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    Koblenz

    Mehr als eine Gala zum Auftakt

    So ist es Tradition am Theater Koblenz seit nunmehr 30 Jahren: Noch vor Beginn der jeweils neuen Spielzeit lädt das Haus in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Theater Koblenz zur „Kostprobe“.

    Von unserem Autor Andreas Pecht

    Auf das Huhn gekommen: Intendant Markus Dietze hatte als Moderator der "Kostprobe" auch Henne Prillan zur Hand, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Henni in der bevorstehenden Koblenzer Spielzeit einen Liederabend geben wird. Foto: Theater Koblenz
    Auf das Huhn gekommen: Intendant Markus Dietze hatte als Moderator der "Kostprobe" auch Henne Prillan zur Hand, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Henni in der bevorstehenden Koblenzer Spielzeit einen Liederabend geben wird.
    Foto: Theater Koblenz

    "Kostprobe" am Theater Koblenz: Im Verlauf eines opulenten Abends, der Kultstatus genießt, kommen erstmals ausgewählte Momente der neuen Produktionen ans Licht der Öffentlichkeit. Der 2012 verstorbene Hannes Houska, einst Theaterchef in Koblenz und Begründer dieser Tradition, nannte das augenzwinkernd eine „Werbeveranstaltung“. Auch Intendant Markus Dietze, unter dessen Ägide sich die Kostprobe nun das achte Mal beinahe als Galaevent präsentiert, will den treuesten Kern des Publikums mit Appetithappen neugierig machen auf das, was kommt – und so schon vor der ersten Premiere jenes Flüstern in Gang setzen, das die Aufmerksamkeit des mittelrheinischen Publikums für ihre regional wichtigste Bühne befeuert. Eine Woche vor der ersten großen Premiere traten nun Staatsorchester Rheinische Philharmonie, Solisten und Ensembles aller Theatersparten an, um die Besucher im voll besetzten Haus von einigen der noch in Arbeit befindlichen Stücke kosten zu lassen.

    Den Anfang des von Dietze launig moderierten Potpourris macht die Rheinische mit der Komposition „Short Ride in a Fast Machine“ von John Adams. Der neue Erste Kapellmeister des Theaters, Mino Marani, führt inspiriert durch das furios treibende und rhythmisch verzwickte Orchesterstück. Wie nur soll man dazu tanzen? Die Frage drängt sich auf, weil diese Musik eine Rolle spielen wird in Steffen Fuchs' Ballettabend „Die Odyssee“. Die Antwort darauf gibt es ab April auf der Bühne.

    Bis dahin stehen allerhand Premieren auf dem Plan. In der Oper zunächst Puccinis „La Bohème“. Dafür legen sich Sara Rossi Daldoss und Hana Lee in Mimi- und Musetta-Arien ins Zeug, Erstere voll inniger Wärme, Letztere vielversprechend kokett. Enrico Delamboye, Chefdirigent des Theaters, leitet musikalisch auch die zweite Puccini-Oper der Spielzeit: konzertante Aufführungen von „Tosca“ im Dezember. Als Appetitmacher servierten Theaterchor, Nico Wouterse als Baron Scarpia und das Orchester das „Te deum“-Finale des ersten Aktes.

    Nie nur für die Kunst leben

    Der moderierende Intendant schlägt bei seiner Moderation auch ernste Töne an, verweist auf die Bedeutung des Theaters als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen. Anknüpfend an die die große Arie der Tosca, die ein Leben nur für die Kunst und die Liebe besingt, appelliert Dietze: „Wir dürfen nicht dulden, dass sich politische Macht wie etwa in Russland oder der Türkei über Presse- und Kunstfreiheit erhebt.“ Und mit Bezug auf den aus Nazideutschland geflohenen jüdischen Komponisten Paul Abraham – von dessen Operette „Ball im Savoy“ es unter dem Dirigat von Daniel Spogis Kostproben jazzig gefärbter Walzer- und Foxtrottpassagen gibt – wendet sich der Intendant gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.

    Theater als Spiegel der Gesellschaft: Darunter fällt der Ballettabend dreier Choreografen unter dem Titel „Gefallene Helden“ (Premiere: Ende September), aus dem Arkadiusz Glebocki ein heftig bewegtes Solo zeigte. Darunter fällt das Musical „Chess“auf der Festung Ehrenbreitstein, für das Dirigent Karsten Huschke Klassikorchester und Rockband verbindet; ebenso Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“, von der Puppentheater-Sparte als Spiel mit Menschen im Puppenkostüm vorgestellt.

    Und darunter fällt im Schauspiel „Angels in Amerika“, ein 30 Jahre altes Stück, dessen bei der Kostprobe gezeigter Ausschnitt wirkte, als sei er gerade eben auf die Trump-USA geschrieben. Und darunter fällt die mit Spannung erwartete Premiere am kommenden Wochenende: Shakespeares „König Lear“ in einer Bearbeitung John von Düffels. Das auf acht Rollen reduzierte Stück demonstrierte mit der Eingangsszene fein differenzierte Charakterzeichnungen. Den Schlusspunkt des mit 20 Schmankerln richtig Theaterhunger machenden Spielzeitbuffets setzen Orchester und die Herren des Opernchores mit einem schmetternden „Steuermann, lass die Wacht“ aus Wagners „Fliegendem Holländer“ – der hat im Januar Premiere.

    Alle Infos zum Freundeskreis unter www.freundeskreis-stadttheater-koblenz.de, alles zur neuen Saison des Theaters unter www.theater-koblenz.de

     
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