sieben Meeren“ spreche alle Kinder an. Für Zuschauer ab vier Jahren ist das Stück geeignet. Vor allem Grundschulklassen werden unter der Woche erwartet, aber es gibt auch viele Vorstellungen an Wochenenden und Feiertagen für die Familien.

Eine Altersgrenze nach oben für diese Produktion, da sind sich alle einig, gibt es nicht. Auch Erwachsene können ihre Freude haben, oder nostalgisch in Erinnerungen an die eigene Kindheit schwelgen. „Und man darf auch ohne Alibi-Kind kommen“, merkt Wulfgramm an. Die Botschaft des Stücks ist ohnehin universell. Sie lautet, so Wulfgramm: „Spielt, geht raus, seid wild, habt Fantasie und setzt sie ein. Die Fantasie kommt nicht dadurch, dass man den ganzen Tag vor dem Fernseher sitzt oder irgendwelche Computerspiele spielt, sondern dass man einfach rausgeht und die Welt erkundet.“ Und so hofft auch die Regisseurin des etwa 70-minütigen Stücks, dass nach der Vorstellung „die Kinder zu Hause den Sessel zur Seite schieben und das Stück nachspielen“.

Von unserem Reporter Wolfgang M. Schmitt

Die erste Vorstellung im freien Verkauf ist an diesem Samstag, 18. November, um 15 Uhr. Weitere Vorstellungstermine und Tickets unter www.theater-koblenz.de

Mainz: Reisen zum Mond

Auch das Mainzer Staatstheater bringt einen Genre-Klassiker auf die Bühne: „Peterchens Mondfahrt“ entführt ins All. Das Märchen von 1900 handelt von den Kindern Peter und Lisa, die dem Maikäfer Herrn Sumsemann dabei helfen wollen, sein fehlendes Beinchen zurückzuholen. Auf ihrem Abenteuer treffen die drei auf zahlreiche kuriose Gestalten. Bis zum 27. Dezember gibt es noch mehr als 20 Vorstellungen. Ebenfalls den Weg zum Mond sucht im Staatstheater „Der Josa mit der Zauberfidel“. Das Stück erzählt die abenteuerliche Janosch-Geschichte für Kinder ab vier Jahren in insgesamt drei Kinderkonzerten am 17., 18. und 23. Dezember im Orchestersaal. Zusätzlich hält das Staatstheater einige Überraschungen bereit, die sich in einem Adventskalender verbergen. Montags bis freitags gibt es so jeweils um 18 Uhr im Foyer des Kleinen Hauses einen künstlerischen Beitrag – der auf der Internetseite des Theaters ab 10 Uhr des jeweiligen Tages verraten wird.

Informationen unter www.staatstheater-mainz.de

Wiesbadens Winterfreuden

Richtig winterlich wird es in der Hessischen Landeshauptstadt: Dort taucht das Junge Staatstheater mit „Väterchen Frost“ in die traditionelle Welt der russischen Märchen ein. In diesem Schauspiel für Zuschauer ab sechs Jahren begegnen klassische Märchencharaktere wie das schöne, unschuldige Mädchen, das – drangsaliert von Stiefmutter und Stiefschwester – im Wald ausgesetzt wird, magischen Figuren wie der bösen Hexe Baba Jaga oder eben Väterchen Frost, der schließlich alles zum Guten wendet. Bereits seit November ist das Märchenspiel im Großen Haus zu sehen. Die nächste Aufführung findet am heutigen 15. November statt. Pünktlich zu Weihnachten feiert außerdem die Oper „Hänsel und Gretel“ in Wiesbaden ihre Wiederaufnahme, die dort seit 2015 in der Inszenierung der Regisseurin Beka Savic gezeigt wird. Sie ist ab Mittwoch, 20. Dezember, im Großen Haus zu sehen.

Infos: www.staatstheater-wiesbaden.de

Ballettgastspiel in Neuwied

„Rumpelstilzchen“ ist am Neuwieder Schlosstheater nahezu ausverkauft, es gibt noch Karten für das rumänische Staatsballett Fantasio am 22. Dezember mit der „Schneekönigin“ nach Hans Christian Andersen zu Musik von Edvard Grieg und Jean Sibelius.

