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Remagen

Vorschau aufs Ausstellungsjahr: Arp Museum ist im Rausch der Farbe

Andreas Pecht

Noch drei Wochen besteht Gelegenheit, die Ausstellung zum Schaffen von Henry Moore im Arp Museum Remagen-Rolandseck zu besuchen. Am 8. Januar rücken dann Kräne und Tieflader an, um die teils tonnenschweren Großskulpturen des britischen Künstlers zurück auf ihre Stammplätze in Großbritannien zu schaffen. Direktor Oliver Kornhoff bilanziert bis dato 65.000 Besucher dieser Schau im zehnten Jahr des Arp Museums. Besonders freut er sich, dass konzeptionell prima geklappt habe, was man sich vorgenommen hatte: Neue Sichtweisen auf die Moore-Werke zu ermöglichen, spannende Korrespondenzen zwischen Moore, alten Meistern sowie Hauspatron Hans Arp herzustellen, das Museum innen wie außen umfassend zu inszenieren.

Blickwinkel öffnen, Brücken schlagen, Verbindungen deutlich machen: Diese in Rolandseck verfolgte kuratorische Linie prägt auch die gestern vorgestellten Ausstellungspläne des Arp Museums für das Jahr 2018. Stand dieses Jahr mit Moore ganz im Zeichen der Bildhauerei, so ist das kommende leitmotivisch überschrieben mit „Rausch der Farbe“. Die Malerei tritt ins Zentrum dreier gewichtiger Präsentationen.

Die erste Ausstellung der neuen Saison bringt ganzjährig Arbeiten eines in den 1970er-Jahren eng mit dem Künstlerbahnhof Rolandseck verbundenen Mannes ins Arp Museum: mehr als 50 Werke von Gotthard Graubner (1930–2013), zuletzt Professor an der Kunstakademie Düsseldorf und bedeutender abstrakter Maler der Gegenwart.

Ausgangspunkt der Schau werden Schwarz-Weiß-Fotos tanzender Mönche des Klosters Whangdiphodrang in Buthan sein. 1976 von Graubner dort aufgenommen, stehen die Impressionen von meditativ-rituellen Tänzen quasi als Rezeptionsidee über der Ausstellung „Mit den Bildern atmen“. In den lichten Räumen des Richard-Meier-Baus lädt die Präsentation zur stillen Versenkung vor allem in die „Farbraumkörper“ Graubners ein. Seine Malweise – viele Farbschichten auf Leinwand, die über eine saugkräftige dicke Wattelage gespannt ist – brachte beinahe dreidimensionale Gemälde ganz eigener Anmutung hervor. Mal sind sie fast monochrom mit feinsten Nuancen, mal schwelgen sie in vielfarbigem Kontrastreichtum.

Die Wirkung von Farbe

Einen Monat später, ab 18. März, begibt sich eine Ausstellung in der Kunstkammer Rau des Museums auf die Spuren von Nutzung, Bedeutung, Sprache der Farben. Zusammengeführt werden Werke der Kunstsammlung Rau sowie anderen Leihgaben und Schenkungen zur erhellenden Farbenreise durch die Kunstgeschichte „von Tiepolo bis K.O. Götz“. Hier der fast genormte Symbolgehalt bestimmter Farben im Mittelalter, da die subjektiven Gefühlsfarben des Barock, dort die Lichtmomente in Monets Landschaften, schließlich der knallige Farbfuror der Moderne.

Entwicklungen von der Vergangenheit zur Gegenwart sowie wechselseitige Beeinflussungen westlicher und asiatischer Kultur verfolgt der Ausstellungsschwerpunkt „Im Japanfieber. Von Monet bis Manga“ ab 28. August. Die räumlich zweigeteilt, aber durch eine „Zeitschleuse“ verbundene Präsentation zeigt einerseits die Einflüsse Japans auf den europäischen Impressionismus, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von einem regelrechten „Japanfieber“ gepackt war. Im Zen-trum stehen dabei die Farb-Holzschnitte von Claude Monet sowie Werke etwa von Signac, Seurat und van Gogh. Im anderen Teil der Ausstellung werden die Einflüsse Japans auf die heutige westliche Alltagskultur thematisiert – von den Mangas in der globalen Comiclandschaft bis hin zur japanischen Trickfilmkultur, die etwa in unserer Ausgestaltung der Biene Maja oder des Bergmädels Heidi nachklingen.

Künstlerfreundschaft im Fokus

Ein bisschen abseits des Jahresmottos „Rausch der Farbe“ setzt das Arp Museum ab 18. Februar seine Reihe „Rendez-vous des amis“ mit einem Bonbon des Dada- und Merz-Stils fort. 100 Jahre nach ihrem Beginn 1918 im Berliner Café des Westens wird die Freundschaft zwischen Hans Arp und Kurt Schwitters mit einer Ausstellung gewürdigt. Humorig, ironisch, einander auch verballhornend haben die beiden sich in Texten und Collagen den Schrecknissen des Ersten Weltkrieges widersetzt.

Wie seit einigen Jahren üblich, stellen auch wieder die aktuellen Stipendiaten des Künstlerhauses Schloss Balmoral Bad Ems ihre Arbeitsergebnisse in den Räumen des Arp Museums vor (29. April bis 15. Juli). Der Jahrgang 2017/18 des unlängst von der Kunstplattform artnet in die Gruppe der 20 besten Künstlerhäuser Europas gewählten Institution hat sich der künstlerischen Keramik verschrieben.

Weitere Informationen gibt es unter www.arp-museum.de

Von unserem Autor Andreas Pecht

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