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Koblenz

Von gemalten Landschaften und virtuellen Welten: Vorschau auf das Ausstellungsjahr im Mittelrhein-Museum

Wenn Ende dieser Woche die Koblenzer Stadtfotografin Isabell Hoffmann Auszüge aus ihrem bisherigen Werk im Mittelrhein-Museum (MRM) vorstellt, kommt das neue Ausstellungsjahr in Fahrt. Das zielt in die Breite und soll besonders vielfältig sein.

Der Maler Robert Schneider vereint in seinen Bildern Impulse der Neuen Sachlichkeit und Surrealismus. Mit seinen Arbeiten reflektiert er gesellschaftliche und historische Prozesse, im Zyklus „Öl“ zeigt er beispielsweise vermeintliche reale Orte, die durch die Ölförderung unwirtlich geworden sind.
Der Maler Robert Schneider vereint in seinen Bildern Impulse der Neuen Sachlichkeit und Surrealismus. Mit seinen Arbeiten reflektiert er gesellschaftliche und historische Prozesse, im Zyklus „Öl“ zeigt er beispielsweise vermeintliche reale Orte, die durch die Ölförderung unwirtlich geworden sind.
Foto: Schneider/MRM

Die Kabinettschau der derzeitigen Stadtfotografin mit dem Titel „Erinnerungslandschaften“ (ab 27. Januar) läutet ein Ausstellungsjahr im Mittelrhein-Museum ein, von dem Museumschef Matthias von der Bank sagt, dass es ein sehr breites Spektrum an Ausstellungsthemen mit sich bringt.

Vielseitigkeit lässt sich dabei allein schon an einer einzigen Schau ablesen, in der das Museum einen Bogen von einem Meister der spätbarocken Malerei und seiner Künstlerfamilie bis hinein in die virtuelle Realität schlägt. Dafür bringt das MRM das Werk der Familie um Januarius Zick (1730–1797) mit moderner Technik und virtueller Realität zusammen. Denn: In der Ausstellung „Die Malerfamilie Zick“ (ab 9. Juni) will das Museum laut von der Bank das „künstlerische Schaffen der Zicks durch alle Gattungen und Techniken hinweg“ umfassend darstellen.

Das Werk von Januarius Zick – hier sein Bild „Der zielende Amor mit zwei Gespielen“ – und anderen Mitgliedern seiner Malerfamilie steht in einer Ausstellung im Mittelpunkt, in der die Zuschauer mit VR-Brillen einen virtuellen Mehrwert haben.
Das Werk von Januarius Zick – hier sein Bild „Der zielende Amor mit zwei Gespielen“ – und anderen Mitgliedern seiner Malerfamilie steht in einer Ausstellung im Mittelpunkt, in der die Zuschauer mit VR-Brillen einen virtuellen Mehrwert haben.
Foto: Mittelrhein-Museum

Virtuelles Raumerlebnis

Bei all den Gemälden und Grafiken, die Johann, Januarius, Conrad, Gustav und Alexander Zick vom frühen 18. Jahrhundert über fünf Generationen hinweg geschaffen haben, ist das kein Problem. Schwierig wird es aber bei all den Deckenfresken, die vor allem auf Johann und Januarius im 18. Jahrhundert zurückgehen. Wie soll man solche Raumerlebnisse im Museum erzeugen? Die Antwort: virtuell.

Das MRM kooperiert mit dem Lehrstuhl Computervisualistik und dem Institut für Kunstwissenschaft, Arbeitsbereich Digitale Medien, um die Fresken digital zu rekonstruieren. Betrachten kann der Ausstellungsbesucher sie dann in der virtuellen Realität (VR): Mit einer VR-Brille auf der Nase kann er von den Fresken einen 360-Grad-Eindruck gewinnen und quasi ein barockes Raumensemble besuchen, genauer: Er sieht jene Fresken, die das Kurfürstliche Schloss schmückten, bevor sie 1944 zerstört wurden.

Mit diesen Brillen sollen Besucher des Mittelrhein-Museums Fresken, die einst das kurfürstliche Schloss schmückten, im Rundum-Blick entdecken können.
Mit diesen Brillen sollen Besucher des Mittelrhein-Museums Fresken, die einst das kurfürstliche Schloss schmückten, im Rundum-Blick entdecken können.
Foto: dpa

VR ist Trend, ein neues technisches Spektrum im Computerzeitalter, das MRM öffnet sich zum ersten Mal diesen virtuellen Welten. Damit möchte das Museum ein neues Angebot für Besucher bieten, gerade auch für junge. „Unser Ziel ist es ja, ein gemischtes Publikum anzusprechen“, sagt Museumschef von der Bank. Deshalb auch die Themenvielfalt im Ausstellungsjahr, in dem die Zick-Schau die größte und aufwendigste darstellt. Nicht nur wegen der VR-Technik, sondern auch wegen vieler Leihgaben, die das Museum aus anderen Häusern und von Sammlern dafür zusammenträgt. Viel Organisation, Zeit und Recherche ist dafür nötig, zumal das Museum laut von der Bank für diese Ausstellung regelrechte Pionierarbeit leistet: Das künstlerische Schaffen der Familie Zick ist kunsthistorisch noch nie so umfassend aufgezeigt worden.

