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WiesbadenNathan der Weise: Die Gegenwart verweigert ein Happy End

Andreas Pecht

Es ist gerade in diesen Tagen richtig und wichtig, am Theater „Nathan der Weise“ zu spielen. Doch eigentlich gilt das für alle Zeiten, seit Gotthold Ephraim Lessing sein dramatisches Gedicht 1779 veröffentlichte. Denn noch immer legt dieses Stück den Finger in jene Wunde der Zivilisation, die sich scheinbar auf ewig nicht schließen will: Allfällige Ignoranz gegenüber dem humanen Wesenskern der Aufklärung, wonach Menschlichkeit bedeutender ist als jedwede von Religionen, Politideologien, Rasselehren, Nationalchauvenismen behauptete Auserwähltheit. Regisseur Nicolas Brieger hat das Werk nun am Staatstheater Wiesbaden aus der Kreuzzugzeit in ein Kriegsgebiet der Gegenwart übertragen.

Auf eine rostig-stählerne Wand sprüht der Jude Nathan den Satz: „im Anfang WAR das WORT“. Dazu flutet aus Lautsprechern eine Kakofonie medialen Plapperns, Schwätzens, Werbens, Aufgeregtseins in vielen Sprachen. Das ...

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