40.000
Aus unserem Archiv
Koblenz

Neue Oper, Neue Musik: Vorschau auf "Der goldene Drache" am Theater Koblenz

Claus Ambrosius

Wenn Neue Musik verstanden werden will und kann: Das Koblenzer Theater widmet sich der im Jahr 2014 in Frankfurt uraufgeführten Oper „Der goldene Drache“ von Péter Eötvös.

Fünf Darsteller in 18 Rollen bietet die Oper „Der goldene Drache“ nach dem gleichnamigen Schauspiel von Roland Schimmelpfennig auf. Dirigent Mino Marani ist für die Musikalische Leitung der Neuproduktion der Oper von Péter Eötvös am Theater Koblenz verantwortlich, die am morgigen Samstag Premiere feiert.
Fünf Darsteller in 18 Rollen bietet die Oper „Der goldene Drache“ nach dem gleichnamigen Schauspiel von Roland Schimmelpfennig auf. Dirigent Mino Marani ist für die Musikalische Leitung der Neuproduktion der Oper von Péter Eötvös am Theater Koblenz verantwortlich, die am morgigen Samstag Premiere feiert.
Foto: Matthias Baus

Er studierte in Ungarn bei Zoltán Kodály, war angestellt in den 1970er-Jahren als Tontechniker im berühmten Elektronischen Studio des WDR in Köln, arbeitet intensiv mit Komponisten wie Karlheinz Stockhausen zusammen, folgte als Dirigent von 1978 an Pierre Boulez als musikalischer Leiter des Ensemble Contemporain in Paris: Der 1944 in Transsylvanien geborene Komponist Péter Eötvös hat zweifelsohne die Entwicklung der Avantgarde-Musik auf die eine oder andere Art begleitet.

Stückspezifische Musiksprache

„Aber“, so betont Mino Marani, Dirigent am Theater Koblenz, „Eötvös hat als Opernkomponist eine ganz eigene musikalische Sprache gefunden.“ Und die orientiere sich stets und ausschließlich am jeweiligen Stück – und nicht etwa an einer Attitüde wie etwa „Meine Musik muss so oder so klingen – ganz egal, um welchen Inhalt es sich handelt“. Und aus diesem zentralen Grund klingt „Der goldene Drache“, das erst 2014 in Frankfurt uraufgeführte Stück, das am Samstagabend seine Koblenzer Erstaufführung erlebt, eben ganz anders als Eötvös' erfolgreiche Oper „Drei Schwestern“, seinem ersten großen Musiktheaterwerk, das 1998 in Paris uraufgeführt wurde und 2010 ebenfalls am Theater Koblenz zu sehen war.

„Der goldene Drache“ feiert am Samstag, 19. Mai, um 19.30 Uhr im Großen Haus Premiere. Tickets gibt es unter Telefon 0261/129 28 40 oder online unter www.theater-koblenz.de

Mino Marani, der als Musikalischer Leiter des „Goldenen Drachen“ gespannt auf die Premiere zusteuert, ist selbst auch Komponist – und von Eötvös' Tonsprache sehr angetan: „Er ist kein Komponist, dessen Musik mit besonders ausgefallenen Mitteln interpretiert werden muss – nein, die Musik erzählt einfach immer ganz genau, was in diesem Moment geschieht. Deswegen finde ich, diese Musik ist wirklich sehr unkompliziert zu verstehen.“ Das Stück beginnt gleich mit einem guten Beispiel: Ein junger Mann aus China ist in der Küche des Restaurants „Der goldene Drache“ gelandet. Er leidet unter furchtbaren Zahnschmerzen – und die sind im Gesang ganz deutlich abgebildet. Oder noch ein Schritt zuvor: Die Küche des Restaurants ist nicht nur auf der Bühne zu sehen, wenn Regisseur und Bühnenbildner es so wollen, sondern auf jeden Fall im Orchester zu hören, wenn die Schlagzeuger mit Brett und Messer den Klang von Gemüseschneiden ins Theater holen. „Es gibt sicher Komponisten, denen so etwas viel zu plakativ wäre“, gibt Marani zu bedenken, aber: „Davor hat Eötvös zum Glück keine Angst!“

Den Schöpfer des Werks um Rat fragen

Das Stück eines lebenden Komponisten aufzuführen, hat einen geradezu unschlagbaren Vorteil: Man kann den Schöpfer des Werkes um Rat fragen. So fuhr auch Mino Marani Anfang März nach Budapest, wo Péter Eötvös inmitten Dutzender Instrumente lebt: „Er beherrscht die meisten dieser Instrumente selbst – auch das ist eine Sache, die sich in seiner Musik niederschlägt, ebenso wie seine Erfahrungen als Dirigent“, berichtet er. Will heißen: Eötvös weiß um den Klang jedes Tons, den er notiert, weiß um die Möglichkeiten der Instrumente – und ist sich sehr bewusst, was im Theaterbetrieb möglich ist und was nicht.