Bevor aber das MRM der Malerfamilie im Juni den Sonderausstellungsraum im Untergeschoss des Museums widmet, ist dort der zeitgenössische Maler Robert Schneider, Jahrgang 1944, in der Ausstellung „Leuchten. Melancholie und Schrecken“ (ab 3. März) vertreten. Als ein Maler in der Tradition der Neuen Sachlichkeit und Surrealismus bezeichnet von der Bank den Künstler. Und als sehr geschichtsbewussten Künstler. „In seinen Arbeiten greift er gesellschaftliche und historische Prozesse auf, hintergründig geht es oft um Gewalt, die Mensch und Natur erfahren“, sagt er. Schneider reflektiert in seinen Bildern beispielsweise Auswüchse der Lebensmittelindustrie oder zeigt wegen der Industrie, genauer wegen der Ölförderungen verwüstete Landschaften.

Sonderausstellung widmet sich August Sander

Um Landschaften geht es auch in der dritten Sonderausstellung, die einem der berühmtesten Vertreter der deutschen Fotografie gewidmet ist: August Sander (1876–1964). Berühmt geworden für seine Porträts, zeigt das Museum jetzt allerdings Landschaftsaufnahmen des Künstlers, die er im Siebengebirge und am Mittelrhein machte. „So wie Sander von der Physiognomie von Menschen fasziniert war, interessierte ihn auch die Physiognomie der Landschaft“, erklärt von der Bank. Entsprechend heißt die Ausstellung denn auch „Das Gesicht der Landschaft“ (ab 20. Oktober), die das MRM in Kooperation mit der SK Stiftung Köln und dem Siebengebirgsmuseum Königswinter realisiert. Etwa ein Drittel der ausgestellten Fotografien ist noch nicht öffentlich gezeigt worden.

Ein ganz bestimmtes Gesicht steht in der Ausstellung im Mittelpunkt, die das MRM im Mutter-Beethoven-Haus in Ehrenbreitstein zeigt: In der Sonderschau geht es um die Lebendmaske von Ludwig van Beethoven, die ihm 1812 abgenommen wurde. Sie bestimmt maßgeblich, wie wir uns das Aussehen des Komponisten heutzutage vorstellen, es hat die meisten bildlichen Darstellungen Beethovens beeinflusst – zu Recht? Dieser Frage soll in der Ausstellung (ab 29. April) nachgegangen werden. Die Schau findet in Zusammenarbeit mit dem Beethoven-Haus in Bonn statt, mit dem von der Bank gern zusammenarbeitet und dies auch auf lange Sicht tun möchte – gerade auch im Hinblick auf das Jubiläumsjahr 2020, wenn Beethovens 250. Geburtstag gefeiert wird.

Musik spiele wichtige Rolle

Jetzt, im aktuellen Ausstellungsjahr, setzt das MRM mit den Bonner Kollegen zudem noch die Kabinettschau „Franz von Stuck und Beethoven. Musik in der Kunst des Münchner Jugendstils“ um (ab 24. November). Der Maler, Grafiker und Bildhauer Stuck (1863–1928) zählt zu den wichtigen deutschen Vertretern des Jugendstils, er lebte und wirkte in München. In seinem Werk setzte er viele musikalische Motive um, auch Beethoven, den er verehrte, bildete er in Gemälden ab, schuf Plastiken. Mit der Ausstellung soll sowohl sein Werk vorgestellt werden als auch die Bedeutung, die Musik in jener Epoche hatte.

Im Jahr 2018 wird das MRM-Programm von zwei Sonderpräsentationen komplettiert, mit denen Jahrestage bedacht werden: Das Forum Confluentes, in dem sich das Mittelrhein-Museum befindet, wird fünf Jahre alt. Dies wird am 9. Juli gefeiert. Hier kommt die Koblenzer Künstlerin Editha Pröbstle ins Spiel, die in diesem Jahr 70 wird. Am Festtag werden Arbeiten von ihr in, um und sogar auf dem Forum gezeigt. Und mit einer historischen Schau, mitveranstaltet vom Landesarchiv, wird die Jahrtausendfeier der Trierer Herrschaft in Koblenz bedacht: 1018 schenkte Heinrich II. dem Trierer Erzbischof Poppo von Babenberg den Königshof in Koblenz – der Beginn der Herrschaft der Trierer Kurfürsten über Koblenz.

Von unserer Redakteurin Anke Mersmann

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