Infos: www.schlosstheater-neuwied.de

Bonn: Cornelia Funke kommt im Doppelpack

Am Bonner Theater steht zur Adventszeit eine Uraufführung an: „Geisterritter“ ist die erste Oper nach einem der Erfolgsromane der deutschen Autorin Cornelia Funke. Der Komponist James Reynolds hat sich die Geschichte um Liebe, Tod, Verantwortung und Erwachsenwerden zur Grundlage genommen und eine moderne Musiktheaterfassung geschaffen. Abenteuerlich geht es an dem Internat zu, das die Hauptfigur Jon Whitcroft seit Neuestem besucht. Er muss sich nicht nur im neuen Umfeld zurechtfinden, sondern sich auch gegen Geister behaupten.

Zwar ist mit „Geisterritter“ zum ersten Mal eine Oper aus einer Geschichte von Cornelia Funke entstanden, als Theatervorlage dienen die Bücher der Bestsellerautorin aber schon lange. Das Bonner Theater zeigt auch ein weiteres Stück aus ihrer Feder: „Igraine Ohnefurcht“. Die zehnjährige Ritterin stürzt sich Hals über Kopf in ein spannendes Abenteuer, um ihre Eltern zu retten, die in Schweine verwandelt wurden. Zur Inszenierung der Geschichte werden Puppenspiel sowie Schauspiel mit musikalischen Elementen kombiniert und damit ein mitreißendes Erlebnis für Kinder ab sechs Jahren geschaffen. Die nächste Aufführung findet am 27. November um 11 Uhr im Theatercontainer statt.

Für ein winterliches Spektakel sorgt zudem das Ballett Dortmund, das über die Weihnachtsfeiertage in Bonn zu Gast ist, mit seiner Aufführung des Klassikers „Der Nussknacker“. Zu den überall bekannten Melodien von Peter Tschaikowsky erzählen die Darsteller tänzerisch E. T. A. Hoffmanns Geschichte von der Holzfigur, die sich später als Prinz entpuppt. Im Bonner Opernhaus wird die Inszenierung erstmals am Samstag, 23. Dezember, um 16 Uhr zu sehen sein.

Mit einem singenden und sprechenden Adventskalender stimmt das Bonner Theater seine kleinen Gäste zusätzlich auf die Weihnachtszeit ein. Aktionen wie Konzerte des Kinderchores, Mitsingkonzerte oder Erzählreisen sind ab Sonntag, 3. Dezember, geplant.

Informationen gibt es unter www.theater-bonn.de

Köln: Altbewährtes trifft Unkonventionelles

Ein vielfältiges Weihnachtsprogramm wartet in Köln auf die kleinen und großen Theaterbesucher. In der Kammeroper feiert „Die Schneekönigin“ am 3. Dezember Premiere. Winterlich wird es aber auch schon zuvor, etwa im bekannten Stück „Sterntaler“, das zum nächsten Mal am 25. November aufgeführt wird.

Zu den Klassikern gehört auch „Ein Weihnachtsmärchen“, das Puppenspieler Georg zum Kley ab dem 29. November im Kölner Künstler Theater präsentieren wird. Gemeinsam mit drei sympathischen Geistern können die kleinen Zuschauer dem Weihnachten hassenden Geizkragen Scrooge Paroli bieten. Doch auch etwas unbekanntere Stücke haben es ins Familien-Vorweihnachtsprogramm des Kölner Theaters geschafft. So zum Beispiel das Schauspiel „Wie verpackt man eine Ziege?“, das ab dem 7. Dezember im Casamax Theater zu sehen sein wird. Zwei Spieler lüften in unterschiedlichen Rollen viele Geschichten rund um das Thema „Schenken“ und nehmen die Zuschauer mit in die spannende Zeit des Wartens und Erwartens. Das Ergebnis: Auch eine Geschichte kann ein Geschenk sein.

Neu ist die Geschichte um Jesu Geburt hingegen ja nun wirklich nicht. Die Perspektive, aus der sie erzählt wird, ist es aber durchaus in „Die Weihnachtsgeschichte erzählt vom Engel und vom Esel“. Der kleine Engel will auf Erden die frohe Botschaft verkünden, scheitert aber an seiner Vergesslichkeit. Zum Glück trifft der Himmelsbote auf den frechen Esel Fridolin, der Maria höchstpersönlich nach Bethlehem getragen hat und ihm daher auf die Sprünge helfen kann. Zu sehen ist das Stück ab Sonntag, 10. Dezember, 11 Uhr, auf der Volksbühne am Rudolfplatz.

Wen die winterliche Stimmung jetzt schon ergriffen hat, kann bereits am Samstag, 18. November, um 11 Uhr „Die Grille und die Hafermaus“ im Metropol Theater ansehen. Außerdem laufen auch viele weitere reguläre Familienstücke während der Weihnachtszeit.

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