Mit 90 Minuten Dauer, dem kleinen Sängerensemble und einem ebenfalls übersichtlichen Aufgebot von 18 Musikern im Orchester ist „Der goldene Drache“ auf den ersten Blick eine vergleichsweise kleine Produktion – der Eindruck täuscht aber: „Die fünf Sänger übernehmen insgesamt 18 Rollen, fast alle Darsteller sind auch die gesamte Zeit über gefordert.“

Auf Verständlichkeit ausgerichtet

Zur Vorbereitung auf die Produktion hat sich Marani zunächst eine Vorstellung des der Oper zugrundeliegenden gleichnamigen Schauspiels des Autors Roland Schimmelpfennig angesehen, dann den Dramentext sehr genau studiert, um die teils skurrilen und völlig unverbunden wirkenden Szenen völlig zu durchdringen. Was für ihn als Musikalischem Leiter ein intensiver Weg war, soll den Zuschauern aber ausgesprochen leicht fallen: „Das Stück ist sehr leicht zu verstehen – das beginnt schon damit, dass es so komponiert ist, dass die Textverständlichkeit außergewöhnlich hoch sein kann.“ Außerdem wird nicht nur gesungen, auch gesprochene Texte und Sprechgesang sollen die Verständlichkeit erhöhen, vor allem aber gilt bei diesem Stück für Marani: „Für dieses Stück braucht man sich über einen ,intellektuellen Zugang’ gar keine Gedanken machen. Man muss sich dafür nicht aufwendig vorbereiten, man muss nicht einmal wissen, wer Péter Eötvös ist. Die Musik erzählt ganz einfach die Geschichte – und die Situationen erzeugen ganz einfach die Musik.“

Von unserem Kulturchef Claus Ambrosius

"Der goldene Drache": Musiktheater von Péter Eötvös

Handlung:

Den Mittelpunkt der Handlung bildet das China-Vietnam-Thai-Restaurant „Der goldene Drache”. Einem jungen Mann aus China, der seine Schwester sucht, keine Papiere hat und unter fürchterlichen Zahnschmerzen leidet, wird hier in der Küche ein kranker Zahn gezogen. Der Zahn landet in einer Thai-Suppe und wenig später im Mund einer Stewardess. Der Chinese verblutet und wird in den Fluss geworfen. Doch dies ist nicht die einzige Geschichte, die erzählt wird. Kaleidoskopartig setzen sich die einzelnen Sequenzen zusammen: Ein Mann wird alt und wünscht sich etwas, das ihm niemand erfüllen kann. Eine Frau wird schwanger und zerstreitet sich darüber mit ihrem Freund. Eine Grille arbeitet für eine Ameise und wird von ihr ausgebeutet …

Alle Handlungsstränge haben mit einem Thema zu tun: Was bedeutet es, sich illegal, also ohne Visum, Einreisegenehmigung oder Asylbescheid, in einem fremden Land aufzuhalten.

Leitungsteam:

Mino Marani (Musikalische Leitung), Elmar Goerden (Inszenierung), Silvia Merlo, Ulf Stengl (Bühne), Lydia Kirchleitner (Kostüme), Christian Steinbock (Dramaturgie)

Mit:

Hana Lee, Monica Mascus, Peter Koppelmann, Junho Lee, Christoph Plessers und dem Staatsorchester Rheinische Philharmonie

Vorstellungen: 19./31. Mai sowie 1./6./17./19./23. Juni

Kultur
Meistgelesene Artikel
Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik
Claus Ambrosius 

Leiter Kultur

Claus Ambrosius

 

Kontakt per Mail

Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

Redakteurin Kultur

Anke Mersmann

 

Kontakt per Mail

Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

Redakteurin Kultur

Melanie Schröder

 

Kontakt per Mail

Anzeige
Event-Kalender
Veranstaltungstipps

Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!