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Koblenz

Rätsel über Rätsel: Galerie Sehr stellt Bilder von James Wallace Harris aus

Lieselotte Sauer-Kaulbach

Er verrät wenig über seine Bilder. Über sich selbst noch weniger. Galeristin Ellen Ross, die seine Arbeiten in der Galerie Sehr in Ehrenbreitstein ausstellt, erzählt, der Kontakt mit James Wallace Harris sei über Facebook zustande gekommen, wo seine Schwester einige Kinderfotos mit ihm gepostet habe.

Stark abstrakte und kontrastierte geometrische Formen sind charakteristisch für die Werke von James Wallace Harris.
Stark abstrakte und kontrastierte geometrische Formen sind charakteristisch für die Werke von James Wallace Harris.
Foto: Künstler

Die Suche nach mehr Informationen über ihn im Internet ist kaum ergiebiger. In der Kategorie „Persönliches/Vita“ findet sich auf einer Internetseite lediglich: „painting, living and working in Japan“ – malt, lebt und arbeitet in Japan.

Der Wohnort lässt sich noch eingrenzen: Es ist Niiza, mit knapp 163.000 Einwohnern eine eher kleine Stadt auf der japanischen Hauptinsel Honshu, so etwas wie ein Vorort, eine Schlafstadt der Megacity Tokio. Außer dem buddhistischen Tempel Heirin-ji gibt es wenig historische Bausubstanz, moderne Architektur dominiert, überwiegend eher zweckmäßig als interessant, sieht man von dem Children's Centre mit seiner markanten halbrunden Kuppel einmal ab.

Genau die aber scheint immer wieder in den mit Acrylfarben und -stiften gemalten Bildern von James Wallace Harris aufzutauchen, als flächige Silhouette, als lineares, zeichnerisch angedeutetes, häufiger mehrfach nebeneinander gesetztes Kreissegment.

Wie denn überhaupt Architektur, historische oder moderne, in den meist vielfarbigen, teilweise durch Goldeinsprengsel noch opulenter anmutenden Kompositionen von James Wallace Harris eine zentrale Rolle spielt. Reale Vorbilder lassen sich, abgesehen vom zuvor erwähnten Children's Centre, dabei kaum ausmachen; Harris reduziert Architektonisches auf strenge, geometrische, meist scharf konturierte, manchmal mit erstaunlich organisch anmutenden, abstrakten Passagen kontrastierte Formen, türmt sie mosaikartig neben- und übereinander auf die Bildfläche.

Die Ergebnisse gleichen labyrinthischen Stadtlandschaften oder auch monolithischen Gebilden, denen teilweise beinahe etwas Sakrales, Mythisches anhaftet. Umso mehr, als einige der Kompositionen – vielleicht hat da der Namensdoppelgänger, der Science-Fiction-Autor, inspirierend gewirkt? – von allem Irdischen gelöst im Universum zu schweben scheinen, utopische oder, je nach Blickwinkel, dystopische Raumstationen, in denen die Menschheit vielleicht einmal lebt, wenn die Erde nicht mehr bewohnbar ist.

Dass Harris in seinen neuesten Arbeiten vermehrt comicartige, sich Figürlichem annähernde Elemente einbaut, könnte eine mögliche futuristische Komponente noch unterstreichen. Darauf festlegen lässt er sich aber natürlich nicht. Schließlich sind da ja auch noch seine Kompositionen von Stockhausen oder Webern im Titel tragenden Bilder.

Hier nimmt Musik malerische, zeichnerische Gestalt an, wird zur Chiffre auf der Leinwand, ihrem eigenen formalen Rhythmus unterworfen. „Er hat früher selbst Musik gemacht, Rockmusik allerdings, und hört, wie er uns verraten hat, gern Jazz“, erzählt Ellen Ross. Da lichtet sich wenigstens das Rätsel um Harris und die Musik ein wenig.

Die Ausstellung in der Galerie Sehr in Koblenz-Ehrenbreitstein, Hofstraße 268, ist bis 6. Dezember zu sehen, jeweils mittwochs und samstags von 16 bis 19 Uhr.

Von unserer Mitarbeiterin Lieselotte Sauer-Kaulbach

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