40.000
  • Startseite
  • » Kultur
  • » Mittelrhein Musik Festival testet es aus: Wie gut klingt die Sayner Hütte?
  • Aus unserem Archiv
    Bendorf

    Mittelrhein Musik Festival testet es aus: Wie gut klingt die Sayner Hütte?

    Vier Marimbas und jede Menge Elektro-Sound bringenLicht und Schatten über das Mittelrhein Musik Festival: Beim Doppelkonzert mit dem Wave Marimba Quartet und dem Johannes Motschmann Trio wird der Raum des Möglichen ausgelotet.

    Die Klangverhältnisse in der historischen Gießhalle der Sayner Hütte sind hervorragend, zumindest gilt dies, wenn das Wave Marimba Quartet spielt (im Bild Vladi Petrov). Es war vom Mittelrhein Musik Festival in die Halle eingeladen worden, um ein Doppelkonzert mit dem Motschmann Trio zu spielen.  Foto: Mittelrhein Musik Festival/Myller
    Die Klangverhältnisse in der historischen Gießhalle der Sayner Hütte sind hervorragend, zumindest gilt dies, wenn das Wave Marimba Quartet spielt (im Bild Vladi Petrov). Es war vom Mittelrhein Musik Festival in die Halle eingeladen worden, um ein Doppelkonzert mit dem Motschmann Trio zu spielen.
    Foto: Mittelrhein Musik Festival/Myller

    Von unserem Autor Andreas Pecht

    Säle für 300 bis 500 Konzertbesucher mit guten bis sehr guten Klangbedingungen sind in der Mittelrheinregion rar. Seit Kurzem lässt ausgerechnet eine bald 200 Jahre alte Industriehalle den Musikfreund aufhorchen: die historische Gießhalle auf dem Denkmalareal Sayner Hütte in Bendorf. Dort, wo 2016 Ute Lempers umjubelter Auftritt das Mittelrhein Musik Festival beschloss, startete es am Wochenende die diesjährige Reihe seiner eigenen Veranstaltungen – bisherige Konzerte waren Kooperationsveranstaltungen. Das Doppelkonzert mit dem Wave Marimba Quartet und dem Johannes Motschmann Trio wurde auch zum Test der musikakustischen Möglichkeiten wie Grenzen im jahrelang aufwendig restaurierten Denkmal.

    Kurt Masur war ein Fan der Raumklangs

    Kurt Masur hatte sich einst beim Besuch in Bendorf-Sayn nach einer Klatschprobe entzückt gezeigt über die Klangverhältnisse in der damals noch desolaten Gießhalle. Mit ihren vier Marimbafonen bestätigen nun die Musiker um Bogdan Bacanu jenes Urteil des 2015 verstorbenen Dirigenten. Das Ensemble macht staunen, was sich alles interessant und reizvoll musizieren lässt auf diesem noch immer etwas im Schatten stehenden Instrument aus der Familie der Klangstabspiele. Im Zentrum des Auftritts in der Gießhalle stehen Stücke von der jüngsten CD „loco” (verrückt), die vor allem dem südamerikanischen Tango Nuevo von Astor Piazzolla und Kollegen gewidmet ist.

    Tango auf vier Marimbas? Ja, das geht. Und wie das geht, wenn er mit solchem Enthusiasmus, rhythmischem Verve und Können gespielt wird. Die explosiven Impulse des Tango liegen quasi im Naturell der Holzschlaginstrumente. Die ruppige Akkordik von Bandoneon und Gitarre bei Piazzolla findet ihre Entsprechung im scharfen Anschlag von 16 Marimbaklöppeln in acht Händen. Das schwermütige Schluchzen des Tango nimmt die Form heftig einsetzenden, dann zart verhauchenden Tremolierens an.

    Kirchennachhall birgt Vor- und Nachteile

    Später geht es von Südamerika zurück zu den barocken Wurzeln europäischer Kunstmusik, derentwegen das Quartett sich im Jahr 2008 eigentlich gegründet hatte. Johann Sebastian Bachs Concerto für zwei Cembali in C-Dur wird in der Bearbeitung für vier Marimbafone zu einem ebenso ernsthaften Unternehmen wie entzückenden Hörerlebnis.

    Die akustischen Verhältnisse in der Gießhalle tragen das Ihre bei: Die an Mittelalter-Kathetralen angelehnte Form des Bauwerks von 1830 aus überhöhtem Mittelschiff und abfallenden Seitenschiffen hat einen Kirchennachhall. Der fällt allerdings so zurückhaltend aus, dass es kaum zu „versoßenden” Nachhallüberschneidungen kommt. Stattdessen trägt die Halle die Töne der Akustikinstrumente als klares, warmes, volles Klangbild in nahezu gleichbleibender Qualität zwischen den Gusseisensäulen hindurch in jede ihrer Ecken. Es wird mit der Zeit zu erproben sein, für welche Instrumentierungen die Gießhalle sich besonders eignet. An diesem Abend wird deutlich: Was für das Marimba Quartet nahezu ideal ist, stellt im Anschluss für das auf sehr starke elektrische Verstärkung angewiesene Motschmann Trio ein Problem dar.

    So reizvoll dessen innovativer Rückgriff auf die noch nicht computerisierte, handgemachte Elektronikmusik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist, erweist sich die Hallenakustik – sowie das Gros des überwiegend älteren Publikums – von der Lautstärkewucht nahezu überfordert. Man nimmt dieses Experiment allenthalben gelassen und lernt aus dem gleichwohl schönen Abend: In der Gießhalle geht nicht alles gleich gut.

    Kultur
    Meistgelesene Artikel
    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik
    Claus Ambrosius 

    Leiter Kultur

    Claus Ambrosius

     

    Kontakt per Mail

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Redakteurin Kultur

    Anke Mersmann

     

    Kontakt per Mail

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Redakteurin Kultur

    Melanie Schröder

     

    Kontakt per Mail

    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!