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WiesbadenShakespeares psychologische Finessen zu Tode gekalauert

Andreas Pecht

Gewiss, William Shakespeares Komödien sind allesamt deftig, saftig, frivol. Und sie sind das in viel höherem Maße, als man dies im 19. und frühen 20. Jahrhundert noch verschämt annahm. So manche Neuübersetzung der jüngeren Jahrzehnte förderte im Unterschied zur zwischen 1789 bis 1833 entstandenen, lange dominanten Schlegel/Tieck-Übertragung aus dem Englischen zutage, wie Shakespeare in raffinierter Süffigkeit mit sprachlichen Doppeldeutigkeiten spielt. Am Staatstheater Wiesbaden wird jetzt für „Was ihr wollt“ die sehr gute deutsche Fassung von Thomas Brasch benutzt. Doch die wunderbare Sprachjonglage etwa mit erotischen Hintersinnigkeiten wird in Ulrike Arnolds Inszenierung ebenso wie die psychologischen Feinheiten der diesem Stück in genialer Art innewohnenden Geschlechterverwirrung einfach zu Tode gekalauert.

Überhaupt scheint die Wiesbadener Regie dem Wort, der Sprache allenfalls nachgeordnete Bedeutung zuzumessen. Gewollt ist hohes Tempo, schnelles, oftmals gehetztes Sprechen. Das kann man machen, sollte es dann aber auch ...
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