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Neues aus Entenhausen: Landesmuseum Mainz zeigt die Sonderschau „Walt Disney – Mickey, Donald & Friends“

Comics sind nur etwas für Kinder? Wer immer auch dieses Gerücht in die Welt gesetzt hat, hat zumindest in Deutschland ganze Arbeit geleistet. Kaum irgendwo werden die sich explizit an Erwachsene richtenden Graphic Novels so kritisch beäugt wie in Deutschland, und selbst Comic-Klassiker haben keinen ganz leichten Stand. Denn sogar bei der Vorstellung der neuen Sonderausstellung „Walt Disney – Mickey, Donald & Friends“ im Mainzer Landesmuseum wird, beinahe entschuldigend, weit ausgeholt: Gehört so etwas in ein Museum? Ist das denn Kunst?

Metamorphose einer Maus

Wer daran wirklich Zweifel haben sollte, sollte die Schau dringend besuchen. Schon die ganz frühen Bewegungsstudien aus den 1920er- und 30er-Jahren zeigen, mit wie viel Kunstfertigkeit Walt Disney und seine vielen Zeichner die Übertragung tierischer Vorbilder auf die oft allzu menschlichen Einwohner Entenhausens angingen. Wie etwa aus Micky Maus – zu Beginn ein ziemlich spitznasiges und dünnbeiniges Geschöpf – zunächst ein frecher Jüngling mit entsprechend kurzen Hosen und schließlich ein ziemlich angepasstes Familienoberhaupt samt Freundin und Neffen wurde: Schon diese Transformation, zu sehen in Skizzen, gedruckten Originalcomics und Originalzeichnungen, lohnt den Besuch der Ausstellung.

Die Macher der Schau haben an Rosenmontag einen Motivwagen mit Disney-Figuren durch die Stadt fahren lassen, Busse mit entsprechendem Aufdruck werben ebenso wie aufgestellte Großfiguren. Keine Frage, wie viele Comic-Ausstellungen bundesweit in den vergangenen Jahren schielt man auf ein großes, gern Generationen übergreifendes Publikum.

Ob es so leicht ist, die Erwartungen aller Altersgruppen zu erfüllen, wird sich weisen. Auf jeden Fall tappt das Landesmuseum nicht in die Falle, die sich zuletzt die Bonner Bundeskunsthalle mit ihrer großen Pixar-Schau gestellt hatte: Figuren, Figuren, Figuren – aber kein Wort zu den Künstlern dahinter. In Mainz ist es erfreulicherweise ganz anders: Eduard Sebald, Kurator der Ausstellung, stellt die Menschen hinter den Figuren sogar ins Zentrum. Drei Altmeister des Disney-Zeichenimperiums werden aktuellen Nachfolgern gegenübergestellt: Auf der einen Seite also Werke aus den Händen von Carl Barks, dem Vater von Figuren wie Dagobert Duck, Daniel Düsentrieb und den Panzerknackern, Floyd Gottfredson (Zeichner von Micky Maus), und Al Taliaferro (Erfinder von Donald Duck). Diesen bereits verstorbenen Meistern werden aktuelle Zeichnungen des US-Amerikaners Don Rosa und den in Deutschland zeichnenden Jan Gulbransson und Ulrich Schröder beigestellt. Die beiden Letzteren werden im Laufe der Ausstellung gar nach Mainz kommen.

Auf dem Parcours durch die mehr als 300 Ausstellungsstücke, für den man sich unbedingt Zeit nehmen und eine Führung oder zumindest einen Audioguide gönnen sollte, lernt man nicht nur die Künstler gut kennen, sondern auch zumindest im Anriss manche Vorbilder: So zeigt etwa eine Projektion aus der satirischen deutschen Wochenzeitschrift „Simplicissimus“ von 1909 tanzende Elefanten aus verschiedenen Perspektiven. Haben sich hier Zeichner die Idee zum Elefantenballett im Film „Dumbo“ (1941) geholt? Gut möglich, denn Walt Disney hielt für seine Angestellten eine große Bibliothek mit Märchenbüchern und vielen anderen Werken wie eben auch dem „Simplicissimus“ bereit, wie Kurator Sebald erzählt.

Comics waren Beifang zum Film

Man lernt einiges im Vorübergehen. Etwa, dass für Disney eigentlich die Filmproduktion im Vordergrund stand und die Comics nachgeschoben oder als Werbung für die Filme eingesetzt wurden. Und schließlich, was bei den blau gezeichneten Erstentwürfen und deren roten Korrekturen im Raum der Gegenwartszeichner sichtbar wird: Die Technik, wie die Comiczeichnungen entstehen, hat sich, abgesehen von kleinen Hilfestellungen der Computertechnik beim Ausfüllen von Farbflächen, seit rund 100 Jahren nicht geändert – eine echte Überraschung.

Claus Ambrosius

14. März bis 29. Juli, Dienstag 10 bis 20 Uhr, Mittwoch bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, Eintritt 12 Euro (ermäßigt 9 Euro), Kinder bis 6 Jahre frei, bis 18 Jahre 7 Euro. Weitere Infos unter www.landesmuseum-mainz.de

Rahmenprogramm für kleine und große Besucher

Die Walt-Disney-Ausstellung bietet ein vielfältiges Angebot rund um die beliebten Trickfiguren.

Museumspädagogik
Workshops
„Hey, Donald!“, 30 Minuten rund um den berühmten Tollpatsch und die Art, wie seine Haltung und die Hände verraten, wie Donald sich gerade fühlt. Alter: 5 bis 8, für Gruppen bis 20 Personen
„Mickey and Donald get arty“, 120 Minuten. Wie spricht eine Ausstellung zu uns, was kann man im Museum erfahren, was man nicht auch im Internet nachschauen kann? Für die Klassen 3 bis 10
Ferienprogramme in den Oster- und den Sommerferien
Comicwerkstatt mit Holger Wilmesmeier. Die Teilnehmer zeichnen unter Anleitung des Kunstpädagogen, Dozenten und Publizisten einen eigenen Comic.
Trickfilmwerkstatt mit Dorle Voigt. Wie man eine eigenen Trickfilmfigur entwickelt und zum Leben erweckt.

Infos und Buchung per E-Mail an ellen.loechner@gdke.rlp.de

Expertenvorträge
Disney-Experten aus verschiedenen Disziplinen werfen ihren eigenen Blick auf Charaktere, Künstler, Geschichten und Geschichte.

20. März, 18 Uhr
Holger Wilmesmeier: „Archäologie der Comics. Bildergeschichten von Mickey Mouse“
11. April, 18 Uhr
Filippo Carlà-Uhink: „Darstellungen der klassischen Antike in Disney-Comics“
26. April, 18 Uhr
Alexandra Hentschel:„Dem Ingenieur ist nichts zu schwör – Wie Erika Fuchs die deutsche Sprache prägte“
15. Mai, 18 Uhr
Patrick Bahners:„Können Sie den Quatsch verstehen? Der Entenhausener Kunstgeschmack“
24. Mai, 18.30 Uhr
Alex Jakubowski: „Reise zu Don Rosa. Ein Gespräch mit Alex Jakubowski“
7. Juni, 18 Uhr
Denis Scheck: „Speis und Trank in Entenhausen“

Weitere Informationen und Angebote zur Ausstellung gibt es im Internet unter der Adresse www.landesmuseum-mainz.de

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