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Koblenz

Nächster Dämpfer für junge Kulturszene: Traditionsformat Electric City fällt zum ersten Mal aus

Melanie Schröder

Es passiert schon wieder: Seit Monaten schwindet das junge Koblenzer Nachtleben in einem kontinuierlichen, längst nicht mehr ganz so schleichenden Prozess.

Viele Jahre aus dem Koblenzer Nachtleben nicht wegzudenken: Jährlich im November legten zur Electric City etliche DJs auf, um die Nacht zum Tag zu machen. In diesem Jahr fällt die Veranstaltung aus. Der Grund ist auch eine grundsätzliche Entwicklung der jungen Koblenzer Kulturszene.
Viele Jahre aus dem Koblenzer Nachtleben nicht wegzudenken: Jährlich im November legten zur Electric City etliche DJs auf, um die Nacht zum Tag zu machen. In diesem Jahr fällt die Veranstaltung aus. Der Grund ist auch eine grundsätzliche Entwicklung der jungen Koblenzer Kulturszene.
Foto: i-motion/Tom Frey

Klubs mit teils langer Geschichte schließen, allein 2016 der Großklub Nachtwerk, die Rockdiskothek Dreams oder die Musikkneipe Le Box. Und wenig Neues kommt nach. Zudem gibt es jetzt einen weiteren Dämpfer für alle Nachtaktiven: das traditionsreiche Format Electric City des Veranstalters i-Motion aus Mülheim-Kärlich pausiert in diesem Jahr. Zum ersten Mal nach 15 Jahren.

Mehr als 40 DJs aus ganz Deutschland legten zuletzt Anfang November 2016 im Dunkel der städtischen Klubs bis spät in die Nacht auf und verbanden so nicht nur Generationen durch Musik, sondern auch verschiedene Veranstalter aus Koblenz im Zuge eines gemeinsamen Events. Daraus wird 2017 nichts, und ob die Party nächstes Jahr weitergehen kann, ist ebenso unklar.

Es fehlt an Geld und Klubs

Vor allem zwei Dinge haben Oliver Vordemvenne, Geschäftsführer von i-Motion und ebenso Veranstalter des Elektronikfestivals Nature One im Hunsrück, zu einer Absage gezwungen: Zum einen sei elektronische Tanzmusik weltweit gegenwärtig so beliebt, dass die Gagen der Künstler ins Unermessliche steigen würden. „Vor diesem Hintergrund ist es schwierig, ein ambitioniertes, ansprechendes Programm für so wenig Eintritt zu gestalten“, sagt er.

12 Euro kostete der Eintritt für einen Klub der Electric City, 18 Euro für alle beteiligten – angesichts der Vielfalt an DJs und Tanzflächen keineswegs Wucher, sollte man meinen. „Das ist schon die Spitze. Mehr könnten wir nicht verlangen. Wenn man 20 Euro für einen Einzelklub verbuchen würde, wären die Leute nicht bereit, das zu zahlen, verständlicherweise“, erklärt Vordemvenne, warum es für ihn keine Option ist, die Preise anzuheben.

Vordemvenne
Vordemvenne
Foto: Julia Berlin

Anstatt ein Jahr mit bescheidenem Programm, mache ich mich lieber einmal rar.

Oliver Vordemvenne, Geschäftsführer von i-Motion

Zum anderen macht dem Veranstalter die generelle Klubsituation der Stadt zu schaffen: „Vor zwei, drei Jahren hatten wir noch zehn Klubs dabei, auch große wie das Nachtwerk, das für 2000 Leute ausgelegt war. Damit konnte man rein besuchertechnisch Größe generieren. Von der Publikumsmenge hängt letztlich ja ab, mit welchem finanziellen Spielraum man rechnet, welche Künstler man einlädt, um Leute anzuziehen. Diese zwei Faktoren haben uns also dazu bewogen zu unterbrechen.“

Publikumsrückgang hat Gründe

Ein Blick auf die Entwicklung der Besucherzahlen zeigt: Das Klubschwinden der Stadt hat auch Electric City zugesetzt. 2015 sollen laut Vordemvenne noch rund 7000 Besucher gekommen sein, 2016 waren es nur etwa 5000. „Im vergangenen Jahr fehlte das Nachtwerk schon, das hat sich einfach sehr bemerkbar gemacht“, sagt er und stellt klar, dass das Konzept der minimalen Eintrittspreise schon immer ein schwieriges gewesen sei, doch erst wenn ein großer Klub wegfällt, gerät es endgültig in eine wirtschaftliche Schieflage.

Dennoch will Vordemvenne nichts an dem Format Electric City verändern. Weiterhin soll es heißen, einmal zahlen, so viel wie möglich hören und sehen; verteuern oder verkleinern ist für ihn nicht denkbar. „Eher müsste die Veranstaltung noch größer werden.“ Dass jedoch in Koblenz neue Klubs mit viel Platz entstehen, davon ist nicht auszugehen, zeichnen die vergangenen Monate doch ein ganz anderes Bild. Auch Vordemvenne lässt hinsichtlich der Zukunft des Koblenzer Nachtlebens einen Satz fallen, der hängen bleibt. „Ob wir Electric City nächstes Jahr noch mal machen, hängt davon ab, welche DJs wir zu welchen Preisen bekommen und welche Klubs es gibt – oder ob überhaupt noch welche.“

Optimistisch bleiben will er trotzdem: Der Markt elektronischer Tanzmusik sei in seinen Augen auf einem Höchststand angelangt, „es wird sich alles allmählich regulieren, da bin ich ganz sicher. Und dann können wir auch wieder interessante DJs nach Koblenz bringen, die bezahlbar sind. Am Ende kann so eine Pause ja auch die Attraktivität steigern. Anstatt ein Jahr mit bescheidenem Programm, mache ich mich lieber einmal rar.“

Von unserer Redakteurin Melanie Schröder

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